Ulm gegen Bamberg – umkämpfte Partien im Pokal, harte und spannende Duelle in der Basketball-Bundesliga, die heißesten Auseinandersetzungen in den Playoffs. Viele Jahre standen die Spiele unter dem Motto: Serienmeister gegen Underdog. Das stimmt so nicht mehr ganz.

Das mit dem Serienmeister hätte die Oberfranken vielleicht noch ganz gerne, aber die Realität sieht anders aus. Vor zwei Jahren waren die Bamberger zuletzt Meister. Das war die Playoff-Runde mit dem Ulmer Aus im Halbfinale gegen die Baskets aus Oldenburg.

Und der Status der Ratiopharm-Korbjäger ist auch nicht mehr der eines Underdogs. Auch wenn die Verantwortlichen den Zeiten vermutlich nachtrauern. Das „Kind“ ist längst erwachsen und spielt bei den „Großen“ mit.

Und so stehen sich also am morgigen Sonntag um 18 Uhr in der Neu-Ulmer Arena zwei Mannschaften gegenüber, die sich an die neuen Rollenbilder erst noch gewöhnen müssen. Die Umbruchphase der Bamberger ist dabei besonders eklatant. Aktuell zwei Niederlagen in Folge (FC Bayern und Bayreuth)  es gab Zeiten, da haben es die Bamberger auf keine zwei Niederlagen in einer Saison plus Playoffs gebracht. Auf dem fünften Platz steht Brose Bamberg. Die Münchner haben nach 13 Spieltagen bereits vier Siege mehr eingefahren als der ehemalige Konkurrent – das zeigt die neuen Kräfteverhältnisse.

Bei den Ulmern geht es erkennbar aufwärts nach dem zweiten schlechten Start in eine Saison in Folge.  Nach zuletzt wettbewerbsübergreifend sieben Siegen in acht Partien sind die Schützlinge von Thorsten Leibenath auf Playoff-Kurs, auch wenn, was der Coach zugibt, spielerisch noch Luft nach oben sei.

Immerhin: Nach dem erfolgreichen Auftakt in die Top-16-Zwischenrunde im Eurocup  mit dem Sieg gegen die Fraport Skyliners stehen die Ulmer auf Tabellenplatz eins. Klar, eine Momentaufnahme, aber eine, die sich sehen lassen kann.

Auf Spekulationen, ob denn die Bamberger nach  den zwei Pleiten in Folge stark angegriffen nach Neu-Ulm kommen würden und deshalb leichte Beute werden könnten, wollte sich Leibenath verständlicherweise nicht einlassen. Denn Bamberg ist Bamberg. Und da stehen halt immer noch Spieler wie Tyrese Rice auf dem Parkett, wahrscheinlich einer der am höchsten dekorierte Spieler, der je in der BBL aufgelaufen ist: Der 31-jährige Amerikaner gewann 2014 die Euroleague (mit Tel Aviv) und ein Jahr später den Eurocup (Khimki). In beiden Finalturnieren wurde Rice dabei als MVP ausgezeichnet. Und das vor allem die Ulmer Fans noch gerne an Augustine Rubit denken, ist auch nicht überraschend.

Für die Gastgeber geht es morgen  auch darum  zu sehen, ob der Aufwärtstrend der letzten Wochen so nachhaltig ist, dass ein Sieg gegen ein Top-Fünf-Team möglich ist. Das ist den Ulmern mit dem Auswärtssieg in Bayreuth bisher erst einmal gelungen. „Ein Sieg gegen Bamberg wäre einerseits die Bestätigung unseres Aufwärtstrends, anderseits ein Schritt in Richtung Playoff-Platzierung“, sagte Leibenath.