Crailsheim Merlins triumphieren im zweiten Playoff-Spiel

Merlins-Guard Derrick Marks (rechts) erzielte in Hanau zwölf Punkte und verteilte fünf Assists.
Merlins-Guard Derrick Marks (rechts) erzielte in Hanau zwölf Punkte und verteilte fünf Assists. © Foto: Steffen Förster
Hanau / Klaus Helmstetter 12.04.2018
Die Crailsheim Merlins gewinnen auch bei den White Wings in Hanau. Nach dem 107:82-Sieg fehlt nur noch ein Erfolg zum Einzug ins Halbfinale.

Ein zwar etwas erkälteter, aber dennoch fröhlich lächelnder Coach Tuomas Isalo klettert in der Hanauer City als Erster aus dem Bus der Crailsheimer Korbjäger, wirft sich seinen Kleidersack über die Schulter und stapft guter Dinge über den Hallenvorplatz Richtung Katakomben. Bei strahlendem Sonnenschein und ohne größere Unterbrechung hat der Merlins-Tross die gut 200 Kilometer lange Strecke nach Osthessen hinter sich gebracht, um frühzeitig in der Main-Kinzig-Halle einzutreffen. Die dort heimischen Basketballer, White Wings, spielen seit der Saison 2015/16 in der zweithöchsten nationalen Liga Pro-A und feiern mit dem Einzug in die Play-offs ihren bis dato größten Erfolg.

Die Anreise verläuft, wie zumeist, recht ruhig, quasi routinemäßig. Die Spieler hören im Bus Musik, machen ein Nickerchen, stimmen sich langsam aber sicher auf das kommende Spiel ein. Viel zu reden gibt es dabei nicht. Jeder ist mit sich beschäftigt. Personell sind alle Mann an Bord. Der im ersten Spiel fehlende Michael Smith steht Coach Isalo wieder zur Verfügung.

In der Halle geht es, trotz aller sportlichen Konkurrenz, vor dem Aufwärmen durchaus locker zu. Hanaus Co-Trainer Hubert Gibson hält ein Pläuschchen mit Kollege Vesa Vertio von den Merlins. Die Coaches Isalo und Simon Cote verstehen sich eh gut. Die Spieler folgen zunächst ihrem eigenen Rhythmus. Konrad Wysocki lässt die Halle erst einmal auf sich Wirken, nimmt die Atmosphäre auf, setzt sich auf die noch leere Tribüne. Das Aufwärmprogramm beginnt.

Die Merlins finden im Spiel als erste ihren Rhythmus, stehen gut in der Defensive. Auf Michael Cuffee ist Verlass an diesem Mittwoch. Chase Griffin schließt einen Fastbreak zum 17:6 für die Gäste ab. Hanau nimmt früh die zweite Auszeit. Es läuft für die Merlins. Philipp Neumann rollt schön unter dem Korb ab und trifft sicher. Martin Bogdanov legt einen Dreier nach. Hanau wirkt in dieser Phase überfordert. Isalo wechselt munter, ohne dass ein Bruch im Spiel entsteht, der Rhythmus bleibt erhalten, die Intensität hoch. Cuffee läuft heiß, trifft fast nach Belieben (17 Punkte in Halbzeit 1). Konrad Wysocki schließt das erste Viertel mit einem Dreier ab – die Merlins dominieren leicht und locker.

Entscheidung schon vor Pause

Zu Beginn des zweiten Viertels spielt sich Hanau etwas frei, macht Boden gut, nutzt Löcher in der Crailsheimer Defensive. Frank Turner verlegt einen Korbleger, und Tuomas Isalo bittet seine Herren zum Gespräch (27:37). Konrad Wysocki versenkt seinen nächsten Dreier. Sebastian Herrera legt ein Drei-Punkt-Spiel nach. Bei Hanau imponiert Lavon Long in dieser Phase (32:45). Cuffee und Derrick Marks treffen für Crailsheim. Die Defensive wirkt wieder kompakter. Martin Bogdanov trifft zwei freie Dreier nahtlos – 20 Punkte Unterschied, noch vor der Pause. Eine Hausnummer!

