Oldenburg Basketball: Ratiopharm Ulm verliert in Oldenburg

Per Günther, mit 16 Punkten zweitbester Ulmer Scorer, kämpft sich durch die Oldenburger Defensivmühle.
Per Günther, mit 16 Punkten zweitbester Ulmer Scorer, kämpft sich durch die Oldenburger Defensivmühle. © Foto: Eibner
Oldenburg / THOMAS GOTTHARDT 26.01.2014
Missratener Start in die Rückrunde der Basketball-Bundesliga: Ratiopharm Ulm hat die Begegnung bei den saustarken Baskets aus Oldenburg mit 62:76 verloren. Schuld war vor allem die miese Trefferquote.

Die Rückrunde in der Basketball-Bundesliga hat für die Ulmer Mannschaft so begonnen, wie die Hinrunde aufgehört hat: mit einem Misserfolg. Zwei Wochen nach der 77:88-Heimniederlage gegen die EWE Baskets Oldenburg hat die Mannschaft von Trainer Thorsten Leibenath auch im Norden beim Start in die zweite Saisonhälfte gegen denselben Gegner mit 62:76 (33:42) verloren. Es war mit Minus 14 die höchste Niederlage seit der Saison 2000/2001 (zwei Spiele mit jeweils Minus 18).

Langsam müssen die Ratiopharm-Korbjäger auch auf die Tabelle schauen. Das Niemandsland jenseits des achten Ranges, des letzten Platzes also für die Playoffs, ist ganz nahe. Und das Programm in den nächsten Wochen mit den Partien in Bonn und Bremerhaven sowie zu Hause gegen Berlin verspricht nicht gerade sichere Punkte. Dazu kommen die Aufgaben im Eurocup, wie am Dienstag das Heimspiel gegen Nanterre (19.30 Uhr).

Statistisch gesehen gibt es einen entscheidenden Punkt für das erneute Nachsehen im Duell mit dem letztjährigen Ulmer Playoff-Halbfinalgegner und späteren Vizemeister: die Trefferquote. „Wir haben selten so schlecht getroffen“, musste Thorsten Leibenath konstatieren. Das sei, womit der Coach natürlich nicht ganz Unrecht hat, vor allem der Oldenburger Defensive geschuldet gewesen. Fakt ist aber auch, dass die Gäste jede Menge offener Würfe hatten. Vor allem in der insgesamt reichlich zähen Anfangsphase. Da taten sich nämlich auch die Oldenburger extrem schwer, ihren Rhythmus zu finden. Im ersten Viertel wären die Niedersachsen zu knacken gewesen, dazu jedoch waren die Ulmer zu wenig effektiv.

Es waren nur Per Günther (16 Punkte) und Matt Howard (17), die über 40 Minuten gesehen eine vorzeigbare Trefferquote vorzuweisen hatten, der Rest tendierte gegen unterirdisch. Adam Hess zum Beispiel brachte es in zwölf Minuten auf null Punkte bei vier Wurfversuchen von jenseits der 6,75-Meter-Linie. Edgar Sosa schoss acht Fahrkarten bei acht Versuchen aus dem Feld. Die Bilanz von Cameron Long (eins von zehn) ist nur unwesentlich besser. Eine Erklärung dafür hatte Leibenath nicht. „Adam Hess zum Beispiel trifft im Training wie er will. Er muss es einfach nur mal im Spiel auch umsetzen“, meinte der Coach. Was jedoch nicht alleine für den Deutsch-Amerikaner gelten dürfte.

Bis zur Mitte des zweiten Viertels verlief die Partie auf mäßigem Niveau auf beiden Seiten. Dann kam es zu einer kleinen Rempelei zwischen Per Günther und Julius Jenkins. Der Amerikaner, der den Ulmern auch in den Playoff-Spielen mächtig weh getan hatte, hatte bis zu diesem Zeitpunkt (vier Minuten bis zur Halbzeit) noch keine Punkte auf seinem Konto. Aber das Foul von Per Günther, der Jenkins bei einem Fastbreak rüde stoppte, wirkte wie die berühmte Hallo-wach-Pille. Günther habe sich, erzählte Jenkins nach der Partie, für das Foul entschuldigt: „Ich war wirklich sauer, weil ich mich dabei hätte verletzen können. Und danach war ich vielleicht besser drin im Spiel“, mutmaßte der Guard.

Was stimmte, auch wenn Baskets-Coach Sebastian Machowski der Überzeugung ist, „dass man Julius nicht zu pieksen braucht, damit der trifft“. Er traf jedenfalls, aus welchen Gründen auch immer. Bis zur Halbzeit waren es mal schnell zehn Punkte. Die Hausherren gingen mit neun Punkten Vorsprung in die Kabine und mit dem Gefühl, den Gegner in der Tasche zu haben.

Mit dem Gefühl kamen sie auch wieder raus aus der Kabine und lieferten nun eines der besten, vielleicht sogar das beste Saisonspiel ab, weil nicht nur Jenkins, sondern auch Rickey Paulding und Chris Kramer, der mit dem Ex-Ulmer Dru Joyce ein starkes Guard-Duo bildet, zur Höchstform aufliefen.

Thorsten Leibenath griff nochmal zu einem letzten Mittel und ließ vermehrt Zonenverteidigung spielen, womit die Oldenburger zunächst nicht zurecht kamen. Das nutzten die Ulmer, um den Rückstand gegen Ende des dritten Viertels bis auf acht Punkte zu verkürzen. Da war es vor allem Will Clyburn, der Verantwortung übernahm und viel im Alleingang machte. Aber die Ulmer Schwäche war dadurch nicht behoben: Es fielen zu wenig Bälle durch die Reuse.

Die Oldenburger dagegen nutzten den Raum, wechselten immer wieder schnell die Seite, um einen freien Mann zu finden. Die Ulmer Defensive war meistens nicht in der Lage, die Lücken schnell genug zu schließen mit dem notwendigen Druck auf den Gegenspieler. Das war ein Qualitätsunterschied, der sich im Endergebnis niederschlug.

Die Spekulationen um den möglichen Neuzugang Ian Hummer wollte Leibenath nicht kommentieren. Auch die Berateragentur des Amerikaners war am Sonntag nicht erreichbar. So wird die Verpflichtung, die der Berater per Twitter verkündet hatte, wohl am Montag – oder bis spätestens zum Ende der Transferperiode Ende Februar verkündet werden.

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