Basketball Im Gespräch mit Rolf Koch und Nico Drmota: Veränderung als Chance

Die Steeples-Manager Rolf Koch (links) und Nico Drmota beim Gespräch in der SÜDWEST PRESSE-Redaktion.
Die Steeples-Manager Rolf Koch (links) und Nico Drmota beim Gespräch in der SÜDWEST PRESSE-Redaktion. © Foto: Schäffold
Ehingen / TOBIAS KNAACK 06.03.2015
Der Abstieg aus der ProA ist nahezu besiegelt. Manager Rolf Koch und Teammanager Nico Drmota geben im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE Antworten zu Zukunft und Umstrukturierung der Steeples.

Vor einem Jahr sprach man in Ehingen von den "besten Steeples aller Zeiten", als das Team auf Platz drei kam und zum zweiten Mal in Folge die Playoffs erreichte, nun steht der Gang in die ProB nahezu fest. Woran hat es in diesem Jahr gelegen?

NICO DRMOTA: Es sind viele Dinge über uns hereingebrochen. An erster Stelle der Abgang von Trainer Ralph Junge, aber auch der Verlust eines Spielercharakters wie Virgil Matthews. Ich habe ihn immer den Admiral genannt, er konnte in engen Spielen die richtigen Plays ansagen, Spiele lenken und leiten . . .

ROLF KOCH: . . . wie der verlängerte Arm des Trainers.

DRMOTA: So ein Spieler hat natürlich gefehlt. Dann hatten wir zusätzlich unglaubliches Verletzungspech. Johannes Joos hat gerade die dritte Verletzung erlitten. Wes Eikmeier war oft verletzt. Und dann ist die Liga meiner Meinung nach dieses Jahr so stark wie noch nie.

Wie schwer wiegt dieser beinahe besiegelte Abstieg?

KOCH: Vom Konzept her sehen wir uns zwar grundsätzlich in der ProA, die vorhandenen Möglichkeiten - insbesondere unser Mini-Etat - stecken jedoch den Korridor unseres Handelns ab. Das Saisonziel war daher auch dieses Jahr der Klassenerhalt. Das impliziert aber eben auch: Man kann absteigen.

DRMOTA: Das ist in den letzten beiden erfolgreichen Jahren, als wir in die Playoffs kamen, vielleicht auch ein wenig in den Hintergrund gerückt, dass das schon immer unser formuliertes Saisonziel war.

Was für Fehler wurden gemacht?

KOCH: Da tue ich mich schwer. Und das meine ich nicht, weil wir unsere Arbeit nicht reflektieren würden. Vielleicht wäre es besser gelaufen, wenn wir uns vor der Saison nicht zunächst auf zwei Shooting Guards festgelegt hätten. Aber das ist hypothetisch. Es sind einfach viele Dinge zusammengekommen. Und in den vielen engen Spielen hat uns dann eben manchmal auch die Ruhe eines Virgil Matthews gefehlt.

Wie geht es weiter? Die Frage stellen sich viele Anhänger. Wird es neue Strukturen geben?

KOCH: Dieses Jahr war ein Transformationsjahr. Wir mussten uns nach dem Weggang von Ralph Junge neu sortieren. Er hat viele Dinge auf sich vereint und damit vorhandene Strukturprobleme kompensiert.

DRMOTA: Auch wenn es natürlich immer mal Thema war und es klar war, dass es passieren kann und eines Tages wird, hat es uns vergangenes Jahr sehr hart getroffen.

KOCH: Nach seinem Weggang haben wir viele Steine umgedreht. Wir haben gesehen, dass wir uns ganz neu aufstellen müssen.

Inwiefern?

KOCH: Wir haben ein sechsköpfiges Kompetenzteam gebildet. Wir müssen die Chancen dieser Veränderung nutzen. Wir wollen besser werden. In diesem Gremium werden wir die bestehenden Aufgaben, wo es nötig ist, umschichten. Mit dieser Struktur wird es auch eine transparentere Kommunikation geben.

Wird es in diesem Zuge auch personelle Veränderungen geben?

KOCH: Ja. Michael Spöcker wird uns noch bis Mai in diesem Prozess begleiten. Domenik Reinboth wird dann der neue Headcoach - und hat einen Dreijahres-Vertrag.

Ist das eine Konsequenz der Saison?

KOCH: Nein. Wir sind hochzufrieden mit der Arbeit von Michael Spöcker. Er hat als Rookie-Coach einen tollen Job gemacht, er hat sehr viel investiert, sehr viel Herzblut reingesteckt. Für ihn war dieses Jahr auch eine spannende Orientierung und Erfahrung. Er hat aber gemerkt, dass der Job des Trainers ihm Spaß macht, aber nicht seine Berufung ist. Er kommt ja eher aus der Betriebswirtschaft. Es spricht auch für ihn, wie er das jetzt analysiert.

