Ilshofen/Crailsheim Merlins ziehen ins Playoff-Halbfinale ein

Zehn Punkte steuert Chase Griffin zum ungefährdeten Halbfinaleinzug der Crailsheim Merlins am Samstagabend bei.
Zehn Punkte steuert Chase Griffin zum ungefährdeten Halbfinaleinzug der Crailsheim Merlins am Samstagabend bei. © Foto: Steffen Förster
Ilshofen / Alexander Schreiber 16.04.2018
Die Crailsheim Merlins sind dem Aufstieg in die erste Bundesliga ein ganzes Stück näher gekommen. Dank eines 99:75-Erfolges über Hanau haben sie sich für das Halbfinale qualifiziert

Die Zahlen der ersten Play-off-Runde zwischen den Crailsheim Merlins und den White Wings Hanau sprechen für sich. Ob Punkte (293:228), Rebounds (113:104) oder Assists (85:53): Die Crailsheimer waren ihren Gegnern über alle Kategorien hinweg überlegen. Das Wunder, das Hanaus Hallensprecher nach dem 0:2-Rückstand vergangenen Mittwoch noch beschworen hatte, blieb aus. 3:0 aus Sicht der Merlins nach drei Spielen, für sie ist es der erste Schritt in der zweiten Basketballbundesliga. Für Hanau nahm die Saison so ein verfrühtes Ende.

Wirklich frustriert wirkte Simon Cote, Trainer der Hessen, nach der Partie nicht. Auf der Pressekonferenz gratulierte der US-Amerikaner seinem Gegenüber Tuomas Iisalo fair, lobte dessen Mannschaft und blickte zufrieden auf die erste Play-off-Teilnahme der Hanauer in der Pro A zurück. „Jedes Play-off-Spiel war für uns ein Geschenk, das wir genießen und an dem wir wachsen wollten. Das ist uns gelungen“, so Cote.

Sieglos in der Endrunde

Tatsächlich hatte der 46-Jährige lange genug Zeit gehabt, sich mit dem Ausscheiden abzufinden. Schon vor der Partie schien ein Hanauer Weiterkommen nur noch theoretisch möglich. Nach den ersten beiden Vierteln am Samstag deutete schließlich alles darauf hin, dass die Hessen noch mindestens ein weiteres Jahr auf ihren ersten Sieg in einem Endrunden-Spiel warten müssten.

58:39 stand es zur Halbzeitpause aus Crailsheimer Sicht. Die Offensive der Gastgeber funktionierte vom Tip-Off an hervorragend. Der Ball lief gut, Hanau musste in der Verteidigung ständig rotieren, was die Merlins in den daraus entstandenen Missmatches konsequent ausnutzten. Den Schlusspunkt auf ein fulminantes Anfangsviertel der Gastgeber (30:18) setzte Point Guard Frank Turner, der mit der Schlusssirene von der Mittellinie aus einnetzte. „Dadurch, dass wir sofort bereit waren, haben wir Hanau den Zahn gezogen. Wenn wir konzentriert sind, bieten wir ihnen nur wenig Angriffsfläche“, resümierte Crailsheims sportlicher Leiter Ingo Enskat in der Halbzeitpause.

Trainer Iisalo unzufrieden

Stichwort Konzentration: Mit einem fokussierten Auftreten seiner Mannschaft nahm es Tuomas Iisalo am Samstagabend besonders ernst. Als Hanau Mitte des zweiten Viertels durch einen Lauf von 21:41 auf 28:41 verkürzte, nahm der Finne wütend eine Auszeit und trommelte seine Männer auf der Auswechselbank zusammen. Dort schwieg er für eine Weile, als würde er seinen Ärger erst herunterschlucken müssen, um dann ruhig und akribisch seine Anweisungen auf’s Taktikbrett zu zeichnen.

Nach dem Seitenwechsel nahm das Tempo im Crailsheimer Spiel ab. Auf Hanauer Seite packte Center Christopher Brady sein ganzes Angriffs-Repertoire aus und verhinderte so Schlimmeres. Ob per Hakenwurf, aus dem Pick and Roll heraus oder mit Würfen aus der Mitteldistanz – Brady war nur selten von der Crailsheimer Defensive zu stoppen. Mit 26 Punkten (13/16 Feldwürfe) war er bester Punktesammler der Begegnung. Die Merlins ließen derweil immer wieder aufblitzen, weshalb sie zu den offensivstärksten Teams der Liga zählen: Immer wieder überlisteten die Schützen der Crailsheimer die Hanauer Defensive mit scharfen Backdoor-Cuts und kamen so nach präzisen Zuspielen, meistens von Konrad Wysocki (8 Assists), zu einfachen Punkten.

Diese Spielzüge hinterließen bei Simon Cote einen so bleibenden Eindruck, dass er nach der Partie im Plausch mit Tuomas Iisalo davon schwärmte. Doch auch Iisalo hatte für den Hanauer Trainer viel Lob übrig. „Ich habe großen Respekt vor Coach Cote und dem, was er mit Hanau erreicht hat.“ Für den Erfolg seines Teams hatte Crailsheims Coach eine simple Erklärung parat: „Wir hatten einfach mehr Feuerkraft. Ich denke nicht, dass wir heute defensiv besonders gut waren. Es gab ein paar Fehler, die wir verbessern müssen, wenn wir unser Ziel erreichen wollen.“

 Bis zum ersten Halbfinalspiel am kommenden Samstag haben die Crailsheim Merlins nun spielfrei. „Wir haben nicht mehr die jüngsten Beine. Die Pause ist gut für uns. Zum Entspannen ist natürlich keine Zeit, aber dafür zum Erholen und Vorbereiten.“ Der Gegner heißt dann Heidelberg oder Trier. In der Serie zwischen den beiden Vereinen führt Heidelberg mit 2:1 und kann heute Abend mit einem Sieg den Halbfinaleinzug perfekt machen.

So spielten sie

Crailsheim – Hanau

99:75

Crailsheim: Marks (15 Punkte), Turner (14), Gay (13), Cuffee (13), Herrera (11, 5 Steals), Griffin (10), Neumann (9), Jost (4), Wysocki (3, 8 Assists), Smith (3), Bogdanov (2), Flomo (2)

Hanau: Brady (26, 8 Rebounds), Albrecht (14, 10 Rebounds), Choice (9), Adams (8); Herold (6), von Fintel (5), Jönke (3, 8 Assists), Long (2), Jacko (2)

Viertel: 30:18; 28:21; 17:21; 24:15
Rebounds: 42:33
Assists: 30:23
Dreier: 9:4
Feldwürfe: 18:11

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel