Baku Historische Europaspiele EOC will kontinentales Olympia etablieren - Auftakt 2015 in Aserbaidschan

So soll das Olympiastadion von Baku aussehen: Der Großteil der Sportstätten für die Europaspiele ist fertig. Foto: EOC
So soll das Olympiastadion von Baku aussehen: Der Großteil der Sportstätten für die Europaspiele ist fertig. Foto: EOC
Baku / MANUELA HARANT 14.06.2014
Die Premiere der Europaspiele wird vom Europäischen Olympischen Komitee (EOC) aus im Jahr 2015 in Aserbaidschan stattfinden. Danach sollen sie sich wie das Original im Vier-Jahres-Rhythmus etablieren.

Die Asiaten haben die Asienspiele, die Amerikaner haben die Panamerikanischen Spiele - und die Europäer werden vom 12. bis 28. Juni 2015 zum ersten Mal richtige Europaspiele feiern. Der Bekanntheitsgrad und damit auch die Euphorie hierzulande halten sich noch in Grenzen. Doch der einzige Bewerber und damit auch Gastgeber Baku (Aserbaidschan) ist nach zwei gescheiterten Olympia-Bewerbungen (2016 und 2020) umso optimistischer, dass die ersten kontinentalen Wettkämpfe nach den Olympischen Regeln ein voller Erfolg werden. Sportstätten und Konzept der Spiele wurden nun - ein Jahr vor der Premiere - den Offiziellen aus aller Welt am Rande der Sportgymnastik-Europameisterschaften in Baku vorgestellt.

Dabei geht das Nationale Komitee diese historischen Europaspiele an, als wären sie das Original: Überall wehen Flaggen mit dem Logo der Spiele. Das "olympische Dorf", das einem Palast gleicht, ist zu 90 Prozent fertiggestellt - ebenso wie der Großteil der Sportstätten. "Wir haben hier den Vorteil, dass Baku schon vor der Bewerbung für die Europaspiele viel in die Infrastruktur investiert hat", sagt OK-Chef Patrick Hickey. So sind allein vier Disziplinen in der Kristallhalle beheimatet, in der vor zwei Jahren der Eurovision Song Contest stattfand.

Dabei zeigt das reiche Baku, was es dank reichlich Ölförderung hat: Bis auf den Kajak-Kanal befinden sich alle Sportstätten in einem Radius von zehn Kilometern um das Stadtzentrum. Und auch das im Bau befindliche, 65 000 Zuschauer fassende Olympiastadion steht in unmittelbarer Nachbarschaft zum olympischen Dorf.

Dabei wurde den Nationalen Olympischen Komitees (NOKs) der Teilnehmerländer versichert, dass die Europaspiele sie nichts kosten werden. So spendiert Gastgeber Baku den Sportlern nicht nur Kleidung und Unterkunft, sondern sogar die Anreise, versichert der aserbaidschanische Sportminister Azad Rahimov. Die Idee, kontinentale Spiele zu veranstalten, gärte schon länger bei den olympischen Entscheidungsträgern, konkret wurde dies aber erst, als Baku Interesse an der Austragung zeigte. Damit war auch die Skepsis mancher Verbände, vor allem was die Kosten angeht, getilgt.

Damit unter den bis zu 7000 Sportlern in allen Disziplinen hochkarätige Vertreter an den Start gehen, vergibt das Europäische Olympische Komitee (EOC) gemeinsam mit dem Internationalen (IOC) bei den Europaspielen in drei Sportarten - Schießen, Tischtennis und Triathlon - direkte Olympia-Startplätze für 2016. In der Leichtathletik, im Beach-Volleyball, Radsport, Schwimmen und Taekwondo geht es um Punkte für die Weltrangliste.

Deshalb hat auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im April entschieden, seine Mannschaften nach Baku zu schicken. Das Thema wurde lange und kritisch diskutiert, sagte Generaldirektor Michael Vesper: "Wir sehen diese ersten Spiele als Testlauf und werden hinterher auswerten."

Allerdings scheuen die Europaspiele den direkten Vergleich mit dem großen Bruder und versuchen lieber, ihr eigenes Image aufzubauen: "Wir wollen eine Innovation", sagt OK-Chef Hickey: "Zum Beispiel werden Wettkämpfe für behinderte und nicht-behinderte Sportler parallel stattfinden, wie Judo für Sehende und Blinde." Nicht-olympische Sportarten wie zum Beispiel Strandfußball oder 3x3-Basketball, besser bekannt als Straßenbasketball, sollen den Spielen zudem einen modernen Anstrich geben. "Wir haben den Vorteil, dass wir an keine Regularien oder ein historisches Erbe gebunden sind", sagt EOC-Chef Simon Clegg. "Wir wollen die Spiele sexy machen." Baku wird eine Spielwiese für neue Ideen sein. "Nicht alle werden ankommen, aber vielleicht übernehmen künftige Olympische Spiele etwas von uns", so Clegg, der hofft, dass die Spiele auch 2019 ausgetragen werden. "Alles andere wäre ein Desaster." DOSB-Generaldirektor Vesper ist da noch vorsichtig: "Wir werden unsere Haltung zur Zukunft der Europaspiele erst nach der Premiere festlegen." Er wirkt bei den Kriterien für die Vergabe der nächsten Spiele mit, die bis Ende dieses Jahres erfolgen sollen.

Damit es den Europaspielen nicht wie den Youth Games 1988 in Moskau ergeht, "die einmal und nie wieder stattfanden", so Clegg, wird diesmal nichts dem Zufall überlassen: Bei der Vermarktung kommen die erfahrensten Promoter der Welt zum Einsatz. Das OK der Olympischen Spiele 2012 in London unterstützt die aserbaidschanischen Verantwortlichen.

Großsponsoren wie Procter und Gamble und BP stehen bereit. Schon jetzt wird beim Blick auf das schillernde Baku klar: Die Metropole am kaspischen Meer wird spektakuläre Bilder in die europäischen Wohnzimmer liefern. Für den Rest muss der Sport sorgen.

19 Sportarten

Die Disziplinen Dieses Programm ist für die 1. Europaspiele geplant (9Sportarten sind für Olympia 2016 in Rio relevant):

Badminton - Basketball (3x3) - Bogenschießen (Ranglistenpunkte) - Boxen

Fechten - Strandfußball - Judo - Kanu und Kajak - Karate - Leichtathletik -

Radsport (Ranglistenpunkte) - Rhythmische Gymnastik (Ranglistenpunkte) -

Ringen - Taekwondo (Ranglistenpunkte) - Schwimmen (Ranglistenpunkte) -

Sportschießen (direkte Olympia-Qualifikation) - Tischtennis (direkte Olympia-Qualifikation) - Triathlon (direkte Qlympia-Qualifikation) - Volleyball (Ranglistenpunkte).

SWP

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