Ehingen / Helen Weible

Am Freitagabend haben es die Basketballer vom Team Ehingen Urspring in der Hand. Gewinnen sie, haben sie am Sonntag (17 Uhr) die Chance, die Playoffs-Viertelfinalserie gegen abgezockte Heidelberger auszugleichen.

Verlieren sie, so war der Auftritt am Dienstagabend vor großer Zuschauerkulisse in ihrem Ehinger Wohnzimmer der letzte dieser sensationellen ProA-Saison. Und die lobenden Worte von Trainer Domenik Reinboth waren dann doch Abschiedsworte. Die Spieler haben ihre Huldigungen und die großen Berg-Bier-Flaschen mit dem Gefühl entgegengenommen, dass dies eine Art Abschluss sein könnte. Tim Hasbargen, der verletzt das Geschehen von der Bank mitverfolgen musste, bedankte sich bereits für die Saison und schob ein „Hoffentlich sehen wir uns am Sonntag nochmal“ hinterher.

Zu gern hätte jeder einzelne von ihnen einen Heimsieg gefeiert und wäre strotzend vor Selbstbewusstsein in dieses dritte Spiel gegangen. Nun stehen die Steeples mit dem Rücken zur Wand, zu Gast in der Halle am Olympiastützpunkt (Sprungball um 19.30 Uhr/Stream auf airtango.live) und müssen liefern.

Mentale Müdigkeit als Faktor

In den zwei Partien war zu sehen, dass Heidelberg variabel spielt und immer wieder mit einem anderen Spieler aus dem auch nicht gerade üppigen Kader auftrumpft. So war im ersten Aufeinandertreffen von Niklas Ney nichts zu sehen, dann avancierte er mit 21 Punkten zum besten Punktesammler der Academics. „Ney hat unsere Lücken genutzt und uns wehgetan“, sagte Reinboth. Dabei fiel es überhaupt nicht ins Gewicht, dass ein gewisser Philipp Heyden fehlte und eventuell erneut fehlen wird. Und der in Spiel eins offensivstärkste Shyron Ely, der am Dienstag auch die meisten Minuten aufs Parkett brachte, wurde nicht zum Faktor. „Zum Faktor wurde, dass es der Mannschaft an der nötigen Konzentration fehlte, vor allem in der Anfangsphase. Heidelberg ermöglichte das viele einfache Körbe“, so Reinboth, das habe die Gäste stark gemacht und so habe man den Rückstand nicht mehr einholen können.

Das Heidelberger Spiel lebt von wenig Fehlern. „Wenn wir welche machen, dann wird das sofort bestraft“, sagte der Ehinger US-Aufbauspieler RayShawn Simmons, der in beiden Partien einen zweifachen Assistwert hinlegte. Die Ballverluste konnte sein Team im Vergleich zum ersten Duell zwar verringern. Aber eine falsche Entscheidung, ob nun in einer Defensivsituation und vor einem Wurf, nutzten die Gegner stets eiskalt aus. Die Steeples konnten außerdem ihr schnelles Spiel über Fastbreaks selten entfalten. „Wir waren immer einen Schritt zu langsam. Das steht auch in Zusammenhang mit der mentalen Müdigkeit“, erklärte der 36-jährige Coach. Die Heidelberger stellten zudem geschickt zu und nahmen das Tempo raus. Und das Wurfglück von außen war den Ehingern noch dazu nicht hold. Daniel Monteroso versenkte keinen seiner drei Versuche. Seger Bonifant, der nach seiner Verletzung noch nicht sein ganzes Potential auszuschöpfen vermochte, erzielte nur zwei Drei-Punkte-Würfe bei vier Versuchen. So war es schier unmöglich, „Frenkies“ Team noch einmal gefährlich zu werden.

Was sich auch im dritten Spiel nicht ändert, ist die Tatsache, dass das Team Ehingen Urspring mit einer kurzen Rotation auskommen muss: Ray Simmons, Gianni Otto, Kevin Yebo, Dan Monteroso, Seger Bonifant, Tanner Leissner, Dominique Uhl und Kevin Strangmeyer wollen alles aus sich herausholen. „Das sind Jungs, die mit Herz kämpfen“, sagte Nico Drmota treffend. „Bis zum Schluss“, ergänzte Reinboth.