Fans Fans immer weniger Interesse an Auswärtsfahrten

Wenns nach Tübingen geht, sind die Ulmer Fans wieder voll dabei.
Wenns nach Tübingen geht, sind die Ulmer Fans wieder voll dabei. © Foto: Rudi Apprich
Ulm / THOMAS GOTTHARDT 07.11.2014
Schwächeln die Ulmer Basketball-Fans? Josef Jahl beklagt einen Rückgang bei den Anmeldungen für Auswärtsfahrten. Damit steht der Vorsitzende des Fan-Klubs "Fan-Attack" nicht alleine da.

Josef Jahl klagt an. Der 1. Vorsitzende des Fan-Klubs "Fan-Attack" registriert aktuell einen Schwund an Auswärtsfahrern bei den Anhängern der Ulmer Bundesliga-Basketballer. Und er ist nicht alleine mit dieser Erkenntnis - und Klage. Eine nicht-repräsentative Umfrage dieser Zeitung bei BBL-Fan-Klubs zeigt: Auch an anderen Standorten wird es immer schwieriger, Busse für Auswärtsspiele voll zu bekommen. Häufig sogar fahren überhaupt keine mehr.

Für Jahl, der sich seit sieben um alles kümmert, was mit Auswärtsspielen zu tun hat (vor allem Busse organisieren und Tickets besorgen) war es regelrecht schockierend, als für die Begegnungen in Frankfurt und Bamberg nicht genug Anhänger zusammen kamen. "Kein Bus nach Bamberg, das war seit sieben Jahren das erst Mal", jammerte der erste Vorsitzende.

Michael Kleist, Vorsitzender des Bonner Fanklubs "Die Fans - Defense" kann sich seinem Kollegen aus Ulm nicht anschließen. "Klar, unter der Woche ist es schwierig, aber allgemein am Wochenende kann ich nicht erkennen, dass bei uns weniger Fans mitfahren." Konkrete Zahlen vermochte Kleist nicht zu nennen. Eine klare Meinung hat Günter Kolb vom Bamberger Fanklub "Faszination Bamberg Basketball". Einen Rückgang sehe er zwar, aber diesen Negativ-Trend gebe es schon länger, was vor allem an den hohen Ticketpreisen (zum Beispiel in Ulm) und den ungünstigen Spielzeiten, zum Beispiel Sonntagabend, liegen würde. Jahls Aussagen bestätigen die Vertreter aus Trier, Frankfurt und Berlin. Die Gründe: Hohe Ticketpreise (wieder vor allem in Ulm), schlechte Leistungen der "eigenen" Mannschaft, die gestiegenen Kosten für die Reisen und das mangelnde Angebot an Plätzen für Behinderte.

Ob auch die neue, umfangreiche TV/Internet-Berichterstattung (alle Spiele werden übertragen) die Reiseunlust zumindest gefördert hat, ist strittig. Die Beobachtung, dass es diesen Trend schon etwas länger gibt, spricht dagegen. Auf der anderen Seite liegt es auf der Hand, dass, von Hardcorefans abgesehen, die einen oder anderen Anhänger lieber zu Hause bleiben und sich den Auftritt schön vom Sofa aus ansehen.

Für die Partie der Ulmer Basketballer am kommenden Sonntag bei den Walter Tigers Tübingen (17 Uhr) haben sich auch schon einmal mehr Ulmer Fans angemeldet. Immerhin: Sechs Busse fahren zum alten Rivalen mit 350 Ratiopharm-Fans. Dazu gesellen sich noch einmal rund 300 Privatfahrer.

Es ist schließlich das traditionsreiche Derby, das da ansteht - und immer noch Berge, wenn auch nur noch kleinere versetzen kann. Das letzte Mal, dass die Tigers dieses Duell für sich entscheiden konnten, war in der Saison 2010/2011. Damals gewann die Mannschaft von Trainer Igor Perovic das Rückspiel in Ulm knapp mit 84:81. Der letzte Heimsieg im Tübinger "Käfig" ist schon fast fünf Jahre her. Am 30. Dezember 2009 setzten sich die Tübinger dank eines überragenden Romeo Travis mit 94:78 durch.