Die Ulmer Basketballer haben in der Bundesliga eine große Chance liegen lassen, Alba Berlin zu schlagen und zuhause nach Verlängerung mit 106:112 verloren. Der Euroleague-Starter war ersatzgeschwächt und mit den Strapazen von fünf Spielen in zehn Tagen angereist. Die Hausherren ihrerseits waren seit 17 Tagen nicht im Einsatz gewesen, was Ulms Trainer Jaka Lakovic Sorgen bereitete. Der Slowene befürchtete, dass  seine Spieler nach der ungewohnt langen Pause aus dem Rhythmus sind. Und lag damit vollkommen richtig.

„Im ersten Viertel waren wir etwas rostig“, so Lakovic, dessen Mannschaft zu Beginn in der Defensive keinerlei Zugriff auf Berlin bekam. Da half es auch nichts, dass Ulm durchaus solide traf, denn mit Ballverlusten ermöglichte man es den Albatrossen immer wieder, zu einfachen Punkten zu kommen. Nach sechs Minuten kam Neuzugang Archie Goodwin zu seiner Premiere im Ratiopharm-Trikot, zeigte in 27 Minuten Spielzeit gute Ansätze, war aber kein entscheidender Faktor.

Angesichts des 25:34-Rückstands nach dem ersten Viertel hätte so mancher Schreihals auf der Tribüne am liebsten alle Ulmer Spieler verkauft. Doch deren Meinung änderte sich im zweiten Viertel schlagartig. Angeführt vom starken Tyler Harvey, mit 23 Zählern bester Ulmer Werfer, übernahmen die Gastgeber nun die Kontrolle. 50 Sekunden vor der Halbzeit sorgte Harvey für den Ausgleich (51:51), eine halbe Minuten später traf er zur ersten Führung (54:51). Die 5815 Fans in der Arena tobten, Alba schleppte sich in die Kabine.

Halbzeitpause tut Alba gut

Die Pause tat den Gästen gut, die am Sonntag im Pokalfinale Ulm-Bezwinger Oldenburg empfangen. Der Lauf von Lakovics Team war gestoppt, die Partie ausgeglichen – jedoch mit leichten Vorteilen für Ulm. Von der erhofften Müdigkeit nach dem strapaziösen Programm der vergangenen Wochen war bei den Berlinern allerdings nichts zu sehen. Mit einem 75:74 gingen sie ins letzten Viertel.

Dort schienen die Ulmer zweimal schon wie der sicherer Sieger: Erst als Killian Hayes Albas Peyton Siva zum Tanz bittete und den Dreier zum 91:85 einnetzte (38. Minuten). Dann nochmal als Harvey 15,6 Sekunden vor dem Ende zum 94:91 traf. Zunächst verhinderten die Hausherren mit einem schnellen Foul einen Dreierversuch zum Ausgleich, wurden dann aber selber an die Freiwurflinie geschickt. Hayes behielt die Nerven und traf beide Versuche zum 96:93. In den restlichen 9,5 Sekunden foulten die Hausherren aber überraschenderweise nicht mehr und ermöglichten es so Siva, mit der Sirene zum 96:96 und zur Verlängerung zu treffen. Welche Ansage Lakovic in der letzten Auszeit für den letzten Alba-Angriff ausgegeben hatte, wollte er aus „taktischen Gründen“ nicht verraten. Ob seine Spieler es versäumten, einen Alba-Akteur an die Freiwurflinie zu schicken oder Lakovic wollte, dass man den letzten Angriff verteidigt, bleibt damit offen.

Siva war es egal, der sagte „Danke“ und bescherte Berlin die Verlängerung. „Am Ende kommt es darauf an, ob du Glück hast oder nicht“, meinte Alba-Coach Aito Reneses. Lakovic sah es ein wenig anders und wollte Fortuna nicht ganz so große Bedeutung beimessen. „Sie haben die schweren und wichtigen Würfe getroffen. Das ist die Qualität der Berliner, deshalb spielen sie da.“

In der Zusatzschicht waren es dann zwei Ballverluste von Andreas Obst, die den Gästen den Vorteil einbrachten (104:99). Im Stile einer Topmannschaft rettete der Vizemeister den Sieg über die Zeit und geht erfolgreich, aber müde ins Pokalfinale. Doch das sind sie in Berlin gewohnt.