Sie haben im Januar angefangen Gitarre zu spielen. Was sagen Ihre Nachbarn dazu?

BRYANT (lacht): Bis jetzt kamen noch keine Klagen. Ich spiele aber nur mittags und versuche die Nachbarn nicht zu stören. Und ich werde ja immer besser. Vielleicht singen die Nachbarn ja bald mit.

Was für Lieder können Sie spielen?

BRYANT: Einige der alten Klassiker, wie Free Fallin von Tom Petty und andere ältere Rocksongs - und ein paar Bob-Marley-Songs.

Ihr Mitspieler Sebastian Betz hat Sie erst auf den Geschmack von Rockmusik gebracht. Dabei sind Sie im kalifornischen Berkeley aufgewachsen, von wo unter anderem Creedence Clearwater Revival und Green Day stammen. Erzählen Sie von Berkeley.

BRYANT: Es ist ein bunt gemischter Ort mit vielen unterschiedlichen Kulturen, Menschen und allen möglichen Musikarten. Dort findet immer ein Festival oder ein Rummel statt. Es ist eine gute Gegend, um aufzuwachsen und zu leben.

Gibt es Ähnlichkeiten mit Ulm?

BRYANT: Die Kalifornier entspannen sich gerne und haben ihren Spaß. Das ist hier ähnlich. Die Deutschen arbeiten zwar hart, aber dann entspannen sie. Außerdem sind die Leute hier auch sehr höflich, sagen immer Hallo und kümmern sich nicht nur um ihren eigenen Kram.

Ulm ist Ihre erste Station außerhalb den USA. Haben Sie Heimweh?

BRYANT: Ein wenig vermisse ich meine Familie. Als ich aufs College bin, war es nur eine Stunde von zuhause weg. Aber als ich in der D-League (Nachwuchsliga der nordamerikanischen Profiliga NBA; Anm. d. Red.) gespielt habe, bin ich auf die andere Seite des Landes nach Pennsylvania gezogen. Auch wenn es nur für vier Monate war, war das ein guter Test. Langsam habe ich mich aber an das Leben hier gewöhnt und je länger ich hier bin, desto einfacher fällt es mir.

Der Lebensstil in Kalifornien und Deutschland ist nicht allzu unterschiedlich. Macht es das für Sie einfacher?

BRYANT: Auf jeden Fall. Das ist einer der Gründe, warum ich mich entschieden habe, in Deutschland zu spielen. Die Art zu Leben unterscheidet sich nicht groß von der in den USA.

Ihre Freundin Casey Monteith, eine Fitness-Trainerin, ist mit Ihnen nach Ulm gezogen. Auf dem College hatten Sie massive Gewichtsprobleme, wogen 175 Kilo (bei 2,11 Meter Körpergröße; Anm. d. Red). Hilft Ihnen Ihre Freundin Ihr Gewicht zu halten?

BRYANT: Ja, wir arbeiten das ganze Jahr daran, kochen und ernähren uns gesund mit viel Reis, Hühnchen und Pasta. Das war auch der Schlüssel, um an Gewicht zu verlieren und es nun auf einem konstanten Niveau zu halten. Casey ist zudem meine persönliche Trainerin. Wir trainieren zuhause mit Flexi-Bar-Stäben und machen Core-Training.

Wenn wir gerade beim Essen sind. Was ist Ihr Lieblingsessen?

BRYANT (überlegt lange): Das ist schwierig. Am liebsten esse ich mexikanisch, also Tacos und Sachen mit Fleisch und Käse.

Gönnen Sie sich ab und zu noch Fastfood?

BRYANT: Es ist nicht komplett verboten, aber wir essen es selten. Ich will mich nicht selbst einschränken. Ich fälle die Entscheidungen und wenn es eine schlechte ist, weiß ich, dass sie mich negativ beeinflusst. Wenn ich eine gute Entscheidung treffe, hat sie positive Auswirkungen. Es geht also eher darum, die richtigen Entscheidungen zu treffen und nicht darum, sich selbst einzuschränken. Ich weiß, dass ich Fastfood haben kann. Aber ich weiß auch, dass es zusätzliche Kalorien sind.

Sind Sie mit ihrem Gewicht von 127 Kilogramm zufrieden?

BRYANT: Es ist das Beste, das ich bisher hatte. Ein paar Kilo weniger und ich habe mein perfektes Gewicht. Dem komme ich jeden Tag näher.

Mit dem Verlust der Kilos wurden Ihre Leistungen immer besser. Nun sind Sie der beste Spieler der Bundesliga. Wie fühlt sich das an?

BRYANT: Es fühlt sich großartig an. Es ist eine Ehre der MVP (Most Valuable Player; Anm. d. Red.) dieser großartigen Liga zu sein, in der es so viele gute Spieler gibt. Ich habe mich in meiner Karriere aber noch nie groß um Auszeichnungen gekümmert. Es behindert einen nur, wenn man ins Spiel geht und denkt: "Ich muss so und so viele Punkte machen und so und so viele Rebounds holen." Mit dem Gewichtsverlust und meiner besseren Kondition kann ich nun länger auf dem Spielfeld stehen und alles dafür tun, dass das Team gewinnt. Es macht einfach viel mehr Spaß, wenn man gewinnt. Nichtsdestotrotz ist die Auszeichnung eine große Ehre.

Gibt es in Ihrem Spiel noch Dinge, die Sie verbessern können?

