Basketball Niederlage Ratiopharm Ulm: Erst Wut, dann Enttäuschung

Helen Weible 10.04.2017
Die Basketballer von Ratiopharm Ulm nehmen die Schuld für die Bayern-Niederlage auf ihre Kappe. Doch der Bruch im Spiel passierte, nachdem Coach Thorsten Leibenath die Halle verlassen musste.

Irgendwann musste es passieren. Die erste Niederlage der bis dahin souveränen Basketballer von Ratiopharm Ulm in dieser Bundesliga-Saison nach 27 Triumphen in Folge. Am Samstagabend schlug für den Tabellenführer gegen den FC Bayern die Stunde der Wahrheit. Mit 68:83 verloren die Ulmer unterm Strich deutlich gegen jene Mannschaft, die nun ihrerseits die Siegesserie auf zwölf Erfolge ausbaute.

In dieser von Mannschaft, Trainern und Zuschauern emotional geführten Spitzenpartie stand am Wendepunkt einer im Mittelpunkt, der da am liebsten nicht gestanden hätte. Doch in den Schlusssekunden des dritten Viertels kam eins zum anderen. Thorsten Leibenaths Wut über die Schiedsrichterentscheidungen kostete ihn die Erlaubnis, weiter als Coach an der Seitenlinie in Erscheinung zu treten. Von da an verlor auch sein Team die Nerven.

Nach einem ansehnlichen zweiten Viertel, in dem die Gastgeber mit 32:26 geführt hatten, ließen sie nach der Halbzeit die Zügel etwas zu locker. Die Bayern kamen wieder auf 49:50 heran. Sechs Sekunden vor Ablauf des dritten Durchgangs kam es zu den nervenaufreibenden Szenen. Taylor Braun hatte sich in den Lauf von Münchens Taktgeber und Topscorer Bryce Taylor (21 Punkte) gestellt und ließ ihn so nicht zum Korb ziehen. Dieser Körpereinsatz wurde als Foul gepfiffen. Das Schiedsrichtergespann um Robert Lottermoser, Anne Panther und Steffen Neubecker entschied so – Ulms Trainer Thorsten Leibenath war überhaupt nicht zufrieden mit dieser Entscheidung. Stinksauer und wild gestikulierend richtete Leibenath, der am Freitag seinen 42. Geburtstag gefeiert hatte, seinen Unmut gen Referee Steffen Neubecker. Der verpasste ihm dafür ein Technisches Foul. Das brachte den Coach erst recht in Rage. Als er nicht aufhörte, zu protestieren, bekam er das zweite Technische Foul aufgebrummt, was gleichbedeutend mit einem Hallenverweis ist.

Der Mann mit der orangenen Krawatte verließ strengen Blickes den Tatort und Bryce Taylor versenkte eiskalt einen Freiwurf nach dem anderen in den Maschen. Jetzt stand es plötzlich 54:50 für die Gäste und Maik Zirbes vergrößerte den Vorsprung der Bayern noch mit der Sirene auf sechs Zähler.

Eigentlich, so könnte man meinen, war noch nichts verloren. Noch zehn Minuten Zeit, um den übersichtlichen Rückstand aufzuholen, eigentlich wäre noch alles drin gewesen. Wäre da nicht die Sache mit den Fouls gegen den Coach gewesen. Das brachte die Mannschaft wohl aus dem Rhythmus. Das Kollektiv um Kapitän Per Günther, der in seiner ersten Partie gegen die Bayern keine Punkte erzielte, verfiel in eine latente Unsicherheit. Außerdem haperte es im Schlussdurchgang mächtig in der Ulmer Offensive, das Wurfglück schwand dahin und mit diesem Pech auch immer mehr der Glaube an sich selbst.  Günther fand dafür ehrliche Worte: „Wir haben die Kontrolle, den Faden in der Offensive verloren. Wir haben einfache Würfe abgegeben, den Kopf verloren und dann kannst du so ein Spiel nur verlieren“, gab er zu. Auch dass es weitere Phasen im Spiel gegeben hatte, „in der unsere Offensive nicht so flüssig aussah, wie wir das gewohnt sind“.

Nur elf Punkte für Morgan

Bezeichnend für das gesamte Spiel war auch die Leistung Raymar Morgans. Der derzeit beste BBL-Spieler kam nur auf elf Punkte und traf nur fünf von 14 Würfen aus dem Feld. Wenn er sonst leichtfüßig und aus allen Lagen abschloss, da scheiterte er gegen die Bayern kläglich. Natürlich hatte auch die starke Bayern-Abwehr aus Center Devin Booker und Bryce Taylor ihren Anteil daran, dass es beim Ulmer Leistungsträger nicht so funktionierte. Aber dass die einfachen Körbe nicht glückten, das wurmte den Spieler mit der Nummer acht so sehr, dass er sich nach dem  Spiel sofort in die Trainingshalle begab, um an seinem Wurf zu arbeiten. Morgan fand den Fehler bei sich. Auch Günther stellte klar, dass der Leistungsabfall im Schlussviertel nichts mit Leibenaths Hallenverweis zu tun hatte: „Es wäre das Einfachste, wenn wir jetzt alle zwölf Jungs auf den Trainer zeigen würden und sagen würden, er hat es verbockt. Das geht auf unsere Kappe.“