Ulm Akkordarbeit an der Massagebank

787|998|Unbekannt|Andreas Lacher Physiotherapeut Ratiopharm Ulm Basketball ...
787|998|Unbekannt|Andreas Lacher Physiotherapeut Ratiopharm Ulm Basketball ... © Foto: REICHELT_M
SEBASTIAN SCHMID 23.05.2015
In den Playoffs hat Andreas Lacher alle Hände voll zu tun. Als Physiotherapeut bei Ratiopharm Ulm muss er schauen, dass die Basketballer möglichst schnell fit werden. Viel Zeit bleibt ihm dafür nicht.

Dass die Playoff-Serie gegen die Telekom Baskets Bonn für die Basketballer von Ratiopharm Ulm Schwerstarbeit war, haben nicht nur die Spieler und die Trainer erfahren müssen. Auch die medizinische Abteilung des Bundesligisten, bestehend aus den beiden Team-Ärzten Dr. Daniel Dornacher und Dr. Tugrul Kocak sowie dem Physiotherapeuten Andreas Lacher, war in der fünf Spiele andauernden Viertelfinal-Serie mit dem glücklichen Ende für Ulm vollauf gefordert. Bis zum ersten Halbfinale heute (20.30 Uhr/Sport1) bei den Brose Baskets Bamberg hatte Lacher gerade einmal zwei volle Tage Zeit, um alle angeschlagenen Spieler fit zu bekommen. Thorsten Leibenath ist zuversichtlich, dass sein Physiotherapeut dabei einen guten Job gemacht hat. "Ich gehe davon aus, dass wir in voller Besetzung antreten können", sagte der Ratiopharm-Trainer gestern vor der Abfahrt nach Bamberg.

Lacher, der wie der Rest des medizinischen Teams im Rehabilitations-Krankenhaus Ulm (RKU) angestellt ist, steht den Basketballern rund um die Uhr zur Verfügung und ist bei jedem Spiel sowie jeder Trainingseinheit dabei. Angesichts des engen Spielplans stellt der "Physio" klar: "Das ist auch das Einzige, was Sinn macht." In den Playoffs geht es auch für den 45-Jährigen noch einmal anders zur Sache. "Man merkt, dass die Spiele physischer als normale Partien sind", sagt Lacher. Die Zahl an Hämatomen und Pferdeküssen steigt merklich an. In Bonn musste er zudem bei Per Günther und Philipp Schwethelm "großflächige Blutungen stoppen", weil die Ulmer in die Werbebanden gerasselt sind. "Die LED-Banden sind wie Reißbretter", sagt Lacher.

Ansonsten muss er zwischen den Partien, wenn nichts akutes passiert, hauptsächlich muskuläre Probleme behandeln. Wärme und Massagen helfen im Normalfall. Die meiste Arbeit wartet vor dem Spiel auf Lacher. Eineinhalb Stunden vor dem Sprungball kommen die Spieler in die Arena. "Da ist kurz Akkordarbeit angesagt. In drei Minuten muss dann ein Sprunggelenk getapt sein", berichtet Lacher. Pro Partie benötigt er 15 Rollen Tape-Verband.

Dafür, dass sich Schwethelm wegen der hohen Belastung mit Nationalmannschaft und Verein dafür entschieden hat, nie mehr für Deutschland aufzulaufen, hat der Physiotherapeut Verständnis. Wenn man wie Ulm in den Playoffs spielt, geht die Bundesliga-Saison bis Anfang, Mitte Juni. Kurz danach steht der erste Lehrgang mit der Nationalmannschaft an. Zeit zur Erholung bleibt da kaum.

Zur Regeneration setzen die Ulmer auf das seit der Fußball-WM 2014 deutschlandweit bekannte Eisbad. Nach dem Achtelfinal-Sieg gegen Algerien hatte Verteidiger Per Mertesacker in einem Interview angekündigt, sich "drei Tage in die Eistonne zu legen". Auch sein Namensvetter Günther und dessen Team-Kollegen setzen auf das eiskalte Bad zur Regeneration - allerdings keine drei Tage lang.