Matchball eins abgewehrt: Basketball-Bundesligist Ratiopharm Ulm hat in der Halbfinalserie das Heimspiel gegen die EWE Baskets Oldenburg mit 81:79 (47:47) gewonnen. Damit steht es nach jeweils zwei Niederlagen und zwei Siegen in dem Nord-Süd-Duell 2:2. Am kommenden Donnerstag kommt es bei den Niedersachsen zur alles entscheidenden fünften Begegnung. Wer gewinnt, steht in der Finalserie der BBL-Meisterrunde. Wer der Gegner ist, steht noch nicht fest. In der zweiten Halbfinalserie zwischen Bamberg und dem FC Bayern steht es 2:1.

Ratiopharm-Coach Thorsten Leibenath rang nach dem Erfolg über die Norddeutschen ein wenig um die passenden Worte. „Es war ein beeindruckender Sieg mit einer tollen Leistung. Es war eine Begegnung auf einem hohen emotionalen Niveau“, meinte der 38-Jährige. Baskets-Trainer Sebastian Machowski rang auch, aber nicht um Worte, sondern um seine Fassung. „Wir haben eine große Chance vergeben, alles klar zu machen und ins Finale einzuziehen“, ärgerte sich der „Trainer des Jahres“.

Die Ulmer können nun dank des Sieges vor 6000 Zuschauern in der ausverkauften Ratiopharm-Arena weiter auf die erste Meisterschaft ihrer Klubgeschichte hoffen. Ihr treffsicherster Spieler war Keaton Nankivil mit 15 Punkten. Herausragender Akteur war jedoch der Oldenburger Julius Jenkins mit 29 Zählern und fünf Rebounds. „Es sollte leider noch nicht sein“, sagte Jenkins. „Natürlich sind wir bereit für Spiel fünf, aber natürlich wird Ulm kämpfen bis zum Schluss.“

Die Niedersachsen waren einen Tick besser in diese vierte Begegnung gestartet, die die Gastgeber gewinnen mussten, um nicht vorzeitig in Urlaub gehen zu müssen. Bei den ersten beiden Angriffen ist das Ratiopharm-Team gleich in Zeitnot gekommen, weil die Oldenburger da anknüpften, wo sie in Spiel drei aufgehört hatten: Knallharte Verteidigung, dem Gegner nicht den Hauch einer freien Wurfchance geben. Mit dieser Intensität hat die Mannschaft von Thorsten Leibenath einfach Probleme.

Allerdings dauerte es nicht lange, bis die Ulmer ihren Rhythmus in der Offensive und der Defensive fanden. So entwickelte sich eine enge erste Halbzeit, in der die Gäste fast immer in Führung lagen, aber immer in Reichweite von Steven Esterkamp & Co. blieben. Getragen wurden die Oldenburger im zweiten Viertel alleine von Jenkins. Der Amerikaner spielte die zweiten zehn Minuten durch und erzielte 20 Punkte. Wer auch immer Jenkins verteidigen wollte, schaffte es nicht. Der Guard machte mit seinen Gegenspielern, was er wollte. Der Meister von 2009 hatte am gestrigen Abend aber keinen zweiten Spieler in seinen Reihen, der das Spiel ähnlich an sich reißen konnte.

Ganz anders die Ulmer Korbjäger. Die antworteten auf das Jenkins-Solo als Kollektiv und schafften mit der Halbzeitsirene das 47:47. Es ging, wie in den Begegnungen zuvor, auf Augenhöhe weiter. Erst gegen Ende des dritten Viertels sprinteten die Ulmer davon. Erst verwandelte Bryant zwei Freiwürfe zum 65:62. Dann schickte Schwethelm einen Dreier hinterher und setzte mit einem „Zweier“ zum 70:62 noch einen drauf.

Doch dieser Acht-Punkte-Vorsprung war längst noch nicht die Entscheidung, weil die Oldenburger nicht nachließen in ihrem Bemühen, doch noch den Sack zuzumachen. Knapp zwei Minuten vor dem Ende ging Schwethelm an die Freiwurflinie und verwandelte beide sicher zum 80:75. Kurz darauf musste Jeter mit seinem fünften persönlichen Foul raus. Oldenburg kam 38 Sekunden vor Schluss auf 79:80 heran, weil sich Schwethelm einen üblen Ballverlust leistetet. Noch zwölf Sekunden waren zu spielen, als Ray mit einem Freiwurf das 81:79 erzielte. Den letzten Mitteldistanzwurf versemmelte Adam Chubb – und Ulm freut sich auf Spiel fünf.