Basketball Auftakt mit leichten Wacklern

Nicht ganz so oft wie sonst konnten die Merlins erfolgreiche Dreier bejubeln. Gegen Hanau versenkten sie 9 von 29 Dreiern (31 Prozent). Im Schnitt treffen Griffin und Co. 40 Prozent.
Nicht ganz so oft wie sonst konnten die Merlins erfolgreiche Dreier bejubeln. Gegen Hanau versenkten sie 9 von 29 Dreiern (31 Prozent). Im Schnitt treffen Griffin und Co. 40 Prozent. © Foto: Steffen Förster
Ilshofen / Joachim Mayershofer 09.04.2018

An kleinen Gesten und Gesichtsregungen der Spieler, Trainer, Betreuer und Fans bei der Spielervorstellung merkte man gestern Abend in der Arena, dass kein normales Hauptrundenspiel mehr ansteht. Patrick Flomo lief bei seinem Spurt mit den zu Adlerschwingen ausgebreiteten Armen noch tiefer als sonst ein und sprang am Ende noch höher als für gewöhnlich. Trainer Tuomas Iisalo schloss die Augen, nickte dreimal mit dem Kopf zum Takt der Einlaufmusik und genoss die Atmosphäre. Die Fans schrien die Namen der Spieler in der Starting Five noch lauter als sonst. Sie feierten die Vertragsverlängerung des Coaches mit frenetischen „Iisalo, Iisalo“-Rufen, die dem Finnen sichtlich einen Kloß im Hals bescherten. Und Gästeakteur Adom Jacko musste sich schon vor der Partie gellende Pfiffe der Zuschauer anhören, die seinen unsportlichen Fußtritt im Rück­rundenspiel gegen Philipp Neumann nicht vergessen hatten. Diese besondere Zuwendung genoss der Akteur mit den Rastas die gesamte Partie hindurch.

Smith fehlt mit Fersenprellung

Sowohl Iisalo als auch sein Hanauer Gegenüber Simon Cote mussten auf je einen Spieler verzichten: Merlins-Guard Michael Smith musste doch noch einmal mit einer Fersenprellung aussetzen, bei den Gästen fehlte Center Josef Eichler, dessen linker Fuß aufgrund eines drohenden Ermüdungsbruchs in einem Gipsschuh aus Plastik steckte.

Zwei Dreier von Sebastian Herrera und ein artistischer Korbleger von Frank Turner sorgten früh für eine 8:0-Führung, durch die die Zuschauer auf den Rängen sofort voller Feuer dabei waren. Auch das gute Dutzend mitgereister Gästeanhänger trug mit vier Trommeln seinen Teil zur guten Stimmung bei. Beim 13:2 nach einem Dreier von Konrad Wysocki nahm Simon Cote schon die erste Auszeit bei noch 7.26 Minuten zu spielen. Sherman Gay erhöhte zwar noch auf 15:2, aber danach blieben die Merlins mehr als fünf Minuten lang ohne Punkt und waren völlig aus dem Rhythmus, trafen gut herausgespielte Würfe freistehend nicht in den Korb. Die White Wings verkürzten mit einem 11:0-Lauf und einem Dreier von Luquon Choice auf 13:15. Bei 2.04 Minuten auf der Uhr nahm Tuomas Iisalo die dringend benötigte Auszeit. Aus dieser kommend, traf Frank Turner einen Dreier zum 18:13, letztlich ging es mit 20:15 in die Viertelpause.

Im zweiten Abschnitt blieben die Gäste gallig und erarbeiteten sich nach 3.50 Minuten einen Vorsprung von einem Punkt (28:27). Iisalo musste wieder eine Auszeit beantragen, um seine Spieler neu einzustellen. Er schickte wieder seine erste Fünf aufs Feld mit Turner, Gay, Herrera, Wysocki und Michael Cuffee. Den Drei-Punkte-Rückstand knabberten die Merlins auf, angetrieben von ihrem Center-Biest Sherman Gay: Er versenkte zwei Freiwürfe, blockte Lavon Long, krallte sich einen Steal – und Chase Griffin, der von außen bis dato kalt geblieben war, sorgte mit einem Floater für das 33:32. Auszeit Hanau. Die Halle bebte erneut. Gay wurde nun immer häufiger unter dem Korb gesucht, sorgte mit seinen elf Zählern (perfekt mit fünf von fünf aus dem Feld) allein im zweiten Viertel maßgeblich dafür, dass es mit 43:37 in die Halbzeit ging.

„Wir haben eine Reihe guter Chancen nicht gemacht und uns vielleicht zu sehr auf der Anfangsführung ausgeruht“, sagte Ingo Enskat, der sportliche Leiter der Merlins, in der Pause. „Das ist tückisch. Wir haben dann zu wenig gemacht und den Vorsprung unnötig verspielt. Man muss den Abstand zumindest halten und nicht hergeben, das darf nicht sein“, monierte Enskat. Vor allem die Dreier wollten bei den Merlins nicht fallen. Griffin (0/4), Cuffee (0/3) und Bogdanov (0/2) blieben glücklos, Herrera (2/2), Turner (1/3) und Wysocki (1/3) sorgten für die vier Dreier bei insgesamt 17 Merlins-Versuchen.