Michael Spöcker wird Team Ehingen Urspring ab Mai also nicht mehr zur Verfügung stehen?

DRMOTA: Er macht das mit aller Konsequenz. Es ist ein logischer Schritt zu sagen: "Wenn ich das nicht mehr mache, werde ich auch Ehingen/Urspring verlassen."

Dennoch die Frage: War die Entscheidung vor der Saison die richtige?

DRMOTA: Michael Spöcker war nach Ralph Junges Weggang die richtige Entscheidung und die logische Schlussfolgerung.

Nun also Domenik Reinboth . . .

DRMOTA: Er ist absolut der richtige Mann - fachlich wie menschlich. Er ist das dritte Jahr bei uns, geht super mit jungen Spielern um, identifiziert sich komplett mit dem Projekt und fühlt sich mit seiner Frau hier nach kurzer Zeit richtig heimisch (Reinboth kommt aus Düsseldorf, Anm. d. Red.) - eine Traumkonstellation für alle Beteiligten.

KOCH: Er sagt: "Ich möchte auch in 30 Jahren noch Coach sein." Wir haben eine sehr hohe Meinung von ihm. Deswegen haben wir mit ihm auch gleich einen Drei-Jahres-Vertrag gemacht. Wir wollen das Projekt mit ihm konsequent perspektivisch weiterentwickeln.

Domenik Reinboth wird entsprechend auch Teil des sechsköpfigen Kompetenzteams sein?

KOCH: Ja. Neben ihm gehören dem Gremium noch Barbara Persdorf, Ralf Buck, Dr. Dietmar Schubert, Nico Drmota und ich an.

Wie wird es auf struktureller Ebene ansonsten weitergehen, etwa in Bezug auf die Kooperation mit Ralph Junges Nürnbergern?

KOCH: Ich werde mich Anfang April mit Ralph Junge treffen. Da werden wir dann sicher Näheres dazu besprechen. Domenik Reinboth wird sich natürlich in seinem Bereich mit ihm zusammensetzen.

Die Frage stellt sich ja schon, weil die Nürnberger in Franken ja auch ein Netz aufbauen, ob die Steeples - zumal, wenn sie in der ProB spielen - da vielleicht hinten runterfallen.

KOCH: Erstmal muss sich diese Kooperation doch entwickeln. Sie ist ja noch nicht mal ein Jahr alt. Fest steht: Nürnberg muss in die 1. Bundesliga, auch in finanzieller Hinsicht. Mit dieser Strahlkraft im Rücken kommen hoffentlich auch über diesen Kanal Talente zu uns.

Bleiben wir bei Finanzen. Wie wird der Etat nach dem Abstieg aussehen?

KOCH: Wir werden den Etat schon ungefähr halten müssen . . .

DRMOTA: Alleine, wenn man mittelfristig wieder an die ProA denkt.

KOCH: Ich denke, dass wir nicht mit einem brutalen Knick rechnen müssen. Etwas geringer vielleicht.

Ist das der Vorteil eines recht kleinteiligen Sponsorennetzes?

KOCH: Das sind ja zum Teil freundschaftliche Verhältnisse. Die meisten sind ligaunabhängig dabei, sie unterstützen vorrangig unser Jugendprojekt. Dennoch werden wir mit jedem Sponsor sprechen. Das ist der erste Schritt.

Und wie wird es mit den Bildungs- und Kooperationsangeboten aussehen, etwa mit den Schulen?

DRMOTA: Die Schulen und Camps sind uns enorm wichtig. Hier sind wir über die Jahre extrem in Vorleistung gegangen, weil uns das Thema am Herzen liegt. Aber wir werden ein Stück weit schlanker werden müssen, also etwa Sparkassen-Schüler-Cup und Basketballschule zusammenführen, um vorhandene Ressourcen effektiver zu nutzen.

KOCH: Wir haben viele Dinge aus Idealismus getan. Wir werden unser Wirken aber verstärkt wirtschaftlich überprüfen müssen.

Mit Geld hat ja auch die Kaderplanung zu tun. Was können die Fans da erwarten? Werden auch bei geringerem Etat Amerikaner verpflichtet?

DRMOTA: Ja, drei sind angedacht. Auf welchen Positionen das sein wird, hängt natürlich auch von der Besetzung der deutschen Positionen ab. Da führen wir selbstverständlich auch mit allen Spielern aus dem aktuellen Kader Gespräche.

KOCH: Die ProB ist hier auch eine Chance, Kontinuität zu schaffen und wieder ein stärkeres Urspring-Gefühl zu bekommen.

Was also wird das Ziel sein?

KOCH: Wir nennen es "Perspektive ProA". Wir wollen in der ProB in die Playoffs und ein gewichtiges Wort um die Aufstiegsplätze mitreden.

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