In der Defensive räumen Bogdanov und Neumann mit sauberen Blocks ab. Eine sahnemäßige Halbzeit für die Merlins. Was gibt es da zu meckern? „Natürlich könnte man sich jetzt die eine oder andere Situation herauspicken, aber das macht keinen Sinn. Wir haben in der Defense sehr solide gestanden, und vorne können wir immer freie Würfe kreieren“, betont Ingo Enskat, der sportlicher Leiter. „So muss man auftreten, wenn man ein Play-off-Spiel auswärts gewinnen will.“

Mit acht Punkten in Serie startet Hanau in die zweite Halbzeit. Die Merlins kommen nicht wirklich ins Spiel. Isalo zieht die Reißleine und fordert bei seiner Auszeit wieder Konzentration ein. Frank Turner zieht erfolgreich zum Korb und gibt eine erste Antwort, Herrera legt mit einer identischen Bewegung nach. Hanau wird stärker, hat Lunte gerochen (50:65). Ein Herrera-Dreier sorgt für Entlastung. Cuffee fasst sich ein Herz, setzt einen Dreier und schließt ein Drei-Punkt-Spiel an. Derrick Marks klaut Till-Joscha Jönke den Ball und schließt mit einem krachenden Dunk ab – 56:78. Hanau nimmt eine Auszeit, die alten Kräfteverhältnisse sind wieder hergestellt.

Den Schlussabschnitt leitet Michael Jost mit einem Dreier für die Gäste ein. Beim Stand von 90:63 für Crailsheim darf auch der am Sonntag verletzte Michael Smith noch ran und kurz darauf Patrick Flomo. Die Entscheidung ist bis dahin freilich längst gefallen. Auf Hanauer Seite imponierte Christopher Brady, der nach der Pause zweistellig punktet.

Mental präsent

Letztlich schlagen die Merlins ihren Gegner mit dessen eigenen Mitteln, sind von Beginn an kämpferisch und mental sehr präsent und legen vor der Pause den Grundstock für den ungefährdeten Erfolg. Bemerkenswert auch der Teamgeist: Immer wieder springen die Bankspieler bei gelungenen Aktionen der Kollegen auf und fiebern energisch mit.

Die Merlins können am Samstag den Sack zumachen und ins Play-off-Halbfinale einziehen. „Bärenstarke Leistung, nicht nachgelassen und die Intensität hoch gehalten“, schließt ein zufriedener Ingo Enskat. Tuomas Iisalo hebt die tolle Dreierquote von 64 Prozent hervor. „Basis war unsere gute Defensive, aus der heraus wir auch gute Würfe kreieren konnten. Wenn die Dreier fallen, hat es jede gegnerische Abwehr schwer – und 107 Punkte im Angriff sind wirklich ein Pfund.“ Hanaus Coach Simon Cote ist auch stolz auf sein Team und die positiven Zusatzschichten, die es derzeit spielen darf. Gestern hat, seinen Worten zufolge, die interne Kommunikation nicht immer gepasst. Er freut sich dennoch auf das dritte Spiel in der Arena Hohenlohe (Samstag, 19.30 Uhr).

Info Karten gibt es in den Zeitungsshops und im Internet unter
www.crailsheim-merlins.de.

Weitere Ergebnisse Play-offs: Karlsruhe – Köln 92:70 (Serie: 2:0), Trier – Heidelberg 83:70 (1:1), Hagen – Vechta 79:86 (0:2)

so spielten sie

Hanau – Crailsheim

82:107

Hanau: Adams (14 Punkte, 8 Assists), Jacko (5), Albrecht (7), Jönke (12), Herold (2), Choice (6), Long (15), von Fintel (4), Nicolay, Brady (17, 7 Rebounds)

Crailsheim: Cuffee (23 Punkte), Wysocki (6), Gay (8), Turner (6, 6 Assists), Herrera (10), Smith (3), Flomo (2), Marks (12, 5 Assists), Bogdanov (10, 8 Assists), Jost (7), Neumann (7, 9 Rebounds), Griffin (13)

Viertel: 15:30, 23:29, 21:23, 23:25
Rebounds: 35:31
Assists: 14:26
Dreier: 4/16 : 14/22
Feldwürfe: 33/70 : 40/66