Ulm Närrisches Treiben in Bonn

Talent gegen Ausnahmekönner: Der Ulmer Till-Joscha Jönke (rechts) verteidigt gegen Bonns Jared Jordan. Foto: Thilo Hensel
Talent gegen Ausnahmekönner: Der Ulmer Till-Joscha Jönke (rechts) verteidigt gegen Bonns Jared Jordan. Foto: Thilo Hensel
Ulm / SEBASTIAN SCHMID 09.02.2013
Während sich die Ulmer Bundesliga-Basketballer im Spielaufbau die Verantwortung teilen, hält beim Gegner Bonn allein Jared Jordan das Heft in der Hand. Allan Ray ist für die heutige Partie gesperrt.

Die schwerste Prüfung wartete für Till-Joscha Jönke nach dem Spiel. Die Situation auf dem Basketball-Feld ist der 21-Jährige gewöhnt, wenn auch nicht unbedingt in der Bundesliga. Doch mit dem Fan-Talk nach dem Sieg gegen die TBB Trier betrat Jönke Neuland. Erstmals stellte er sich den Fragen der Zuschauer und bezog dabei Stellung zum Spiel. Die ungewohnte Herausforderung meisterte das Ulmer Nachwuchstalent souverän.

Zuvor stand Jönke fast vier Minuten auf dem Parkett und verwandelte dabei drei seiner vier Versuche von der Freiwurflinie. Ratiopharm-Coach Thorsten Leibenath war mit dem Auftritt des Youngsters zufrieden. "Till war gewohnt unbekümmert und mutig", sagte der 37-Jährige. Jönke ist mit einer Doppellizenz ausgestattet und läuft regelmäßig für die Weißenhorn Youngstars in der Pro B auf. Dort trägt der 1,89 Meter große Aufbauspieler die Verantwortung für den Angriff, erzielte am vergangenen Wochenende gegen Hanau 32 Punkte und führte das Team vorzeitig in die Playoffs.

In der Bundesliga lautet die Devise für Jönke, möglichst schnell, möglichst viel Erfahrung zu sammeln. Von Per Günther und Lance Jeter kann er sich dabei einiges abschauen. Über mangelnde Qualität auf der Point-Guard-Position kann sich Leibenath wahrlich nicht beschweren. In Tommy Mason-Griffin gibt es eigentlich noch einen vierten Point-Guard, der allerdings verletzungsbedingt die ganze Runde ausfällt. Leibenath setzt auf zwei starke Spielgestalter und verteilt die Verantwortung für den Aufbau auf mehreren Schultern, beim heutigen Gegner, den Telekom Baskets Bonn (20 Uhr/live auf Sport 1), hält Jared Jordan das Heft alleine in der Hand.

Kein Problem für den 28-Jährigen, der auf seiner Position ein Ausnahmekönner in der Bundesliga ist. Diese bittere Erkenntnis mussten die Ulmer bei der 103:107-Hinspiel-Niederlage nach Verlängerung machen, als Jordan 22 Punkte und zehn Assists gelangen. "Er ist ein genialer Point Guard, der immer eine Lösung findet", urteilt Leibenath.

Die Bonner Fans hoffen derweil, dass es heute eine Partie mit einer ähnlich hohen Punktausbeute wie im Hinspiel wird - schließlich gibt es pro erzieltem Punkt der Heimmannschaft zwei Liter Freibier für die anschließend in der Arena stattfindende Karnevalsparty.

Als gebürtiger Rheinländer weiß Leibenath, was ihn in der fünften Jahreszeit erwartet. Als "Bonns größte Karnevalsparty" wird das Basketball-Spiel mit dem ganzen Drumherum inklusive Kostümwettbewerb der Zuschauer angekündigt. "Das könnte bei Bonn für eine Zusatzmotivation sorgen", sagte Leibenath, der gespannt ist, wie seine amerikanischen Neuzugänge auf die kostümierten Fans reagieren.

Allan Ray wird dabei mehr Zeit haben, das Publikum zu beobachten, als ihm lieb ist. Der 28-Jährige erhielt wegen einer "Tätlichkeit im minderschweren Fall" eine Sperre von einem Spiel und eine Geldstrafe (2300 Euro) und wird heute in Bonn nicht spielen. Ray hatte sich am Mittwoch von Jarrett Howell provozieren lassen und dem Trierer einen "Wischer" ins Gesicht verpasst.