Berlin Basketball-Finale München - Berlin: Titel wird zur Nebensache

Bayern-Trainer Svetislav Pesic hat schwere Vorwürfe Richtung Alba Berlin erhoben und wird dafür auch von der Basketball-Bundesliga bestraft werden.
Bayern-Trainer Svetislav Pesic hat schwere Vorwürfe Richtung Alba Berlin erhoben und wird dafür auch von der Basketball-Bundesliga bestraft werden. © Foto: Eibner
Berlin / SID/DPA 18.06.2014
Das Projekt der Basketballer des FC Bayern München steht kurz vor der Vollendung. Doch statt vom Meistertitel reden vor dem vierten Finale in Berlin alle von der Schlammschlacht, die sich die Klubs liefern.

Steffen Hamann war sich ziemlich schnell ziemlich sicher. "Ich glaube, dass wir nicht mehr im Audi Dome spielen müssen", prophezeite der Kapitän der Bayern-Basketballer nur Minuten nach Spiel drei der Finalserie. Heißt: Die Münchner planen fest damit, ihren ersten Meistertitel seit 1955 bereits in Partie vier am Mittwoch bei Alba Berlin (19.30 Uhr/Sport1) einzufahren und nicht auf eine fünfte Begegnung in heimischer Halle angewiesen zu sein.

Bis dahin ist es aber noch ein ordentliches Stück Arbeit, das mussten die Bayern in ihrem ersten Spiel in Berlin bereits feststellen. 95:81 hatte Alba vergangene Woche gewonnen und dabei vor über 12.000 Zuschauern vor allem mit einer starken Offensivleistung geglänzt. Nach drei Heimsiegen in den bisherigen drei Partien der Serie best of five ist ein fünftes Spiel am Sonntag in München deshalb ganz und gar nicht unwahrscheinlich. Das glaubt auch Alba-Trainer Sasa Obradovic. "Wir stehen jetzt vor der Aufgabe, es in eigener Halle besser zu machen. Aus Spiel zwei wissen wir, wie es funktioniert. Wir müssen es nur erneut umsetzen", sagte der Serbe.

Die Berliner Anhänger und den Großteil der deutschen Basketball-Fans würde eine fünfte Begegnung sicher freuen, denn was die beiden besten Mannschaften des Landes bisher zeigten, war Werbung für den Sport: Drei Spiele von höchster Intensität, körperlich stets an der Schmerzgrenze und mit reichlich Gesprächsstoff auf und vor allem neben dem Platz. "Es wäre für mich am schönsten, wenn es fünf Spiele geben würde", sagt sogar Jan Pommer, Geschäftsführer der Basketball Bundesliga (BBL).

Jüngster Höhepunkt der immer heftiger ausartenden Schlammschlacht war die Verbal-Attacke von Bayern-Trainer Svetislav Pesic und seinem Sohn Marko, Geschäftsführer bei den Süddeutschen. Ziel der Wutrede: Alba-Geschäftsführer Marco Baldi, der nach Ansicht der Münchner seine Doppelfunktion als Alba-Geschäftsführer und Vizepräsident der Bundesliga massiv missbraucht. "Er soll aufhören, Ausreden zu finden, und den Verein lieber weiter nach vorne bringen", verkündete Pesic. Irgendwer sei immer schuld daran, "dass es Marco Baldi nicht gelungen ist, Titel zu gewinnen". Der 52-Jährige, der bei Alba lange mit Pesic zusammengearbeitet hatte, führe eine "Kampagne" gegen München und sei undankbar.

Pesic junior legte nach: "Ein Präsidiums-Mitglied der Bundesliga kann sagen, was es will, Schiedsrichter bestimmen und so weiter, und es gibt keine Konsequenzen." Baldi hatte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern wollen: "Was ich ihm zu sagen habe, das werde ich ihm direkt und persönlich sagen, wenn er denn Lust dazu hat."

Vater und Sohn Pesic droht nun ein Nachspiel. "Ich kann mir schwer vorstellen, dass es keine Strafe geben wird", sagte BBL-Geschäftsführer Pommer am Dienstag in Bonn: "Man kann sich mal missverständlich ausdrücken, aber hier liegt das anders." Zuvor hatte die Liga alle Vorwürfe eines Amtsmissbrauchs von Baldi bereits zurückgewiesen.

Klar ist aber, dass die ohnehin schon während der ganzen Serie hitzige Stimmung vor dem vierten Spiel weiter aufgeheizt ist. Und nun müssen die Bayern in die Hauptstadt, wo sie bei den Fans ohnehin verhasst sind. Beim ersten Match im Herbst 2013 kam es zur "Kreuz-Debatte", nachdem Anhänger ein Trikot des nach München gewechselten Heiko Schaffartzik mit der Aufschrift "Verräter" auf zwei gekreuzte Plastikstangen aufgehängt hatten. Diese Vorlage nahm Pesic nach dem Sieg zum 2:1 in der Serie dankend auf und stichelte mit einem Verweis auf die sieben Meistertitel, die er und sein jetziger Assistent Emir Mutapcic den "Albatrossen" beschert hatten: "Du kannst 100.000 Kreuze aufstellen, aber die Geschichte und unsere Resultate bleiben."

Die nächste Eskalationsstufe im Streit der beiden Klubs könnte am Mittwoch folgen. Schade wäre es, wenn die Nebengeräusche am Ende das sportlich so starke Finale überlagern.

Alle Spiele der Basketball-Bundesliga werden live gezeigt - Free-TV-Partner noch offen

Neues Zeitalter Für die Basketball Bundesliga (BBL) soll ein neues Medienzeitalter beginnen. Die BBL hat sämtliche Medienrechte für die kommenden vier Spielzeiten bis 2017/18 an die Deutsche Telekom vergeben. "Es ist ein historischer Tag. Wir haben die beste Medienrechte-Situation aller Zeiten", sagte BBL-Geschäftsführer Jan Pommer. "Mehr Basketball geht nicht. Das ist eine neue Dimension." Basketball-Fans können von der Saison 2014/15 an alle 306 Bundesligaspiele der Hauptrunde, alle Playoff-Partien, die Pokal-Begegnungen sowie den Champions Cup (Meister gegen Pokalsieger) live sehen. "Das ist ein großer Schritt, der dem Basketball in Deutschland insgesamt sehr gut tut", meinte Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball-Bundes (DBB).

Eine Partie im Free-TV Die Übertragungen sind im Fernsehen, auf Smartphone, Tablet oder PC zu empfangen. Eine Ligapartie pro Spieltag soll im Free-TV angeboten werden, wofür noch ein Sender gesucht wird. Für Telekom-Kunden ist das Angebot kostenlos, andere Basketball-Interessierte können ein Abo für monatlich weniger als zehn Euro erwerben.

Deutlich verbessert Über das finanzielle Volumen des vierjährigen Vertrages wurde Stillschweigen vereinbart. "Man kann aber davon ausgehen, dass wir uns deutlich verbessert haben", erklärte Pommer. 

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