Basketball Isaac Fotu: Ratiopharm Ulms stiller Kämpfer

Isaac Fotu (l.) im Duell mit Frankfurts Mike Morrison. Abseits des Spielfelds ist der Ulmer Neuzugang ein ganz ruhiger Typ.
Isaac Fotu (l.) im Duell mit Frankfurts Mike Morrison. Abseits des Spielfelds ist der Ulmer Neuzugang ein ganz ruhiger Typ. © Foto: RRZ/Eibner-Pressefoto
Sebastian Schmid 20.11.2017
Isaac Fotu hat mit 23 Jahren schon ein paar Dinge erlebt. Unter anderem brachte er mit Neuseelands Basketball-Nationalmannschaft NBA-Superstars zum Staunen. Warum für ihn Ulms 89:75-Sieg in Frankfurt so wichtig war.

Erleichtert und froh waren alle Ulmer über den 89:75-Sieg. Aber für Isaac Fotu stand in Frankfurt noch mehr auf dem Spiel als für seine Teamkollegen. Der 23-Jährige reiste nämlich nicht mit der Ratiopharm-Mannschaft zurück nach Ulm, sondern flog gestern von Frankfurt aus nach Auckland. Über 22 Stunden Flugzeit – und als Nebensitzer Frankfurts Tai Webster. „Das wäre ein langer Flug geworden“, ist sich Fotu sicher: „Er hätte mich die ganze Zeit daran erinnert, dass wir verloren haben.“ So aber konnte sich der Ratiopharm-Neuzugang ganz entspannt auf den Weg in seine neuseeländische Heimat machen.

Ulm überzeugt in der Defense

Zu verdanken war das einer Ulmer Mannschaft, die ihr bislang bestes Saisonspiel abgeliefert hat. Gegen die defensivstarken Frankfurter glänzten die Gäste selber mit einer überzeugenden Abwehrarbeit. „Auf diesem Niveau können wir weitermachen“, sagte Thorsten Leibenath, der wegen der Länderspiel-Pause (siehe unten) allerdings 14 Tage warten muss, ehe es weitergeht.

Nach drei ausgeglichenen Vierteln legte Ulm im letzten Durchgang eine Schippe drauf. Die Frankfurter konnten da nicht mehr mithalten und verloren das Viertel mit 16:31. Damit war nicht zu rechnen, schließlich waren die Hessen unter der Woche spiel­frei, während das Ratiopharm-Team am Mittwochabend noch im Eurocup im türkischen Bursa im Einsatz war (84:100).

Direkt zur Dopingkontrolle

Überragender Mann der Schlussphase war Trey Lewis, den Frankfurt nicht mehr in den Griff bekam. Mit 26 Punkten war er der Topscorer der Partie und legte einen so energiegeladenen Auftritt hin, dass es verdächtig wurde. Zumindest aus Sicht der Nationalen Anti-Doping-Agentur, die den 26-Jährigen direkt nach Spielende zur Kontrolle mitnahmen.

Während Lewis der Akteure des Schlussviertels war, war Fotu auf Seite der Ulmer der bestimmende Mann der Anfangsminuten. Dem Power Forward war anzumerken, dass er keine Lust auf eine Niederlage und Websters daraus resultierenden Sprüchen hatte. Mit 10:4 entschied er das Punkte-Duell der beiden Neuseeländer letztlich ebenfalls für sich und schaffte damit einen weiteren Grund, um Webster zum Schweigen zu bringen.

Für zwei Spiele wird das Duo nun aber gemeinsame Sache machen. Zusammen mit Websters Bruder Corey sind die beiden Bundesliga-Spieler die Stars der „Tall Blacks“, wie sich die neuseeländische Nationalmannschaft nennt. Gegen Korea und in Hong Kong soll der Grundstein für die WM-Teilnahme 2019 gelegt werden. Fotu, der aus dem spanischen Saragossa nach Ulm kam, hat trotz seiner erst 23 Jahre bereits WM-Erfahrung gesammelt – und stand dabei den Besten der Besten gegenüber. In der Vorrunde traf Neuseeland 2014 in Bilbao auf die USA mit Stephen Curry, Kyrie Irving und James Harden – und sorgte dabei für ein Highlight der WM. Das Youtube-Video der NBA-Superstars und ihrer fassungslosen Gesichter, als der Gegner vor der Partie den traditionellen Stammestanz Haka aufführte, wurde bislang über 8,3 Millionen Mal angeklickt.

Staunende NBA-Superstars

Fotu muss immer noch lachen, wenn er daran denkt. „Die hatten keinen Plan, was da gerade abgeht.“ In 17 Minuten Spielzeit gelangen dem damals 20-Jährigen acht Punkte. Trotz des 71:98 ein unvergessliches Erlebnis. „Es war wirklich verrückt, auf einmal gegen die Jungs zu spielen, die man sonst nur im TV sieht.“

Dabei war Fotu ein Spätzünder. Bis er 15 Jahre alt war, spielte das 2,03 Meter große und über 100 Kilo schwere Kraftpaket Rugby – in Neuseeland Sportart Nummer eins. Eine sportliche Vergangenheit, die ihm beim Kampf unter den Körben zu Gute kommt. Wer mit Fotu abseits des Spielfelds spricht, lernt aber die zurückhaltende Art des Kämpfers kennen. „Ich lasse lieber meine Taten auf dem Feld für mich sprechen und bin ein freundlicher, stiller Typ.“ Was aber nicht heißt, dass Tai Webster nicht den einen oder anderen Spruch auf dem Flug zu hören bekam. Den Triumph ließ sich Fotu dann doch nicht nehmen.