Viel Zeit hat Trainer Thorsten Leibenath nicht, um nach der 78:107-Niederlage bei Alba Berlin die richtigen Schlüsse zu ziehen und die notwendigen Änderungen vorzunehmen. Bereits am Dienstag (19 Uhr/live bei Magenta Sport) kommt es in der Viertelfinalserie zum zweiten Aufeinandertreffen. Drei Siege sind nötig, um in die nächste Playoff-Runde einzuziehen. Sollte Ulm also in der Ratiopharm-Arena verlieren, könnte Alba bereits am Sonntag in Berlin das Halbfinalticket lösen.

In diesem Fall wäre es am Dienstag das letzte Heimspiel von Leibenath nach acht Jahren bei Ratiopharm Ulm. Am Saisonende wird der dienstälteste Bundesliga-Coach den Posten des Sportdirektors in Ulm übernehmen. Doch der Abschied von der Trainerbank spielt für den 44-Jährigen aus mehreren Gründen momentan keine Rolle. Zum einen ist er keiner, der mit negativen Gedanken an eine Aufgabe herangeht. Deshalb befasst sich Leibenath im Vorfeld gar nicht erst mit der Möglichkeit einer Niederlage, sondern verwendet alle Energie darauf, sein Team optimal auf die Partie vorzubereiten.

Ende der Ära Leibenath?

Zudem steht ja auch nicht fest, ob es Leibenaths letzter Auftritt in der Ratiopharm-Arena sein wird. Denn bei einem Sieg heute oder auch am Sonntag in Berlin wird es eine zweite Partie in Neu-Ulm geben, die am kommenden Dienstag stattfinden würde. Insofern ist das Ende der Ära Leibenath an der Donau nicht genau prognostizierbar. Und noch ein Punkt lässt beim Ratiopharm-Coach keine Wehmut aufkommen: „Für mich muss das ja kein Abschied für immer sein.“ Denn auch wenn er sich zunächst aus dem Trainergeschäft zurückzieht, ist eine Rückkehr für ihn nicht ausgeschlossen.

Seine Konzentration gilt also voll und ganz dem zweiten Duell mit Berlin. Dass Alba seinem Team zum Auftakt die Grenzen aufgezeigt hat, hat die Ulmer Mannschaft nicht nachhaltig zurückgeworfen. „Wir hatten am Sonntag eine sehr gute, konstruktive Trainingseinheit. Die Stimmung ist gut“, berichtet Leibenath. Seine Spieler hätten sich von der Höhe der Niederlage nicht negativ beeinflussen lassen. Vielmehr sei darüber gesprochen worden, was besser werden muss.

Dazu gehört ein clevereres Verhalten beim Wechsel vom eigenen Angriff in die Defensive. 38 Punkte gelangen Berlin in Spiel eins aus dem schnellen Umschaltspiel. Zu viel, um dem Team von Coach Aito Reneses gefährlich zu werden. „Sie haben die ersten acht Sekunden ihrer Offense extrem gut ausgespielt“, hat Leibenath als eine der Stärken bei Alba ausgemacht.

Heimspiel in der Ratiopharm-Arena Ulm mit maximaler Leidenschaft

Sein Vorbereitung hält der Coach sachlich, da er davon ausgeht, dass seine Spieler zuhause mit einer anderen Intensität zu Werke gehen als in Berlin: „Das wir in einem Heimspiel mit der maximalen Leidenschaft auftreten, ist für mich eine Selbstverständlichkeit.“ Da braucht es keinen großen emotionalen Appell.

Allerdings hat sich Patrick Millers Schulterverletzung beim Auftakt verschlechtert. „Er hat am Ende einarmig gespielt, da er den linken Arm nicht mehr heben konnte“, sagt Leibenath, der trotzdem erst im letzten Viertel auf Per Günther setzte. Der war allerdings wegen Knieproblemen in den Wochen vor den Playoffs angeschlagen. Ziemlich sicher wird Till Pape nach seiner Gehirnerschütterung aus Spiel eins für das zweite Viertelfinale ausfallen.

Leibenath rechnet übrigens damit, dass ein Hauch von Wehmut erst in der kommenden Saison aufkommen wird, „wenn es wieder losgeht und ich nicht mehr auf der Bank sitze“. Noch hat er aber das Kommando an der Seitenlinie – und kann selbst dafür sorgen, dass sein letzter Auftritt in der Ratiopharm-Arena noch eine Weile auf sich warten lässt.

Ex-Ulmer Will Clyburn gewinnt mit ZSKA Moskau die Euroleague


Das hat es in Ulm noch nie gegeben. Mit Will Clyburn hat ein ehemaliger Ratiopharm-Akteur die Euroleague gewonnen. Der 29 Jahre alte Amerikaner besiegte mit ZSKA Moskau im Finale der Basketball-Königsklasse Anadolu Efes Istanbul mit 91:83. Clyburn kam 2013 direkt vom College nach Ulm und spielte zwei Jahre lang unter Trainer Thorsten Leibenath. Der Ulmer Coach freut sich natürlich über den Erfolg seines Ex-Schützlings, der sogar zum besten Spieler des Final-Wochenendes gewählt wurde. Im Halbfinale  gegen Real Madrid (95:90) erzielte der Shooting Guard 18 Punkte, im Endspiel waren es 20 Zähler.

Dass es Clyburn soweit bringen wird, war nicht unbedingt vorherzusehen. Doch bereits in seiner Zeit in Ulm ahnte Trainer Leibenath, dass der damals 24-Jährige noch reichlich Entwicklungspotenzial besitzt. Der Erfolg des Ex-Ulmers ist mit Blick auf den Orange Campus von Vorteil. „Das zeigt, wie sich Spieler hier entwickeln können“, sagte Leibenath und führte aus: „Ulm hat eine ziemlich gute Quote, wenn es darum geht, Spieler auf das nächste Level zu heben.“ Beispiele dafür hat der 44-Jährige zur Genüge parat: Daniel Theis, Per Günther, Robin Benzing, Augustine Rubit, Braydon Hobbs und nun vor allem Will Clyburn.