Basketball Jäger seines Schicksals

Ehingen / Helen Weible 20.06.2018

Wenn ein Basketballer enorm flink ist und daher richtig schwer zu verteidigen, bezeichnet man ihn im Sportler-Jargon als „unguardable“. Daniel McGee ist so ein Typ, ob im Basketball oder im Alltag. Er geht zielstrebig seinen Weg, niemand kann ihn in seinem Tun aufhalten. Was er sich in den Kopf gesetzt hat, zieht er durch. „Ich will nicht zurückschauen und eines Tages bereuen, dass ich meine Träume nicht gelebt habe.“

Sein Traum ist es, in Deutschland eine Karriere als Basketballer zu starten. Und damit meint er es definitiv ernst. Ab ging es in die Luft mit einem One-Way-Ticket zum Frankfurter Flughafen und mit dem Zug ins Schwäbische. Seine Heimatstadt Gary, im Bundesstaat Indiana, wo Pop-Legende Michael Jackson geboren ist, hat er den Rücken gekehrt. Seinen Job als Mathelehrer hat er gekündigt. Für wie lange will er bleiben? Das ist unklar. Bald sind drei Wochen vergangen.

Aufgefangen und unterstützt hat den 26-Jährigen bislang insbesondere Elias Kleiner, ein TSG-Spielmacher aus einer Basketball verrückten Familie. Hier kann Daniel McGee wohnen, hier hat er eine Bleibe. „Ich bin sehr dankbar, was mir Elias’ Familie ermöglicht“, sagt er trotz seiner Schwebesituation vollkommen tiefenentspannt. Für ihn würden sich jetzt einige Chancen auftun. Er jagt sein Schicksal eben, bevor es ihn ereilt.

Der wissbegierige Hobbyphilosoph hat es tatsächlich gut erwischt. Die Trainingshalle bei der JVG-Schule ist sozusagen nur einen weiten Dreierwurf von Elias’ Haus entfernt. Daniel McGee ist dem Ehinger wie ein Bruder, dem Basketball genauso am Herzen liegt. „Dee ist sehr ehrgeizig, anpassungsfähig, lernfähig und immer hart arbeitend sowie eine angenehme und hilfsbereite Person abseits des Courts“, sagt Elias Kleiner über „seinen“ Refugee. Für ihn sei es überhaupt keine Frage, ob der ausgebildete Combo-Guard einmal einen Vertrag bei einem deutschen Klub unterschreibt. „Ich traue ihm zu 100 Prozent zu, hier im Süden Deutschlands spielen zu können.“

Der US-Amerikaner mit dem sanften Lächeln und der versierten Ballbehandlung war schon einmal in Deutschland. Im März hatte es ihn in den Süden nach Munderkingen verschlagen, wo er eigentlich bei einem Profi-Training vorspielen wollte. Bei den Herren 2 der TSG traf er erstmals auch Elias Kleiner, der sein Spiel bewunderte. Für Daniel McGee ging es wieder in die Heimat. Aber die beiden blieben über Facebook in Kontakt.

Nunmehr ist er zum zweiten Mal hier und versucht sich zu vernetzen. Bei den Steeples hat er bereits angeklopft. Ihm fehle leider die Erfahrung im europäischen Basketball, hieß es, die müsse er erst einmal sammeln. Wenn es nicht bei einem Team der 2. Basketball-Bundesliga klappt, dann vielleicht in einer tieferen Liga? Vom Regionalligisten MTV Stuttgart gab es ein Signal. Die Landeshauptstädter könnten noch einen Amerikaner gebrauchen. Abwarten, ob es was wird. Stuttgart ist McGee vor allem wegen der Automobilhersteller ein Begriff. „Mercedes fahren viele meiner Freunde“, sagt er. Deutschland war ihm schon im Geschichtsunterricht sympathisch. „Ich wollte nach dem College schon immer weg, und hier gefällt es mir wirklich gut.“ Die kurzen Wege seien toll; im beschaulichen Ehingen fühle er sich wohl. Gary bei Chicago hat 80 000 Einwohner. Daheim hatte sein Vater nur den Kopf geschüttelt. „Er meint, dass ich verrückt bin, aber ich verfolge einfach meine Leidenschaft. Viele wagen den Schritt nicht, weil sie das Unbekannte fürchten.“ Daniel McGee nimmt den Ball in die Hand und zieht voller Optimismus zum Korb. Es  scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis sich eine (Wurf-)-Option für ihn auftut. Und Treffer!

Warten auf den großen Wurf

In den USA ist es schwer, sich als Spieler nach oben zu arbeiten. Die Wenigsten schaffen es nach dem College direkt in die höchste Liga NBA (National Basketball Association). Viele nehmen aber den Weg über eine Talenteliga, wo nicht bei einem Klub, sondern bei der Liga ein Vertrag unterzeichnet wird. Die D-League (NBA Development League) oder auch G-League genannt, nutzen einige Spieler als Sprungbrett. Eine Stufe tiefer gibt es die semiprofessionelle ABA (American Basketball Association). Daniel McGee war in der ABA für die Indiana Monarchs aktiv. Da der Konkurrenzkampf in den USA groß ist, verprechen sich talentierte Spieler viel von einer Karriere in Europa. hel

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