BRYANT: Ja, klar. Mein Wurf von draußen könnte noch besser sein. Ich treffe den schon oft, aber ich möchte, dass ich auch sicher treffe. Außerdem arbeite ich an den Post-Moves und versuche die Abwehr des Gegners besser zu lesen.

Sie werfen nach dem Training immer noch ein paar Dreier gegen Ihren Trainer Thorsten Leibenath. Wie steht es in dem Wettbewerb?

BRYANT: Ich führe.

Haben Sie um etwas gewettet?

BRYANT: Um nichts Bestimmtes. Wir werden noch was ausmachen, der Verlierer wird irgendwas Lustiges machen müssen.

Was erwarten Sie für die Play-offs? Was können Sie mit Ulm erreichen?

BRYANT: Es sind die Play-offs und das bedeutet: Gewinn oder geh heim. Es ist unsere Mentalität, dass wir rausgehen und versuchen, jedes Spiel zu gewinnen. Ich glaube, mit den Spielern, die wir haben, und der Saison, die wir bislang gespielt haben, können wir eine gute Serie starten. Außerdem ist das Heimrecht ein großer Vorteil für uns.

In der neuen Saison könnten wichtige Spieler das Team verlassen. Reden Sie untereinander darüber?

BRYANT: Ja, klar. Es wäre sehr positiv, wenn wir mit der gleichen Truppe in die neue Saison gehen könnten. Wir sprechen viel darüber, was jeder für eine Tendenz hat, ob er hier bleibt oder was für eine Entscheidung er fällt.

Was ist dann in den kommenden Jahren für Ulm möglich?

BRYANT: Nur Gutes. Mit der Arena, der Verpflichtung von Thorsten Leibenath und den Spielern, die geholt wurden, wurde ein riesiger Schritt nach vorne gemacht. Es wird definitiv weiter aufwärts gehen.

Ihr College-Coach in Santa Clara, Kerry Keating, verlangte von Ihnen, dass Sie sich die Haare abschneiden, was Sie auch taten . . .

BRYANT: Ich musste. Er hatte mir eine Sperre angedroht.

Erzählen Sie bitte ein wenig mehr von Coach Keating.

BRYANT: Er hat mir unglaublich geholfen. In den ersten zwei Jahren am College habe ich viel durchgemacht. Ich genoss das Leben, hatte Spaß und habe mich nicht hundertprozentig auf Basketball konzentriert. Als er ankam, sagte er mir: "Du kannst Profi werden und mit Basketball Geld verdienen. Aber du musst dich darauf konzentrieren, Gewicht verlieren und in Form kommen." Von da an habe ich mich wirklich auf Basketball konzentriert.

Ihr nächster Coach war Mike Taylor. Was bedeutet er für Ihre Karriere?

BRYANT: Er gab mir eine Chance in Ulm. Dafür bin ich ihm immer dankbar. Mike ist ein lockerer Typ, vielleicht der coolste Trainer, den ich je hatte. Er war der Erste, der mich Würfe von draußen nehmen ließ.

Und Thorsten Leibenath?

BRYANT: Er brachte eine neue Einstellung zur Abwehrarbeit mit. Und er sagte zu mir: "Wenn du einen freien Dreier hast, nimm ihn." Aber vor allem mit seiner Einstellung zur Defensive hat er mir geholfen.

Und wer ist Ihr nächster Trainer? Mark Jackson? (Trainer von Bryants NBA-Lieblingsklub Golden State Warriors; Anm. d. Red.)

BRYANT (lacht): Das werden wir sehen, wer weiß. Das ist die Zukunft, die kann keiner vorhersehen.

Aber die NBA ist ihr Traum?

BRYANT: Ja, klar. Aber wie gesagt, wir werden sehen, was kommt.

Sie waren in ihrem letzten College-Jahr landesweit Zweiter bei den Rebounds - knapp hinter NBA-Superstar Blake Griffin. Was denken Sie, wenn Sie ihn nun spielen sehen?

BRYANT: Gegen ihn um den Titel des besten Rebounders zu kämpfen, war spaßig. Ich denke nur über meine jetzige Situation nach und das ist keine schlechte, sondern eine gute. Ich sehe seine Karriere als etwas, was mich anstachelt. Er hat es in die NBA geschafft, und vielleicht schaffe ich es auch.

Wenn Sie sich an die Nacht des NBA-Drafts 2009 zurückerinnern, als Sie nicht ausgewählt wurden. Wie haben Sie sich gefühlt?

BRYANT: Ich sah es als Motivation an. Niemand will mich und nun muss ich weiter an mir arbeiten.

Als Sie auf dem College waren, gab es noch eine weitere erinnerungswürdige Nacht. Die Nacht, als sie mit niedergestochen wurden. Was ist damals passiert?

BRYANT: Es war eine dieser verrückten Geschichten. Ich war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Eigentlich erwartet man, dass einen so etwas fertig macht. Aber das war nicht so. Wenn Leute mir heute davon erzählen, habe ich das meist schon vergessen. Dann denke ich: "Oh ja, das ist mal passiert." Die Narben an meinem Rücken kann ich ja nicht sehen. Es gibt halt Leute, die suchen Streit und machen schlechte Sachen. Aber die Verletzungen haben mich nicht lange außer Gefecht gesetzt. Es war ein zweiwöchiger Rückschlag, mehr nicht.

Hat der Vorfall gar nichts in Ihrem Leben verändert?

BRYANT: Ich glaube nicht, dass es etwas verändert hat. Manche Dinge passieren halt, aber es geht darum, wie man mit ihnen umgeht.