Ratiopharm Ulm Mehr als nur einen Plan A

Patrick Miller versucht, dem Bayreuther Gregor Hrovat den Ball zu klauen. Der Ulmer Aufbauspieler stellte die Gegner mit seiner Athletik immer wieder vor Probleme und durfte zwölf Mal an die Freiwurflinie.
Patrick Miller versucht, dem Bayreuther Gregor Hrovat den Ball zu klauen. Der Ulmer Aufbauspieler stellte die Gegner mit seiner Athletik immer wieder vor Probleme und durfte zwölf Mal an die Freiwurflinie. © Foto: Markus Förster/Eibner
Bayreuth/Ulm / Sebastian Schmid 06.11.2018

Vor ein paar Jahren war Thorsten Leibenath vorgeworfen worden, dass er keinen Plan B besitze. Wenn die Dreier nicht fallen, hätten Ulm keine Alternativen parat und würde verlieren. Dann kam Raymar Morgan und plötzlich hatte das Ratiopharm-Team einen Plan B – und zwar einen so guten, dass das Kraftpaket sogar die erste Option im Angriff wurde. Doch dann ging er aus Ulm weg und das Ratiopharm-Team verpasste die Playoffs.

In Bayreuth sah es lange so aus, als ob Leibenaths Team in das alte Muster zurückfällt. In der Oberfrankenhalle wollten die Distanzwürfe einfach nicht fallen und gepaart mit einen schlechten Abwehr – übrigens ein ewiger Vorwurf, dass Ulm keine Defensive spielen kann – deutete vieles auf die fünfte Saisonniederlage im fünften Bundesligaspiel hin. Doch Ulm hatte in der Offensive einen Plan B – und konnte plötzlich verteidigen. „Das war auch ein Signal an uns selbst, weil wir uns nicht darauf verlassen haben, das Spiel mit wilden Würfen zu gewinnen“, sagte Leibenath nach dem 88:79-Erfolg.

Die Franken hatten wohl darauf vertraut, dass es ausreicht, den Schützen eng auf den Füßen zu stehen und ihnen so die Würfe von jenseits der 6,75-Meterlinie schwer zu machen. Doch die Ulmer fanden eine Lösung, suchten den Weg unter den Korb und waren damit erfolgreich. Dass sie bis zur Halbzeit fast 50 Punkte kassierten und es den Bayreuther zu häufig zu einfach machten, zu Körben zu kommen, änderte sich nach Leibenaths Halbzeitansprache ebenfalls.

Dank einer Umstellung in der Defensive wurden die Bayreuther stärker unter Druck gesetzte, was ihnen und ihrem Trainer gar nicht passt. Nur noch 31 Punkte gelangen den Hausherren in der zweiten Hälfte des Spiel. Das ließ Coach Raoul Korner öffentlich an der Qualität seiner Aufbauspieler zweifeln, wobei er Bastian Doreth von der Kritik ausdrücklich ausnahm: „Ich glaube, dass wir ein Problem beim Ballhandling haben. Wir sind im Moment nicht in der Lage, bei starkem Druck zu agieren. Mit diesem Personal sind wir nicht fähig zu gewinnen.“

Die Ulmer ihrerseits haben gezeigt, dass sie in der Bundesliga doch noch gewinnen können und gehen voller Elan in das Eurocup-Duell am Mittwoch (19.30 Uhr) in der Ratiopharm-Arena gegen Roter Stern Belgrad.

Greens Missgeschick bleibt ohne Folgen

Javonte Green gehört zu den spektakulärsten Bundesligaspielern. Gegen Bayreuth sorgte er aber für einen Schrecksekunde. Nachdem er den Ball vom Gegner geklaut hatte, rannte der 25-Jährige alleine auf den Korb zu und wollte per Rückwärtsdunking vollenden, statt auf Nummer sicher zu gehen. Die Aktion ging schief, Green knallte den Ball an den Ring und hatte Glück, dass Bogdan Radosavljevic mitgelaufen war, den Rebound holte und für den 57:58-Anschluss sorgte. Eine Szene, die bei Thorsten Leibenaths Videonanalyse des Spiels übrigens nicht auftauchen wird, wie der Ulmer Trainer verriet. Der 43-Jährige will seinen Akteuren solche Aktionen zukünftig nicht verbieten. Die Fans freut’s – auch wenn es dieses Mal schief ging.

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