Merlins Interview: "Mit Stevie Johnson kam der Wendepunkt"

Zieht an einem Strang - das Führungstrio der Crailsheimer Basketballer mit Ingo Enskat (sportlicher Leiter), Coach Willie Young und Teammanager Martin Romig (von links).
Zieht an einem Strang - das Führungstrio der Crailsheimer Basketballer mit Ingo Enskat (sportlicher Leiter), Coach Willie Young und Teammanager Martin Romig (von links). © Foto: Klaus Helmstetter
Crailsheim / KLAUS HELMSTETTER 03.05.2013
In der Basketball Pro A steht die Endspielpaarung fest. Mit Vechta und Düsseldorf treffen der Erste und Dritte der Hauptrunde aufeinander. Die Crailsheim Merlins sind als Elfter ins Ziel gekommen.

Grund genug, um die Saison, mit etwas Abstand, noch einmal Revue passieren zu lassen und einen Ausblick in die Zukunft zu wagen. Dazu sprach das HT mit Ingo Enskat, dem sportlichen Leiter der Korbjäger aus Crailsheim.

Aufsteiger Vechta und Düsseldorf spielen jetzt um die Meisterschaft in der Pro A. Sind das tatsächlich die besten Mannschaften?

INGO ENSKAT: Vechta war sicherlich, über die gesamte Runde gesehen, die stärkste Mannschaft. Düsseldorf hatte seine Ups and Downs, bekam dann noch einen Sponsor hinzu und hat in der zweiten Saisonhälfte stärker gespielt. Aufgrund dieser Leistung ist auch Düsseldorf zu Recht im Endspiel. Man hat aber in den Runden davor gemerkt, wie knapp es zugeht. Düsseldorf ist fast gegen Nürnberg ausgeschieden, Vechta tat sich gegen Karlsruhe ebenfalls schwer, und Jena schlägt Göttingen. Auch wir als Merlins haben gegen die besseren Gegner oft nicht schlecht ausgesehen, hatten gegen einfachere aber Probleme.

Bemerkenswert waren die großen Schwankungen des Teams, die mangelnde Konstanz in der Leistung! Welche Erklärung gibt es dafür?

ENSKAT: Ich denke, das Teamgefühl war nicht intakt. Die Jungs sind, jeder für sich, nette Kerle, menschlich gesehen okay. Da war kein fauliger Apfel drunter. Von den individuellen Stärken her hätten sie auch als Team funktionieren müssen. Auf dem Feld haben sie aber nicht, wie erhofft, miteinander harmoniert. Die einzelnen Rädchen haben nicht ineinander gegriffen.

Wenn man die aktuelle Mannschaft mit der aus der Vorsaison vergleicht - was fällt da auf?

ENSKAT: In der Vorsaison waren mehr Emotionen spürbar, mehr Power und mehr Energie. Wir haben auch nicht bis ins Detail ausgeklügelt gespielt. Wenn es darauf ankam, hat die Mannschaft aber ihre besten Spiele gezeigt. Rein von der spielerischen Leistung sind die beiden Mannschaften nicht weit entfernt voneinander. Aber die unbändige Power hat die letztjährige Mannschaft vorangetrieben. Das hat die aktuelle zu wenig ausgestrahlt.

Welche Lehren können die Verantwortlichen daraus ziehen?

ENSKAT: Zunächst mal geht es um die Rekrutierung. Wir hatten eine größere Fluktuation als die Jahre zuvor, als wir so gut wie keinen Spieler wieder wegschicken mussten. Es geht in dem Geschäft nicht darum, wer ein netter Kerl ist. Wenn ein Spieler nach zwei Wochen in der Vorbereitung nicht auf dem nötigen Level ist, wird er auch nicht mehr dorthin kommen, und man sollte sich besser trennen. Stevie Johnson ist erst später zum Team gestoßen, kommt aber mit seiner Spielweise an und zeigt von Anfang an, was er kann. Bei den jüngeren Spielern muss man ehrlich sein und schneller eine Entscheidung treffen. Auf der anderen Seite geht es um mehr Disziplin und Spaß. Disziplin ist in Training und Spiel gefordert, aber eben auch Spaß, weil jeder das, was er macht - nämlich Basketballspielen - ja gerne macht. Und wenn beides Hand in Hand geht, kann man damit das Publikum mitreißen.

Die Merlins haben bis in die Schlussphase der Saison gegen den Abstieg gespielt. Gab es da auch einen Plan B, hat man sich auch mit dieser möglichen Entwicklung beschäftigt?

ENSKAT: Nun, wir haben schon gewusst, was im Falle eines Abstieg getan werden müsste, um dann wieder Spiele zu gewinnen. Aber wir haben unseren Fokus eindeutig darauf gelegt, die Klasse zu halten.

Die Merlins haben den Sprung in die Play-offs nicht geschafft. Hat das auch ein Loch in die Kasse gerissen?

ENSKAT: Bei den Play-offs gab es tolle Spiele, mit einer super Atmosphäre. Wirtschaftlich macht man da nicht den Riesen-Gewinn. Wenn die Saison für ein Team endet, entstehen ja auch keine Kosten mehr durch für die Mannschaft. Also hält sich das in etwa die Waage.

Bekannt ist derzeit, dass Willie Young als Coach weitermachen wird und Stevie Johnson als Spieler. Was gibt es sonst Neues?

ENSKAT: Wir haben uns mit Willie Young zusammengesetzt und auch mal zurückgeblickt. Auch Willie hat in seiner ersten Spielzeit als Coach in der Pro A viel gelernt, ist einen guten Schritt nach vorne gekommen. Was die Spieler angeht, wird Kosta Karamatskos bleiben. Und ganz wichtig: Stevie Johnson, dessen Erscheinen in Crailsheim eine Art Wendepunkt in der Saison brachte. Einen solchen Spieler findet man als Trainer klasse. Er macht nichts, was einem im Gedächtnis bleibt, hat am Ende des Spiels aber ganz viele Bälle reingemacht. Er hat eine sehr positive Art, wurde deswegen auch Kapitän - und ist schon ein gestandener Mann. Außerdem wird Philipp Friedel bleiben. Er hat sicher noch mehr Potenzial. Und je besser ihn die Mannschaft einsetzt, desto besser kommen seine Stärken auch zum Tragen. Auch mit Josten Crow sind die Gespräche angelaufen, und es sieht so aus, als ob man sich da zusammenfinden könnte.

Zeichnet sich wieder mal ein Eigengewächs ab, das es in die erste Mannschaft schaffen könnte?

ENSKAT: Derzeit sehe ich dort keine akute Entwicklung. Unsere Jungs sind vom Alter her auch noch zu weit entfernt. Aber die U 16 steht jetzt unter den letzten vier im Rennen um den deutschen Pokal. Und die U 18 hat einen vernünftigen Jahrgang mit Perspektive. Die Talente müssen sich noch entwickeln.

Die zweite Mannschaft hat sich als Aufsteiger in der Regionalliga sehr gut behauptet!

ENSKAT: Ziel voll erfüllt, kann man sagen. Nächste Saison wird das Ziel sein, die Liga zu halten. Wir werden ohne Amerikaner spielen und die Jüngeren aus U 16 und U 18 stärker einbeziehen. Auf den großen Positionen sind wir recht dünn besetzt.

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