Alles andere als einen Basketball-Leckerbissen bekamen die Fans letzten Samstag in Trier geboten. „Das war schon schwere Kost“, gab auch Tübingens Regionalliga-Trainer Manu Pasios zu, der den 71:59 Auswärtssieg seines Teams live im Internet verfolgte. Doch Sieg ist Sieg, über das Wie fragt im Nachhinein keiner mehr. Deswegen überwiegt die Freude über den vierten Saisonerfolg. Zudem hält man den Anschluss an die Playoff-Plätze, die Tigers sind aktuell nur noch einen Sieg von Platz acht entfernt. Die Partie wird wie immer live auf sportdeutschland.tv übertragen.

Rostock – da war doch was?

Nur ungern erinnert sich Tübingens Head Coach Danny Jansson an das Hinspiel Anfang Dezember des letzten Jahres in der Paul Horn-Arena zurück. Bei der knappen 90:96-Niederlage sah man bis kurz vor Schluss schon wie der sichere Sieger aus, ehe Sid-Marlon Theis und Behnam Yakhchali die Raubkatzen mit einem Dreierhagel ins Tal der Tränen schickten. 52 Zähler gingen damals auf das Punktekonto des Duos. Dabei trafen die beiden Rostocker insgesamt elf Mal aus der Distanz bei 20 Versuchen, was einer Quote von über 50 Prozent entspricht. Somit hat man noch eine Rechnung mit dem kommenden Gegner offen. Ob die am Sonntag (Spielbeginn 16 Uhr, Stadthalle Rostock) beglichen werden kann, steht zwar in den Sternen, jedoch reist man nach zuletzt zwei Auswärtssiegen mit breiter Brust in den hohen Norden.
Yakchali spielt bisher eine überragende Saison. 21,1 Punkte und je vier Assists und Rebounds markiert der iranische Nationalspieler im Schnitt. Sollte der Rostocker Guard so weiter performen und Rostock in den Playoffs weit kommen, führt bei der MVP-Wahl wohl kein Weg an ihm vorbei. Ob der Iraner am Sonntag gegen Tübingen auflaufen wird, ist jedoch fraglich. Bei der 76:82-Niederlage am Mittwochabend in Kirchheim war nach gerade einmal sechs Minuten Schluss für den Topscorer der Liga. Eine Sprunggelenksverletzung machte das Weiterspielen unmöglich.
Während andere Vereine, bedingt durch die Corona-Situation, ums nackte Überleben kämpfen, scheint in Rostock in die Basketballwelt noch besser zu sein. Nicht nur spielertechnisch sind die SEAWOLVES hockkarätig besetzt. Mit der Verpflichtung von Trainer Dirk Bauermann ist dem Club in der Saison 2019/2020 ein wahrer Transfercoup gelungen. Mit dem mittlerweile 63-jährigen ehemaligen deutschen Nationaltrainer, der wie kein zweiter den deutschen Basketball in den letzten 30 Jahren geprägt hat, will man schnellstmöglich in die BBL aufsteigen. Am Sonntag müssen die Rostocker jedoch krankheitsbedingt ohne ihren Trainer an der Seitenlinie auskommen, Co-Trainer Christian Held wird wie zuletzt übernehmen.

Viel Qualität im Kader

Rostock steht unangefochten ganz oben in der Tabelle. Lediglich zwei Spiele gingen bisher verloren (Jena und Bremerhaven). In nahezu allen Statistiken überzeugen die Hansestädter. Knapp 42 Prozent Dreierquote, 84 Prozent bei den Freiwürfen und eine Wurfquote von 59 Prozent aus dem Zwei-Punkte-Bereich sind starke Werte. Neben Anführer Yahchali kommen die BBL-erfahrenen Brad Loesing (11,2 ppg,) Jarelle Reischel (11 ppg) und Theis (10,5 ppg) auf zweistellige Werte bei den Punkten. Mit der Nachverpflichtung von Keith Wright bekräftigen die Rostocker nochmals ihre Aufstiegsambitionen. Das 110 Kilogramm schwere Kraftpaket überzeugt bisher mit starken Werten von 12,7 Punkten und 7,7 Rebounds pro Partie.
Auf dem Papier sind die Tigers Tübingen sicherlich der Underdog. Doch zu was das Team von Jansson im Stande ist, hat man diese Saison schon des Öfteren sehen können. Ob beim Hinspiel gegen Rostock, in Schwenningen oder auch in Jena. Alle drei Spiele hätten auch anders ausgehen können. Wenn das zweitjüngste Team der Liga lernt, die vielen kleinen Fehler abzustellen und die Konzentration über die gesamten 40 Minuten hoch zu halten, dann ist auch Goliath Rostock nicht sicher vor den Tigers.
Jansson über das bevorstehende Auswärtsspiel: „Rostock ist zweifelsohne individuell besser aufgestellt. Sie gehören zu den Topmannschaften der Liga. Wir sind klarer Außenseiter, wollen aber als Mannschaft die individuelle Schwäche wett machen. Knüpfen wir an die Leistung des Heimspiels an, kann alles passieren." Die Raubkatzen werden am Samstag um 8 Uhr nach Mecklenburg-Vorpommern aufbrechen, davor steht am Freitagnachmittag noch ein Corona-Test auf dem Programm - zudem am Spieltag. Zehn Spieler werden mit zur längsten Auswärtsfahrt der Saison mitgehen. Timo Fischer wird Mirjan Broening ersetzen, der sich auf die Uni-Prüfungen vorbereiten wird. Positiv zu erwähnen ist ferner, dass Manager Robert Wintermantel nach seiner Corona-Erkrankung wieder zurückgekehrt ist und sich seit Montag wieder in die Arbeit gestürzt hat.
Vielen Dank, Jens Hakanowitz und Ole Voigt!
Ein ganz besonderer Dank geht an die ROSTOCK SEAWOLVES in Person von Jens Hakanowitz und Ole Voigt, die den Schwaben bei der Organisation vor Ort tatkräftig unterstützten. Gegenwärtig sind alle Hotels in der Hansestadt geschlossen, dank des Kontakts der SEAWOLVES stellt ein Partnerhotel die Übernachtung zur Verfügung. Sämtliche Mahlzeiten werden von einem Catering-Unternehmen bereitgestellt, sodass der Zwei-Tages-Trip hoffentlich gut zu meistern sein wird.