Merlins Merlins-Basketballer enttäuschen im ersten Halbfinalspiel

Crailsheim / KLAUS HELMSTETTER 22.04.2014
Wenn man zum Basketball geht und es draußen noch hell ist, gibt es im Prinzip zwei Möglichkeiten. Entweder die (neue) Saison steckt noch in den Kinderschuhen, oder aber die Spielzeit steuert langsam aber sicher auf ihren Höhepunkt zu: Die Play-offs stehen an.

Eine Halle die noch einen Tick voller ist als sonst, hervorragende Stimmung und ein ansehnlicher Tross an Gästefans, mit zwei Bussen aus dem nahen Nürnberg angereist, zeugen davon. Allein die Mannschaft der Merlins tut sich schwer, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Kaum ein Leistungsträger erreicht Normalform. Der sichtlich frustrierte Coach Willie Young geht im Nachklapp noch einen Schritt weiter. "Bei uns waren alle Spieler schlecht. Mit 20 Ballverlusten kann man kein Spiel gewinnen." Auch Ingo Enskat, der sportliche Leiter, in aller Regel ein Mann der klaren Worte, redet nicht lange um den heißen Brei herum: "Ich bin sehr, sehr enttäuscht: Es kann mal etwas schiefgehen. Aber so aufzutreten. Das geht gar nicht." Sätze, die an Klarheit nicht zu wünschen übrig lassen und Enskat bei der Pressekonferenz spontan zustimmenden Szenenapplaus bescheren.

Von Anfang an muss sich der eine oder andere Zuschauer verwundert die Augen reiben. Denn nicht die in Weiß aufgelaufenen Hausherren geben den Ton an, sondern die schwarz gewandeten Gäste. "Unser Sieg im fünften Spiel in Ehingen hat unserem Selbstbewusstsein gutgetan", befindet Coach Benjamin Travnizek sichtlich zufrieden. "Die Verteidigung war ausschlaggebend, und wir haben eine klasse Teamleistung abgeliefert."

Aber was ist mit den Merlins? Eventuell übermotiviert? Oder den Gegner unterschätzt, weil schon zweimal in der Hauptrunde geschlagen? Mag sein, mag nicht sein. Fakt bleibt, dass im Crailsheimer Spiel niemand in der Lage ist, das Ruder herumzureißen. "Die sind ja total von der Rolle", ist treffend aus dem Zuschauerblock zu hören.

Letztlich stehen sich die Crailsheimer oft selber im Weg. In der Verteidigung viel zu lax, dem Gegenspieler immer wieder nur Begleitschutz gebend, statt engagiert zur Sache zu gehen. In der Offense kauft die starke Nürnberger Abwehr den Merlins rasch den Schneid ab, ist physisch viel präsenter. "Wir sind der Zweite nach der Hauptrunde. Da darf man nicht spielen, wie wir heute, zu langsam und nur reagierend, statt das Heft in die Hand zu nehmen", legt Ingo Enskat den Finger in die Wunde. In keiner Phase finden die Gastgeber ihren Rhythmus, überlassen den Gästen zu viele freie Würfe, verzetteln sich im Angriff immer wieder in Einzelaktionen. Als Jonathan Moore mit einem Dreier zum 12:11 für die erste Crailsheimer Führung sorgt, keimt Hoffnung auf, dass die Merlins eine Trendwende schaffen und die Partie in den Griff bekommen.

Doch es soll die einzige Führung an diesem Abend bleiben. Die Gäste drehen den Spieß kurzerhand um, machen aus dem 12:11 ein 12:22. Schon jetzt zeichnet sich deren große Treffsicherheit vor allem aus der Halbdistanz ab.

Frischen Wind bringt Philipp Friedel, der nach seiner Einwechslung gleich sieben Punkte in Folge erzielt. Doch die Gastgeber lassen weiterhin sämtliche Tugenden vermissen, die sie im Vorfeld stark gemacht haben. Kämpferische Akzente setzt Chris Tetzner, der im finalen Viertel von der Freiwurflinie ein sicheres Händchen beweist. Die Merlins können den Rückstand, bis auf 23 Punkte angewachsen, noch einmal verkürzen, am Ende einstellig und erträglich aussehen lassen. Symptomatisch ein Dreierversuch von Carlos Medlock in der Schlussphase, der als Airball endet. Willie Young probiert eine Menge, doch keine Auszeit, kein Spielerwechsel, keine taktische Umstellung bringen den erhofften Umschwung. Womöglich hätte er in der Schlussphase alles auf eine Karte setzen und eine Ganzfeldpresse versuchen sollen. Vielleicht hat er da aber auch die Serie, die lang und kräfteraubend werden kann, im Blick.

Ein großes Kompliment verdienen die Fans, die ihr Team unermüdlich anfeuern - bis zum Ende. Nachdem kaum ein Crailsheimer Spieler Normalform erreicht, entfällt dieses Mal die Rubrik "Spieler des Matches."

Statistik: Merlins: Friedel 11 (1 Dreier), Sullivan 11 (2 Dreier), Moore 10 (2), Polas 9, Medlock 8, Crow 7 (1), Johnson 7, Tetzner 7.

Nürnberg: Juan Reile 13 (1), Bingo Merriex 11 (1 Dreier).

Spielfilm: 0:5 / 2:9 / / 12:11 / 12: 22 / 14:25 (1.V.)

14:30 / 16:32 / 20:34 / 24:38 / 29:43 (Halbzeit)

34:47 / 37:51 / 40:56 / 40:63 / 42:63 (3. Viertel)

45:65 / 56:66 / 59:75 / 68:78 / 70:78 (Ende)

Viertel: 14:25 / 29:43 / 42:63 /70:78