Playoffs Playoffs-Krimi: Ulm will in Ludwigsburg ausgleichen

Angreifen, werfen und Fouls ziehen: Casey Prather und Raymar ­Morgan (r.) wissen, wie sie die Riesen knacken können.
Angreifen, werfen und Fouls ziehen: Casey Prather und Raymar ­Morgan (r.) wissen, wie sie die Riesen knacken können. © Foto: Rudi Apprich
Ludwigsburg / Helen Weible 10.05.2017
Am Mittwoch wollen sich die Basketballer von Ratiopharm Ulm in der Playoffs-Serie den Heimvorteil zurückholen. In Spiel zwei in Ludwigsburg wird es wieder eng zugehen und die Würfe aus dem Feld eine wichtige Rolle spielen.

Der beste Spieler der Ulmer Basketballer Raymar Morgan erwartet, dass das zweite Spiel in der Playoff-Viertelfinalserie in Ludwigsburg am Mittwoch (20.30 Uhr/Telekombasketball.de) gar nicht viel anders aussehen wird. „Es wird wieder viele Hochs und Tiefs geben, wieder darum gehen, wer die meisten Dreier macht. Wir halten uns an unseren Plan und  holen uns diesmal den Sieg“, sagt der als wertvollster Spieler der Bundesliga ausgezeichnete Amerikaner und Topscorer der ersten Partie.

Tatsächlich ist da etwas dran. Die Begegnungen mit den Ludwigsburgern verliefen bislang immer knapp und in den zurückliegenden Partien gewann stets das Team, das besser aus dem Feld traf. Das war in der Ratiopharm-Arena zuletzt aufgrund der besseren Dreierbilanz klar das Team aus der Barockstadt (48 Prozent Feldquote zu 43). Für den 1:1-Ausgleich der Serie müssen also die erfolgreichen Würfe her.

Und wie Morgan warnt auch Ulms Trainer Thorsten Leibenath davor, jetzt leichtsinnig zu glauben, dass die Ludwigsburger keinen offensiven Sahnetag mehr erwischen werden. „Das wäre naiv“, meint der „beste Coach“ der Liga, „als Profi muss man sich auf alles einstellen. Unsere Aufgabe ist, dem Gegner noch mehr Optionen in seinem Spiel wegzunehmen.“ Im gleichen Zuge nennt der 42-Jährige drei Namen: Cliff Hammonds, Chad Toppert und Rocky Trice. „Denen müssen wir auf den Füßen stehen“, betont Leibenath.

Anderen ist man ja schon gut auf den Füßen gestanden: Jack Cooley etwa, der an seinem eigenen Korb nicht so richtig zur Entfaltung kam. Die Ulmer, die in Spiel eins das Reboundduell gegen Ludwigsburg gewonnen haben, sollten sich auch etwas für DJ Kennedy überlegen, der schnell mal auf 21 Punkte kam. Der amerikanische Flügelspieler, der erst seit März wieder im Riesen-Team steht, scheint es zu genießen, in den Playoffs richtig aufzudrehen.

Mehr Fouls ziehen

Morgan und auch Augustine Rubit sollten am Brett wieder eine Macht bilden,  gleichzeitig müssen sich die Ulmer auch die Schwäche der Ludwigsburger, die Fouls, zu nutze machen. „Wir haben es nicht geschafft, die großen Spieler vom Feld zu bekommen“, stellt der Trainer fest. Am Ende hatten Drew Crawford, Johannes Thiemann und  Chad Toppert vier Fouls – zu wenig. Auch Leibenaths Gegenüber John Patrick wird sich Gedanken gemacht haben, wie er mit einem anderen System oder Überraschungsmomenten die Ulmer vor Probleme stellt. Ein besonders bildlicher Begriff im Basketball lautet diesbezüglich „Ganzfeldpresse“. Ein beliebtes Mittel der Ludwigsburger, den Gegner mit Beginn der Angriffszeit kompromisslos unter Druck zu setzen. Jeder Schritt im Spielaufbau soll dabei im Keim erstickt werden. „Darauf sind wir vorbereitet“, sagt Leibenath cool, denn das bewährte Rezept wird dagegen sein: „Den Ball besser und schneller zu bewegen, nicht zu passiv agieren und sich nicht zu häufig in Eins-zu-eins-Situationen verstricken.“ Die Ulmer Mannschaft muss Regie führen.

So interessiert es die Spieler recht wenig, dass die Auswärtsbilanz in der MHP-Arena mehr als besorgniserregend ist. Aus 13 Spielen in der Barockstadt haben die Ulmer nur zwei gewonnen. Das aktuelle Ensemble wird sich ins Gedächtnis rufen, dass es diese Hauptrunde tatsächlich nur einmal auswärts verloren hat. Und das war eben die 61:79-Niederlage gegen die Riesen, die Pokalniederlage einmal nicht dazu gezählt. Um Karsten Taddas Worte zu zitieren: „Die Ludwigsburger haben noch nicht unser wahres Gesicht gesehen.“ Das gilt es jetzt in den Playoffs zu zeigen.

300 Fans unterstützen das Team auswärts

Hinein in die hitzige Atmosphäre der „Gelben Wand“ begleiten die Ulmer Basketballer 300 Fans. In Spiel eins haben sich die Ratiopharm-Anhänger eine spezielle Choreo ausgedacht, haben orangene und weiße Karten hochgehalten mit dem Mottospruch „We are one“. Und bei Freiwürfen tauchte zur Ablenkung der Riesen nicht nur wieder ein übergroßer Kopf von Raymar Morgan mit Teufelshörnern auf, sondern auch eine Dame in Bikini. Ob die Fans diese Artikel mit in die MHP-Arena bringen? Laut wird es auf jeden Fall. Die Ludwigsburger, die schon in Spiel eins mit Trommeln angereist waren, werden versuchen, den Lautstärkepegel ebenfalls auf „AC/DC-Niveau“ zu bekommen. hel