Basketball Basketball: Henriks Rödls Nominierung mit vielen Fragezeichen

Ulm / Sebastian Schmid 07.11.2017
Basketball-Bundestrainer Henrik Rödl hat seinen Kader für die WM-Qualifikation benannt. Dabei sind auch fünf Akteure von Euroleague-Klubs dabei, bei denen unklar ist, ob sie überhaupt zur Nationalmannschaft dürfen. Zudem erhielt Rödl von Würzburgs Maurice Stuckey einen Absage.

Auf der einen Seite ist Henrik Rödl zu beneiden. Der neue Bundestrainer übernimmt ein Team mit so viel Qualität, wie es eine deutsche Nationalmannschaft lange nicht mehr hatte. Und doch ist der 48-Jährige in einer undankbaren Situation, mit der er aber keineswegs alleine dasteht. Wie alle europäischen Nationaltrainer muss Rödl in den WM-Qualifikationsspiele in zwei Wochen voraussichtlich auf seine besten Spieler verzichten.

Grund dafür ist der Streit zwischen dem Weltverband Fiba und der Euroleague, der europäischen Basketball-Königsklasse. Die will, wie die amerikanische NBA übrigens auch, die Spieler für die Länderspiele nicht freistellen, die zum ersten Mal seit 2003 während des Ligabetriebs in zwei Zeitfenstern Ende November und im Februar stattfinden.

Bei der NBA ist der Fall bereits klar: Ihre Stars werden auf keinen Fall die Saison unterbrechen. Damit hatte die Fiba von Beginn an gerechnet. Rödl verzichtete deshalb darauf, Dennis Schröder (Atlanta Hawks), Daniel Theis (Boston Celtics), Maximilian Kleber (Mavericks) und Paul Zipser (Chicago Bulls) zu nominieren.

Anders sieht es hingegen mit den Euroleague-Klubs aus. Das Bamberger Trio Lucca Staiger, Patrick Heckmann und Maodo Lo steht ebenso im Aufgebot wie Tibor Pleiß (Valencia) und Johannes Voigtmann (Baskonia). Zwei Wochen vor den WM-Qualifikationsspiele gegen Georgien (24. Novemberg) und in Österreich (27. November) weiß Rödl somit noch nicht, auf wen er letztlich zählen kann. „Ich muss abwarten, ob sich was verändert“, sagte der ehemalige Nationalspieler gegenüber der SÜDWEST PRESSE. So lange es keine Ansage der Klubs gibt, dass die Euroleague-Spieler nicht kommen werden, gehe er davon aus, dass sie ihm zur Verfügung stehen. „Ich will die Jungs gerne dabei haben“, sagt Rödl, der sie für den Fall nominiert hat, dass die Euroleague-Vereine doch noch einlenken.

Maurice Stuckey sagt Rödl ab

Einen, den er auch gerne im Team gesehen hätte, ist Maurice Stuckey, der für Würzburg bislang eine starke Saison spielt. „Er hat mir aber abgesagt. Das muss ich akzeptiere“, sagte Rödl: „Jeder muss das für sich entscheiden. Ich habe mich während meiner Laufbahn jedenfalls über jedes Spiel gefreut, dass ich spielen konnte.“ Gestern hat auch Alba-Kapitän Niels Giffey wegen einer Verletzung abgesagt.

Dass die Spieler von den Länderspielen profitieren können und diese nicht nur als zusätzliche Belastung sehen sollten, zeigt sich momentan bei Stuckeys Würzburger Teamkollege Robin Benzing und Ismet Akpinar (Ulm). Beide hatten im Sommer eine starke EM für Deutschland gespielt und maßgeblichen Anteil am Viertelfinaleinzug gehabt. „Ich glaube, dass die Nationalmannschaft Spielern unglaublich viel gibt“, sagt Rödl und meint damit unter anderem das Selbstvertrauen, mit dem das Duo von der EM zurückgekehrt ist und von dem ihre neuen Klubs profitieren. Allerdings funktioniert das nur, wenn sich die Spieler international mit den Besten messen – aber die sind wohl in der WM-Qualifikation nicht dabei.

Ein Ludwigsburger und ein Ulmer sind dabei

Der Kader: Ismet Akpinar (Ulm), Robin Amaize, Bastian Doreth (beide Bayreuth), Danilo Barthel, Maik Zirbes (beide München), Robin Benzing (Würzburg), Isaac Bonga (Frankfurt), Joshiko Saibou (Berlin), Isaiah Hartenstein (Rio Grande; G-League/USA), Patrick Heckmann, Maodo Lo, Lucca Staiger (alle Bamberg), Dominic Lockhart (Göttingen), Andreas Obst (Erfurt), Tibor Pleiß (Valencia/Spanien), Karsten Tadda (Oldenburg), Johannes Thiemann (Ludwigsburg), Johannes Voigtmann (Baskonia/Spanien).