Thorsten Leibenath ist von seinen Eltern wohlerzogen worden. Das wirkt während Basketballspielen, wenn der 43-Jährige mitunter wie wild an der Seitenlinie herumtobt, zwar nicht so, wird einem aber schnell klar, wenn man sich mal mit dem Ulmer Trainer eine Weile unterhält. Zu dieser Erziehung gehörte auch Bescheidenheit. Und die ist ein Grund, warum sich Leibenath nicht so recht mit dem alten Pokalmodus anfreunden konnte, bei dem der Gastgeber der Endrunde für diese automatisch qualifiziert war. „Es war schon ein wenig peinlich, wenn du fürs Halbfinale gesetzt bist, ohne eine Spiel gemacht zu haben“, sagt Leibenath.

Deshalb findet er den neuen Pokalmodus mit dem K.o.-System auch besser als die bisherige Variante. In den vergangenen Jahren spielten die besten sechs beziehungsweise sieben Teams (wenn der Gastgeber zu den besten Sechs zählte) der Hinrunde eine Qualifikationsrunde aus, deren Sieger im Halbfinale standen. „Dieser Modus war den Fans eigentlich nicht zu vermitteln und hatte wenig mit dem Pokalgedanken zu tun“, Leibenath.

Morgen beginnt mit dem Achtelfinale nun ein neues Kapitel. Dass die 16 Bundesligisten ohne die Aufsteiger in vier Runden den Pokal ausspielen, ist ein Novum. Für Leibenath „ein Schritt in die richtige Richtung.“ Dass sein Team beim Start in den dritten Wettbewerb binnen einer Woche morgen in Frankfurt (18 Uhr/Telekomsport.de) gleich ein Alles-oder-nichts-Spiel hat, gefällt ihm: „Ich finde es gut, dass wir diese Situation zu so einem frühem Zeitpunkt haben. Bei den Spielern darf nicht der Eindruck entstehen, dass sie sich gemächlich in die Saison reinarbeiten können.“

Gänzlich überzeugt ist der Ulmer Trainer allerdings nicht vom Modus, den er als „guter Kompromiss“ bezeichnet. Denn auch wenn ihm missfiel, dass der Gastgeber fürs Halbfinale gesetzt war, wird er das Top-Four-Turnier vermissen. „Das hat in meinen Augen Sinn gemacht und immer eine tolle Atmosphäre kreiert.“ Deshalb würde er an einem solchen Event festhalten. Leibenaths Vorschlag: 16 Teams spielen ein Achtelfinale, die Sieger kämpfen an einem neutralen Austragungsort in einem mehrtägigen Turnier im K.o.-Modus um die Trophäe – ein Top-Eight quasi.

Dass im Finale ein Teilnehmer das Heimrecht hat, gefällt Leibenath ebenfalls nicht. Ihm wäre es lieber, wenn das Ganze an einem festen Ort auf neutralen Boden ausgetragen wird, wie das im Fußballpokal mit dem Endspiel in Berlin der Fall ist. Köln, Hamburg, Mannheim – auf Anhieb fallen ihm einige Städte ein, die aktuell über keinen Basketball-Bundesligisten, aber eine ausreichend große Halle verfügen. „Wir haben immer gesagt, dass der Modus nicht in Stein gemeißelt ist“. hatte BBL-Geschäfstführer Stefan Holz vor der Pokal-Reform verkündet. Leibenath kann also hoffen, dass seine Verbesserungsvorschläge doch noch Gehör finden.

Der Pokal im Überblick


Frankfurt – Ulm Sa. 18 Uhr
Göttingen – Ludwigsburg Sa. 18 Uhr
Bremerhaven – Bonn Sa. 20.30 Uhr
Bamberg – Würzburg Sa. 20.30 Uhr
München – Gießen So. 15 Uhr
Berlin – Bayreuth So. 15 Uhr
Oldenburg – Jena So. 18 Uhr
Braunschweig – Weißenfels So. 18 Uhr

Achtefinale 6./7. Oktober
Viertelfinale 22./23. Dezember
Halbfinale 20. Januar
Finale 17. Februar

Gespielt wird im K.o.-Modus. Nach jeder Runde werden Gegner und Heimrecht ausgelost. Vor dem Finale wird nur das Heimrecht ausgelost.