Kurz nach Wiederbeginn musste Iisalo seinen Center Sherman Gay nach dessen viertem Foul auf die Bank holen. Beim Gegner musste Chase Adams mit vieren die meiste Zeit von draußen zusehen. Der für Gay in die Partie gekommene Philipp Neumann baute mit einem Drei-Punkt-Spiel die Führung wieder auf zehn Zähler aus. Herrera, Cuffee und Wysocki trafen ebenfalls, und es hieß nach fünf Minuten im dritten Viertel 57:39. „Free the Beast“-Rufe schallten während der Auszeit, die Hanau genommen hatte, durch die Halle. Nach dem Zwischenspurt war das Nervenkostüm der Merlins-Fans, die eventuell an das letztjährige frühe Aus in den Play-offs gedacht hatten, doch beruhigter. Ein von den Schiedsrichtern erst gegebenes, dann wieder zurückgenommenes unsportliches Foul von Paul Albrecht erregte die Gemüter der Merlins nur kurz. Als die White Wings 2.24 Minuten vor Viertelende auf elf Punkte verkürzten (48:59), bat Tuomas Iisalo wieder zur Auszeit. Sebastian Herrera blieb mit einem Dreier heiß von außen. Till-Joscha Jönke (16) hielt bei den Gästen vehement dagegen, war zusammen mit Christopher Brady (17) erfolgreichster Korbjäger der Hanauer. Als Wysocki kurz vor Viertelende einen Dreier mit Foul traf und auch den Freiwurf versenkte, hieß es 69:52. Jacko, der das Foul begangen hatte, wurde mit einem hämischen Pfeifkonzert auf die Bank verabschiedet.

Zwei Spieler mit fünf Fouls

Beim 74:56 grinste Derrick Marks nach einem tollen Block gegen Jönke Richtung Merlins-Bank, auch die Spieler waren sich da schon sicherer, dass der erste Sieg im Viertelfinale nicht mehr weit entfernt war. Dass Sherman Gay nach drei Minuten im vierten Viertel mit fünf Fouls nicht mehr aufs Parkett durfte, blieb nur eine Randnotiz beim 87:71-Sieg. Aufgrund seiner frühen Foulprobleme kam der in der ersten Hälfte überragende Gay nur auf 13 Punkte. Auch Martin Bogdanov musste nach fünf Fouls die letzten beiden Minuten zusehen. Am konstantesten über die gesamte Spielzeit agierte gestern Sebastian Herrera, der mit 19 Punkten bester Korbjäger der Zauberer war.

„Ich nehme viele positive Dinge ins zweite Spiel mit. Vor allem der Kampf- und Teamgeist meiner Mannschaft hat mir gefallen. Ich bin sehr stolz auf unseren Kampf“, sagte Simon Cote. Wenn man allerdings nur drei Dreier treffe, sei es schwer, gegen das beste Dreier-Team der Liga zu gewinnen. Tuomas Iisalo erklärte, dass es genau das erwartet schwere Spiel gewesen sei. „Hanau macht das Spiel langsam, wir wollen es schnell machen“, beschrieb er die verschiedenen Spielstile. „Wir wurden heute wirklich sehr stark gefordert. Es wird immer Läufe und Schwierigkeiten geben, das hat die Partie heute gezeigt.“

Die Merlins führen in der Best-of-Five-Serie damit 1:0. Drei Siege sind zum Weiterkommen ins Halbfinale nötig. Das nächste Spiel steht schon am Mittwoch, 11. April, auf dem Programm. Das zweite Viertelfinale beginnt um 19.30 Uhr in Hanau. Das zweite Heimspiel folgt dann am Samstag, 14. April, um 19.30 Uhr in der Arena Hohenlohe in Ilshofen.

Info Viertelfinale: Köln – Karlsruhe 67:85 (0:1), Vechta – Hagen 104:76 (1:0), Heidelberg – Trier 86:83 (1:0)

So spielten sie

Crailsheim – Hanau

87:71

Crailsheim: Wysocki (12 Punkte, 9 Rebounds, 5 Assists, 3 von 6 Dreier), Cuffee (7, 10 Rebounds), Turner (11, 6 Assists), Gay (13), Herrera (19, 3 Rebounds, 4 Assists, 3 von 3 Dreier), Griffin (9), Jost (5), Marks, Neumann (9), Bogdanov (2), Flomo

Hanau: Adams (10), Jacko (4), Albrecht (4, 6 Rebounds), Jönke (16, 5 Assists), Choice (12, 6 Rebounds), Long (2), von Fintel (2), Brady (17), Herold (4), Nicolay

Viertel: 20:15, 23:22, 26:15, 18:19
Rebounds: 40:36
Assists: 29:16
Dreier: 9/29 : 3/18
Feldwürfe: 32/66 : 24/61