Zum Abschluss der ersten Gruppenphase im Eurocup haben die Basketballer von Ratiopharm Ulm mit 75:86 gegen Cimberio Varese verloren und damit den Gruppensieg verspielt. Selten dürfte eine Ulmer Niederlage aber so positive Auswirkungen gehabt haben. Als Erster hätten das Ratiopharm-Team zumindest von den Reisestrapazen her unangenehmere Aufgaben erwartet. Zwar kann es immer noch sein, dass Kiew (Ukraine) aus der Euroleague in die Ulmer Gruppe kommt, wahrscheinlicher ist aber der Pariser Vorort Nanterre. Die Entscheidung darüber fällt am Donnerstagabend. Sicher werden die Ulmer auf die Norditaliener aus Cantu und den türkischen Vertreter Izmir treffen. Als Erster wäre es Jerusalem (Israel) und Bandirma (Türkei) geworden, wo wohl beides Mal nach einem Flug noch eine längere Weiterreise per Bus oder Fähre auf das Team gewartet hätte. Also selten so gut verloren wie gegen Varese?

„Nein“, stellte Thorsten Leibenath klar. Der Trainer war nach der Niederlage überhaupt nicht zufrieden. Die Gegner, denen er aus dem Weg gegangen ist, spielten da (noch) keine Rolle. Der 38-Jährige ärgerte sich maßlos über den Auftritt seines Teams: „Die Mannschaft aus Italien hat den Eindruck gemacht, dass sie das Spiel gewinnen will. Bei uns habe ich das nur in den letzten fünf Minuten gesehen.“ Davon zeigte er sich enttäuscht: „Ich muss davon ausgehen, dass sich ein Spieler für den Sieg zerreißen will.“

Leibenath hatte im Vorfeld angekündigt, dass er den jungen Akteuren mehr Einsatzzeit geben will und gönnte Daniel Theis eine Pause. Nach einem furiosen Start mit einem Alley-oop-Dunking von Vareses Adrian Banks sowie zwei schnellen Dreiern von Philipp Schwethelm und Cameron Long plätscherte das Spiel so vor sich hin. Beide Teams präsentierten in der Defensive nicht ihre engagierteste Leistung. Bis zur Pause schlichen sich die Italiener ohne zu brillieren auf 38:33 davon.

Nach der Pause dann ein Kunststück der Gäste: sechs Minuten, sechs Versuche, sechs erfolgreiche Dreier. Bis zum Ende des Durchgangs hatten die Italiener insgesamt sieben Dreier getroffen. Im letzten Durchgang folgten noch einmal vier weitere, so dass sie am Ende mit 16 Treffern von jenseits der 6,75-Meterlinie bei einer Quote von 47 Prozent die Heimreise antraten. Daneben leisteten sich die Hausherren 17 Ballverluste gegen die nicht übermäßig aggressiv deckenden Gäste.

„Wir wussten, dass die gut sind“, sagte Leibenath: „Aber wir haben die Basketball spielen lassen und ausgesehen wie die Deppen.“ Dass seine Spieler nach dem Erfolg vom Sonntag gegen Bamberg nicht mit der vollen Entschlossenheit zu Werke gingen, stieß beim Coach auf kein Verständnis: „Das kann ich nicht nachsehen. Da bin ich ziemlich angefressen.“ Dabei dachte er vor allem an die 5000 Zuschauer, die den Weg in die Ratiopharm-Arena gefunden hatten und ihrem Unmut zeitweise Ausdruck verliehen: „Nach zwölf Spielen haben wir zum ersten Mal Bamberg geschlagen, und drei Tage später pfeifen die Fans – und ich kann jeden Pfiff verstehen. Wir sind fahrlässig mit unserem Kredit umgegangen.“ Sich selbst nahm Leibenath von der Kritik nicht aus: „Ich habe es nicht geschafft, die Mannschaft zu motivieren. Insofern möchte ich mich bei den Fans entschuldigen.“