Basketball Ratiopharm Ulm: Lasst die Titeljagd beginnen!

Der mit den grünen Schuhen: Per Günther nimmt diese Saison mit Ulm mindestens einen Titel ins Visier.
Der mit den grünen Schuhen: Per Günther nimmt diese Saison mit Ulm mindestens einen Titel ins Visier. © Foto: Lars Schwerdtfeger
HELEN WEIBLE 13.12.2016

Die neue Zeitrechnung hat höchstwahrscheinlich schon vor dieser Saison begonnen. Schon im August reifte in den Köpfen von Thorsten Leibenath, Thomas Stoll und Per Günther der Gedanke, dem Unternehmen Ratiopharm Ulm einen weiteren Schub zu verleihen. Ein paar Dinge kann man alleine durch vertragliche Konstanz regeln.

Und so kam es innerhalb von nur fünf Tagen zu zwei Verlängerungen der wichtigsten tragenden Säulen bei den Ulmer Bundesliga-Basketballern: Coach Leibenath, in seiner sechsten, Kapitän Günther in seiner neunten Saison, beide bleiben sie Ratiopharm Ulm für zwei weitere Jahre treu. „Es war sehr einfach für mich“, erklärte Per Günther, „ich wusste früh, dass ich bleiben will.“ Im Sommer hatte er schon bei Manager Thomas Stoll angeklopft. In dieser Woche kumulierten sich die Ereignisse mit dem fünften Geburtstag der Ratiopharm-Arena. Im 108. ausverkauften Spiel feierten die heimischen Basketballer den 94. Sieg – und was für einen besonderen!

Der klare 78:63-Erfolg über Bamberg, der bis dato stärksten deutschen Mannschaft, könnte tatsächlich der Auftakt einer neuen Ära sein. Einer Ära, in der an der Donau auch ein Mal die großen sportlichen Erfolge gefeiert werden. Spätestens jetzt muss man den letztjährigen Vizemeister Ratiopharm Ulm in einem Atemzug mit Bamberg, Bayern und Berlin nennen. Eine Mannschaft, die hungrig auf Titel ist.

Am schnellsten realisieren könnte sich ein Titel am 18. und 19. Februar in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin. Als einziger ungeschlagener Klub in der BBL ist den Ulmern eine Qualifikation für die Pokalrunde fast gar sicher. Das 17. und damit letzte Spiel der Hinrunde ist am 30. Dezember gegen Göttingen. Die Qualifikationsrunde unter den besten sechs Teams findet Mitte Januar statt. Auch der Ulmer Spielmacher geht von einer machbaren Titelmission aus: „Es sind drei Spiele. Klar, die Chancen auf einen Titel, sind beim Pokal am größten.“ Wo die Fans nach dem grandiosen Triumph über die Bamberger schon unverhohlen „Meister“ skandieren, muss sich Günther natürlich in der üblichen Diplomatie üben: „Das Ziel ist der Playoff-Einzug“, sagte er mit einem verschmitzten Lächeln. Alle, die ihn da auf dem Fantalk-Sofa sitzen sahen, wussten, dass so ein Kerl nicht dem Doppelstadt-Verein die Treue hält, um ein bisschen Basketball zu spielen.

Der 28-Jährige, natürlich ein Spieler, den Leibenath immer zu Anfang aufs Feld schickt, konnte auch ein bisschen erklären, was die Ulmer Mannschaft diese Saison so besonders macht. „Es ist die Qualität von der Bank“, sagte er mit speziellem Blick auf Karsten Tadda, Braydon Hobbs, Augustine Rubit und auch Tim Ohlbrecht. Letzterer hatte gerade mal 20 Minuten Einsatzzeit und war mit 19 Punkten Topscorer der Partie am Sonntag. Von einer starken Ulmer Offensive durfte man sich diese Saison schon häufiger überzeugen. Erstmals arbeitete das Leibenath-Ensemble auch defensiv grundsolide. Sie nahmen den Bambergern, sonst nie um eine alternative Spielvariante verlegen, einfache Würfe weg. Sie klauten den Brose-Korbjägern 16 Mal den Ball und hielten die kräftigen Großen wie Nicolò Melli, Daniel Theis, Lucca Staiger oder Leon Radosevic am Korb in Zaum. Da macht es nichts, wenn Günther, der dem Klub vor dem Sprungball sein Bekenntnis gab, einmal keinen Sahnetag erwischt hat.

Reise nach Jerusalem und noch weiter

Im zehnten Eurocup-Spiel sind die Basketballer von Ratiopharm Ulm morgen (19.15 Uhr/Pro 7 MAXX) zu Gast in Jerusalem. Heute in der Früh haben sich die Ulmer darum auf eine mehrtägige Reise aufgemacht. Denn bereits drei Tage später folgt ein Auswärtsspiel im Norden. Der Flieger hebt am Donnerstag Richtung Bremen ab. Von dort geht es per Bus weiter nach Vechta (Samstag, 20.30 Uhr). Aus Jerusalem müssen die Ulmer nicht unbedingt einen Sieg mitbringen, da sie sich schon für die Top 16 qualifiziert haben. Um in der Bundesliga eine weiße Weste zu bewahren, sollten aber bei Rasta zwei Punkte her.