Basketball Basketball: Der neue Primus im Feiertagsstress

Raymar Morgan (li.), einmal mehr bester Werfer bei den Ulmer, darf sich an Heiligabend nicht zu voll essen. 
Raymar Morgan (li.), einmal mehr bester Werfer bei den Ulmer, darf sich an Heiligabend nicht zu voll essen.  © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Helen Weible 23.12.2016

Vier Jahre mussten die Fans von Ratiopharm Ulm auf diesen Moment warten: Im November 2012 standen die Bundesliga-Basketballer das letzte Mal an der Tabellenspitze. Per 98:75-Sieg über das Team von s.Oliver Würzburg schafften sie am Mittwochabend das Kunststück erneut. Als ungeschlagener Vizemeister sendet das Team von Thorsten Leibenath ein klares Signal an die anderen BBL-Mannschaften: Mit uns muss man rechnen!

Das Motto „We are one“ (“Wir sind ein Team“) bekommt nun eine weitere Bedeutung. Ulm ist die neue Nummer eins der Liga, der Branchenführer und Bamberg-Bezwinger. „Für die Fans ist das besonders schön vor Weihnachten“, sagte Ulms Manager Thomas Stoll, „aber die Tabellenführung ist nur eine Momentaufnahme.“ Auch der überragende Ulmer Spielmacher Braydon ­Hobbs wusste den Sieg und die Eroberung von Platz eins in der BBL richtig zu bewerten: „Es fühlt sich gut an, aber wir stecken noch mittendrin und müssen so gut weitermachen.“

Es bleibt über die Festtage auch wenig besinnlich bei den Spielern. Wer zur Familie fährt, für den bleibt es ein stressiger Kurztrip. Denn in drei Tagen steht die schwere Auswärtsaufgabe in München an (2. Weihnachtsfeiertag, 19 Uhr). Am 25. Dezember muss wieder trainiert werden. Da dürfen der Weihnachtsbraten und die Plätzchen nicht zu schwer im Magen liegen. Es darf davon ausgegangen werden, dass der FC Bayern an die Ulmer keine Gastgeschenke verteilt.

München zu Hause ungeschlagen

Die Münchner sind wieder ein ganz anderes Kaliber wie die Franken. Die Bayern haben in ihrem Audi-Dome noch kein Spiel verloren. Der aktuelle Tabellendritte leistete sich diese Hinrunde auch nur zwei Patzer: Die 59:90-Niederlage bei Brose Bamberg war in der Tat eine mächtige Blamage. Trainer Aleksandar Djordjevic war danach fuchsteufelswild. „Ich hoffe meine Spieler ärgern sich noch mehr als ich über die Leistung, sonst haben wir ein Problem“, sagte er. Nach dem 83:95 bei den Telekom Baskets Bonn am Nikolaustag musste der Bayern-Trainer sich weniger über die eigene Leistung echauffieren. Der Gastgeber Bonn war an diesem Tag einfach aggressiver (zehn Blocks) und entschlossener. Außer diesen beiden Pleiten erlebten die Münchnern bislang nur wenig schlechte Tage. Am Mittwoch setzten sie sich mit 98:54 souverän bei Science Jena durch.Die Ratiopharm-Korbjäger hatten gegen Würzburg eine Phase, in der es an Konzentration und der nötigen Aggressivität haperte. Für Stoll ist dies vor dem München-Spiel aber kein Anlass zur Beunruhigung. In der Partie gegen die Franken war vor allem zu sehen, dass die Ulmer auch ohne ihren Kapitän Per Günther bestehen. „Mit Per sind wir zwar stabiler, aber Braydon hat richtig gut gespielt.“

Der Günther-Backup knackte sämtliche persönliche Rekorde: Es setzte bei 16 Punkten sein erstes Double-Double, den besten Assist-Wert (14) und einen persönlichen Dreierrekord mit vier von  sechs Würfen. Falls Per Günther seine Beschwerden im Nacken noch nicht los geworden sein sollte, hat Ulm derzeit das entsprechende qualitativ hochwertige Ersatzpersonal parat.

Auftritt der jungen Wilden

Zu seinem ersten BBL-Einsatz kam gegen Würzburg der Pro-B-Spieler Marvin Omouwvie. Der 19-jährige Doppellizenzspieler hatte zwar zwei Minuten Einsatzzeit genauso wie Weißenhorn-Mannschaftskollege Björn Rohwer, aber beachtlich war es, dass es keinen Bruch im Ulmer Spiel gab. Denn für zwei Zeigerumdrehungen standen sogar drei Nachwuchskönner gleichzeitig auf dem Parkett: Joschka Ferner, der wohl erfahrenste unter den jungen Wilden, mit Omouvwie und Rohwer. Körpereinsatz und Pässe stimmten. Auch wenn sich das Trio statistisch nicht verewigte, war es ein Vertrauensbeweis von Trainer Thorsten Leibenath an die Jungen bei Ulm.