Merlins Crailsheimer Basketballer gewinnen Halbfinalserie gegen Nürnberg

Nürnberg/ Crailsheim / JOACHIM MAYERSHOFER 28.04.2014
Es ist vollbracht - die Crailsheim Merlins sind sportlich in die erste Bundesliga aufgestiegen. Sie gewannen gestern Abend das vierte Spiel der Play-off-Halbfinals in Nürnberg mit 81:74 und die Serie damit 3:1. Jetzt wartet Göttingen im Finale.

Es ist vollbracht - die Crailsheim Merlins sind sportlich in die erste Bundesliga aufgestiegen. Sie gewannen Sonntagabend das vierte Spiel der Play-off-Halbfinals in Nürnberg mit 81:74 und die Serie damit 3:1. Jetzt wartet Göttingen im Finale.

Mit Einträgen in die Geschichtsbücher kennt sich Willie Young aus. Sein entscheidender Wurf im Weihnachtsspiel 2006 ist bei den Merlins immer noch in aller Munde. "Ich habe dem Team in der Kabine gesagt: Ihr könnt heute ebenfalls Geschichte schreiben", sagte ein grinsender Trainer nach dem Spiel in Nürnberg. "Jeder Fan in Crailsheim wird sich auf ewig an euch erinnern, wenn ihr heute gewinnt!" Die Mannschaft nahm sich die Motivationsrede ihres Coaches zu Herzen und brachte in der vierten Halbfinalbegegnung wieder eine herausragende Gemeinschaftsleistung aufs Parkett. "Wir haben uns nach der Niederlage im ersten Spiel geschworen, dass wir die nächsten drei Partien gewinnen", berichtete Andreas Kronhardt. "Jetzt haben wir Geschichte geschrieben. Das ist etwas ganz Großes für so eine kleine Stadt wie Crailsheim. Wir werden sicher ein paar Bierchen darauf trinken."

Crailsheim auf dem Weg nach oben

Nürnberg war erneut der schwere Gegner wie in den Begegnungen zuvor. Viele vergebene Freiwürfe und Korbleger der Heimmannschaft sowie fehlendes Glück sah Nürnbergs Trainer Benjamin Travnizek als Gründe für die Niederlage. "Mit ein Knackpunkt der Serie war sicher auch die verlorene Verlängerung in Crailsheim." Der junge Coach war trotzdem stolz auf seine Truppe. "Wenn jemand vorher gesagt hätte, dass die Serie so spannend wird, hätte das ja niemand geglaubt. Glückwunsch an Crailsheim. Die Stimmung war immer wirklich sensationell. Ich wünsche Crailsheim alles Gute auf dem Weg nach oben!"

Dass der Aufstieg sportlich geschafft ist - wirtschaftlich ist er noch nicht unter Dach und Fach - , konnte Ingo Enskat nicht glauben. "Von der Bundesliga träumt man als Kind, wenn man sich zum ersten Mal den Ball auf den Fuß dribbelt", sagte der sportliche Leiter. "Seit zehn Jahren bin ich jetzt in Crailsheim, und dass wir das jetzt geschafft haben, ist einfach unglaublich." Man sei kein Retortenverein, sondern habe sich kontinuierlich entwickelt, aus dem Keller der zweiten Liga habe man sich mit dem früheren Coach Arne Alig nach oben gearbeitet: von einer Schüler-AG jetzt zu einem Bundesligisten: der Sprung 2001 in die zweite Bundesliga in Kaiserslautern, Pro-B-Meister und Aufstieg in die Pro A 2009 - und jetzt qualifiziert für die Eliteklasse des deutschen Basketballs.

Gibt's die Lizenz für die Bundesliga?

"Wir haben jetzt noch einige Hausaufgaben zu machen. Und dann hoffen wir, dass es mit der Lizenz klappt", blickte ein erstaunlich sachlich wirkender Martin Romig voraus, der die Entwicklung der Merlins von Anfang an begleitet hat: erst als Schüler, der selbst gespielt hatte, jetzt als Manager. Anfang Mai entscheidet sich, ob die Crailsheimer Basketballer die Lizenz für die Bundesliga erhalten.

Freibier für die Fans

Das Finale gegen Göttingen sei jetzt die Sahne auf eine grandiose Saison. Aber daran wolle er noch gar nicht denken, erklärte ein sonst immer sachlich wirkender Ingo Enskat, der nach dem feststehenden Triumph einen Urschrei losgelassen und beide Hände zu Siegerfäusten geballt hatte, und gab den Startschuss zur Aufstiegsparty. Die ging in der Hakro-Arena in Crailsheim mit Freibier für die Fans weiter, nachdem in Nürnberg die Sektflaschen für Duschen und ähnliche Party-Launen herhalten mussten.

Manager Romig war auf dem nassen Boden beim Jubeln ausgerutscht und heftig mit dem Rücken auf den Boden geknallt. Aber selbst diese Prellung konnte der Präse verschmerzen und strahlte wie alle mitgereisten Fans, die Spieler und die Verantwortlichen bis über beide Ohren. "Das waren die geilsten Auswärtsspiele, die ich je mitgemacht habe", sagte Enskat.

Spiel 4 war ein Spiegelbild der Serie: Legte Crailsheim einmal ein paar Punkte vor, zog Nürnberg wieder nach. Es gab auf beiden Seiten keinen einzigen Punkt nach einem Fast Break. Bis zum Schluss musste erneut gebibbert werden. Im vierten Viertel war es dann Jonathan Moore, der nach vier Minuten ohne Crailsheimer Korberfolg und dem 65:65-Zwischenstand erst zwei Freiwürfe versenkte, hinten einen tollen Block verbuchte, vorne einen Dreier traf und ein Offensivfoul gegen Thompson zog. Dabei verletzte sich der in Nürnberg geborene Deutsch-Amerikaner jedoch. Er musste mit Schulterschmerzen auf die Bank und einen Eisbeutel auf die betroffene Stelle legen. Erst nach einer zweiminütigen Pause griff er wieder ins Spiel ein. Da Nürnberg aber mehrere Freiwürfe vergab, Crailsheim Punkt um Punkt zulegte und defensiv agiler war, stand am Ende ein verdienter Sieg zu Buche. "Mir fällt ein Stein vom Herzen", freute sich Martin Romig. "Die Politik der kleinen Schritte hat sich ausgezahlt. Wir haben eine klasse Truppe! Und jetzt feiern wir Merlins-mäßig!"

Finalserie gegen Göttingen

Am Freitag beginnt nun die Finalserie gegen Göttingen, die nur aus zwei Spielen besteht. Zuerst wird am Freitagabend in Crailsheim gespielt, am Sonntag geht es dann nach Niedersachsen. Und vielleicht folgt dann ja schon der nächste Eintrag in die Merlins-Geschichtsbücher: der Meistertitel in der Pro A.

Viertel: 19:22 / 23:19 / 17:24 / 74:81 (HZ 42:41)

Nürnberg: Ahmad Smith 8 Punkte, Ronald Thomson 14, Juan Reile 4, Wil Chavis 4, Michael Fleischmann 10, Sebastian Schröder 14, Bingo Merriex 6, Wayne Bernard 14.

Merlins: Josten Crow 7, Carlos Medlock 16, Chris Heinrich, Yorman Polas 2, Philipp Friedel, Andreas Kronhardt 13, Christoph Tetzner, Frankie Sullivan 17 (1 Dreier), Jonathan Moore 22 (4 Dreier, 10 Rebounds), Stevie Johnson 4

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