Basketball Eingegangen im Dreierhagel

Kein leichter Weg, den der Ulmer Center Bogdan Radosavljevic (links) eingeschlagen hatte. John „Big John“ Bryant  war für die Ulmer immer wieder ein großes Hindernis.
Kein leichter Weg, den der Ulmer Center Bogdan Radosavljevic (links) eingeschlagen hatte. John „Big John“ Bryant  war für die Ulmer immer wieder ein großes Hindernis. © Foto: EIBNER/BEC/JAEGER
tgo 11.02.2019

Zehn Sekunden, die für 40 Minuten Basketball stehen. Der Ulmer Bogdan Radosavljevic steht bereit für den ersten Sprungball in der Partie bei den Giessen 46ers und damit für das Duell um den Ball mit Benjamin Lischka. Der Gießener gewinnt. Jarad Jordan bekommt die orangene Kugel und dribbelt nach vorne. Ein Pass auf den Teamkollegen Max Landis, der jenseits der Dreierlinie steht, den Ball fängt, abzieht und vom heranfliegenden Ulmer Javonte Green berührt und gefällt wird.

Der Schuss zischt dennoch durch die Reuse. Der Bonusfreiwurf fällt ebenfalls ins Ziel. Die Hausherren führen nach zehn Sekunden und fehlender Gegenwehr mit 4:0. Gießen führt auch die nächsten 39 Minuten und 50 Sekunden und steht nach einer mannschaftlich erstklassigen Leistung als 99:90-Triumphator da. An diesem Samstagabend feiern Spieler und Funktionäre noch ganz lange in der unwirtlichen Halle Ost einen Erfolg, der den Sprung auf einen Playoff-Platz zur Folge hatte.

Die Ulmer Mannschaft hatte keinen Grund zu feiern. Das vollmundig formulierte Ziel, den nach vier Siegen in Folge erreichten Playoff-Platz niemals wieder herzugeben, hat zwar noch Bestand, jedoch ist die Luft nach hinten dünner geworden, zum Beispiel zu den Hessen, zu Ludwigsburg oder Braunschweig.

Nun müssen die Ratiopharm-Korbjäger noch einmal am morgigen Dienstag in der Ratiopharm-Arena (19 Uhr) gegen Jena ran und am Donnerstag in Würzburg (20.30), dann ist wegen des Zeitfensters für die Nationalmannschaft  (in der WM-Qualifikation) zwei Wochen Pause. Wie lange genau die Spieler frei bekommen, will Trainer Leibenath von den Ergebnissen bis dahin abhängig machen. Bisher sieht es also nach einem sehr kurzen Urlaub aus ...

Das Spiel in Gießen hat sich so entwickelt, wie es sich nicht hätte entwickeln dürfen. Denn der Trainer hatte über all die Punkte, die letztendlich entscheidend waren, vorher mit der Mannschaft gesprochen. Sie gewarnt, aufgeklärt, Lösungen besprochen – halt das gemacht, was ein Trainer in der Vorbereitung macht. Zumal die Spielweise der Gießener  kaum größere Geheimnisse birgt.

Ein wichtiger Faktor war die Vorliebe der Gießener zu Distanzwürfen, was auch etwas mit dem Faktor John Bryant zu tun hat – und mit den ersten zehn Sekunden des Spiels. Rund 40 Prozent treffen die 46ers von jenseits der 6.75-Meter-Linie, gegen Ulm waren es 54 Prozent. Leibenath hatte – vermutlich – ein Rezept gegen den erwarteten Dreierhagel des Gegners, nur konnten Günther & Co. damit offensichtlich nichts anfangen. Über 40 Minuten hat zudem der Wille gefehlt, gegen die Dominanz aus der Distanz etwas zu unternehmen.

In der zweiten Halbzeit konnten die Ulmer den Rückstand zwar immer wieder einmal verkürzen. Aber Gießen hatte immer eine Antwort auf gute Aktionen der Ulmer parat. „Wir waren einfach nicht gut genug. Am Ende haben wir zwar nochmal gekämpft, aber haben insgesamt in der Verteidigung zu wenig gezeigt und zu passiv gespielt“, kritisierte Leibenath. Ähnlich sah das auch Dwayne Evans. „Zwischenzeitlich hatte ich schon das Gefühl, dass wir richtig zurück ins Spiel kommen und es bis zum Schluss eng gestalten könnten. Doch dann hat Gießen wieder wichtige Dreier getroffen und unseren Lauf damit gut gekontert. Das passiert“, meinte der Amerikaner, mit 25 Punkten bester Ulmer Werfer.

Vielleicht haben sich die Ulmer vor dieser Partie auch zu sehr mit John Bryant beschäftigt. Der ehemalige Ratiopharm-Center absolvierte sein 300. Bundesliga-Spiel und wurde entsprechend gefeiert und geehrt. „Big John“ war auch gegen seine Ex-Kollegen stark, wenn auch nicht der dominante Akteur.

Es sei tatsächlich ein sehr „spezielles Spiel gegen sein ehemaliges Team  gewesen“, sagte  der 31-Jährige. Das alles habe aber nur vor den 40 Minuten eine Rolle gespielt. Mit dem ersten Sprungball war es vorbei, betonte Bryant: „When the clock is running, it’s a battle.“

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel