Basketball Braydon Hobbs: Der Bessermacher im Ulmer Team

Bevor er 2014 nach Deutschland kam spielte Braydon Hobbs in Australien, Spanien und Ungarn.  Foto: Eibner
Bevor er 2014 nach Deutschland kam spielte Braydon Hobbs in Australien, Spanien und Ungarn. Foto: Eibner © Foto: Foto: Eibner
Ulm / Sebastian Schmid 27.10.2016

Es ist paradox: Als Braydon Hobbs sich für ein College entschied, sagte er einigen Universitäten mit renommierten Sportprogrammen ab, um in der Nähe seiner Familie wohnen zu können. Doch kaum waren die vier Jahre an der Uni vorbei, zog es ihn nach Australien. Hobbs muss inzwischen lachen, wenn er daran denkt. „Die Lust am Reisen und Entdecken anderer Länder kam erst nach dem College bei mir auf.“

Doch seine Heimatverbundenheit und die Wahl für die Bellarmine University in Louisville, Kentucky, hatten erhebliche Auswirkungen auf seine Basketball-Karriere. Denn seine Alma Mater spielte nur in der Divi­sion II, der zweiten Liga des amerikanischen College-Sports. Dass er nicht für eines der über 350 Divi­sion-I-Teams auflief, verfolgt den Ulmer Neuzugang bis heute: „Ich muss mich immer wieder dafür rechtfertigen und aufs Neue beweisen.“ Auch Ratiopharm-Trainer Thorsten Leibenath hatte zunächst Vorbehalte. Denn es gibt normalerweise zwei Gründe, warum ein Spieler nicht in der höchsten Klasse spielt: Entweder er ist nicht intelligent genug oder basketballerisch zu schlecht.

Bei Hobbs trifft nichts von beidem zu. Der inzwischen 27-Jährige hatte damals einfach den Fokus nicht auf eine Profi-Karriere geworfen, sondern wollte an der  Bellarmine einen guten Abschluss in Kriminalistik machen, um beim FBI oder der amerikanischen Drogenbehörde DEA anfangen zu können. Anders als die meisten amerikanischen Basketball-Profis hat der Familienvater einen klaren Plan, wie es nach dem Sport weitergehen soll. Er will Verbrecher jagen, am liebsten Drogenhändler.

Momentan steht allerdings die Basketball-Karriere im Vordergrund. Und die hat an Fahrt aufgenommen, nachdem der Gang an die Bellarmine lange Zeit eine Belastung war. „Es hat meinen Weg auf jeden Fall erschwert“, sagt der 1,96 Meter große Aufbauspieler, der seine Entscheidung aber nicht bereut: „So wurde ich zu dem Spieler, der ich heute bin.“

Direkt nach dem College ging es für ihn als Profi also erst einmal nach Australien. Es folgten Stationen in der zweiten spanischen Liga,  in Ungarn, erneut in Australien, in der deutschen Pro A (Nürnberg) und noch einmal in Australien bevor Aufsteiger Gießen 46ers ihn vergangenes Jahr verpflichtete. Eine Saison, an die er gerne zurückdenkt: „Wir haben die Playoffs nur um einen Sieg verpasst, obwohl uns das Viele nicht zugetraut haben“, erinnert sich Hobbs, der von sich selber sagt, dass er keinem Gegner Angst einjagt, wenn er die Halle betritt.

Morgen beim Gastspiel von Ratiopharm Ulm in Gießen (20.30 Uhr/www.telekombasketball.de) wird das anders sein. Die 46ers wissen, dass sie den auf den ersten Blick unscheinbaren Schlaks nicht unterschätzen dürfen. Auf das Wiedersehen mit Trainer Denis Wucherer freut sich Hobbs: „Er ist ein ,Players-Coach’ und jeder spielt gerne für ihn.“

Vergleich mit „Magic“ Johnson

Auf der anderen Seite hat jeder Trainer gerne einen wie Hobbs im Team. Mit seinen Pässen schafft er es nicht nur, die Zuschauer und Gegner zu verblüffen, sondern sorgt auch dafür, dass die Mitspieler hellwach bleiben. „Sie müssen zu jedem Zeitpunkt voll da sein, da sie jederzeit den Ball bekommen können“, sagt Leibenath und outet sich als Fan: „Es macht einfach Spaß ihm zuschauen.“ Der 41-Jährige fühlt sich angesichts der unglaublichen Passqualitäten seines Schützlings an die Lakers-Legende „Magic“ Johnson erinnert.

Hobbs selber kann nicht erklären, warum er auf dem Spielfeld Dinge sieht, die andere nicht sehen und deshalb Pässe spielt, die andere nicht spielen. „Das ist nichts, was ich extra trainiere. Es ist einfach etwas, das ich kann.“ Auf die Frage, warum er so spielt, wie er spielt, gibt es hingegen eine einfache Antwort. Braydon spielte viel mit seinem älteren Bruder Derick, der ein guter Werfer war. Also sollte der Jüngere ihm gefälligst auch den Ball passen. Und vergaß er das einmal, dann erinnerte Derick ihn daran, wie das große Brüder eben machen. So etwas prägt.

Allerdings entwickelte sich Braydon Hobbs mit der Zeit nicht zu einer reinen Passmaschine, sondern auch zu einem veritablen Schützen, was er im Ulmer Trikot aber noch nicht unter Beweis stellen konnte. In der Bundesliga wartet er nach 15 Versuchen noch auf seinen ersten Distanztreffer für das Ratiopharm-Team. In den Jahren zuvor traf er regelmäßig über 40 Prozent seiner Würfe von jenseits der 6,75-Meter-Linie. Thorsten Leibenath ist überzeugt, dass Hobbs schon bald zu seiner alten Treffsicherheit zurückfinden und dem Vizemeister dann nicht nur als Vorlagengeber helfen wird.

Hobbs selber hadert zwar ein wenig mit seinem Wurfpech, lässt sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. Für ihn ist es ohnehin nicht wichtig, dass er selber punktet, sondern er spielt lieber noch einmal den Extra-Pass zum freien Mitspieler. Eine Qualität, von der beispielsweise Center Tim Ohl­brecht bislang häufig profitiert. „Dass Tim momentan so hochprozentig trifft, hängt auch mit Braydon zusammen, der ihn oft klasse freispielt“, sagt Leibenath.

 Das ist es, was Hobbs’ früherer College-Coach Scott Davenport meinte, als er sagte: „Gute Basketballer punkten, rebounden und verteidigen. Außergewöhnliche Basketballer machen die Leute um sich herum besser – und das macht Braydon.“

Suttons Zukunft in Ulm weiterhin offen

Siebter Auch nach seinem starken Auftritt beim 77:62-Eurocup-Sieg in Krasnodar (Russland) ist offen, wie es mit Dominique Sutton weitergeht. Der Vertrag des 30-Jährigen läuft nach dem Spiel am Samstag in Gießen aus. Ulms Manager Thomas Stoll konnte gestern noch nicht sagen, ob das Ratiopharm-Team weiter mit dem Power Forward plant: „Es hängt ja auch davon ab, was der Spieler will und ob er seine Rolle akzeptiert.“ Nach der Genesung von Augustine Rubit wäre Sutton der siebte Ausländer und müsste in Bundesliga-Spielen wohl aussetzen. Stoll ist sich sicher, dass das Kraftpaket nach den starken Leistungen Angebote von anderen Klubs erhält.

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