Basketball „Mannschaft hat mehr Feuer als letzte Saison“

Merlins-Spielmacher Frank Turner ist statistisch gesehen der dritteffektivste Akteur der Pro A. Auf Platz 1 findet sich sein Mannschaftskollege Sherman Gay.
Merlins-Spielmacher Frank Turner ist statistisch gesehen der dritteffektivste Akteur der Pro A. Auf Platz 1 findet sich sein Mannschaftskollege Sherman Gay. © Foto: Steffen Förster
Crailsheim / Joachim Mayershofer 07.04.2018

Viele Merlins-Fans haben noch die vergangene Saison im Hinterkopf, als die Crailsheimer Basketballer eine grandiose Hauptrunde gespielt hatten, aber als Tabellenzweiter gegen den Siebten aus Gotha in der ersten Play-off-Runde überraschend die Segel streichen mussten (1:3). Gotha spielt inzwischen in der BBL und die Merlins haben erneut eine herausragende Spielzeit in der zweiten Bundesliga hingelegt. Wieder gehen sie von Platz 2 aus ins Aufstiegsrennen und treffen morgen (18 Uhr) im ersten Spiel des Viertelfinales auf die White Wings aus Hanau.

In der Arena Hohenlohe in Ilshofen standen sich beide Mannschaften erst am 24. März gegenüber, die Hausherren siegten deutlich mit 91:63. Auch das Vorrundenspiel hatten die Merlins gewonnen, allerdings um einiges knapper (82:78). Nach der Pressekonferenz des zweiten Aufeinandertreffens scherzten die beiden Trainer Tuomas Iisalo (Crailsheim) und Simon Cote (Hanau) noch darüber, dass sie sich wohl erst im Finale wieder gegenüberstehen werden. Alles schien darauf hinauszulaufen, dass die White Wings Platz 8 belegen würden, aber am letzten Spieltag der Saison schoben sie sich noch auf Rang 7 vor. „Dass wir überhaupt in den Play-offs stehen, ist für uns ein absoluter Bonus“, sagte der Ex-Merlin und Jetzt-Hanauer Jonas Herold nach dem Spiel in seiner alten Heimat.

Höher gewettete Teams raus

„Hanau hat sich den siebten Platz hart erarbeitet und verdient“, sagt Ingo Enskat, der sportliche Leiter der Merlins. „Sie sind damit besser als Hagen, Hamburg, Chemnitz oder Kirchheim. Alles Mannschaften, die vor der Saison weit vor Hanau erwartet wurden.“ Enskat betont allerdings selbstbewusst: „Wir sind Zweiter und der Favorit. Das haben wir uns hart erarbeitet.“ Natürlich könne diese Rolle eine Bürde sein, aber man könne stolz auf die bisherige Saison und das Geleistete zurückblicken. „Wir haben keinen Grund, uns vor irgendjemandem zu fürchten.“

Klar sei aber auch: Mit Platz 2 nach der Hauptrunde sei der Aufstieg noch nicht sicher, wie man in der vergangenen Saison leidvoll erfahren habe. In den Play-offs gehe es wieder bei Null los. „Basketballerisch beginnt jetzt der beste Monat des Jahres“, freut sich Enskat. „Es gibt keine unwichtigen Spiele mehr. Auch mit einer 2:0-Führung ist man noch nicht durch.“

Könnte es erneut zu einer negativen Überraschung aus Sicht der Merlins kommen? Theoretisch sei das natürlich möglich, weil „Hanau absolut nichts zu verlieren“ habe, sagt Ingo Enskat. Gleichzeitig führt er aber viele Gründe auf, warum es in diesem Jahr nicht so weit kommen werde wie im vergangenen. „Die Mannschaft hat mehr Feuer als letzte Saison.“ Und nicht nur die: Auch Trainer Tuomas Iisalo zeige heuer viel mehr Emotionalität, freut sich der sportliche Leiter. „Wir haben eine sehr gute Mannschaft zusammengestellt. Es sind gute Jungs, die sich untereinander verstehen. Ich mag die Charaktere. Wenn wir im Bus unterwegs sind und ich mich umschaue, muss ich oft einfach lächeln – das war nicht immer so.“

Man habe sich mit den Vorerfahrungen der letztjährigen Play-offs natürlich gefragt, was man jetzt zum Start der Aufstiegsrunde im Vergleich zur Hauptrunde ändern müsse. „Aber es gibt keine Dinge, die wir auszusetzen haben“, erklärt Enskat. Imponiert habe ihm an der Mannschaft in dieser Saison, dass sie auf unterschiedliche Situationen meist die passende Antwort gehabt habe. Gegen physisch starke Teams habe man physisch dagegengehalten, gegen offensiv starke offensiv. Wenn man mit 25 Punkten vorne lag, habe man nicht nachgelassen wie vergangenes Jahr, „wo wir so ein Spiel vielleicht dann mit acht Punkten gewonnen haben“, sondern bis zum Schluss konzentriert weiter gespielt. „Damals haben wir ein solches Spiel ausklingen lassen, heuer haben wir es bis zum Schluss voll durchgezogen.“ Und gegen starke Gegner habe man den Schalter immer noch einmal umlegen und sich steigern können.

„Letztes Jahr kam es mir so vor, als habe die Mannschaft das erste Play-off-Spiel einfach als Saisonspiel Nummer 31 gesehen. Aber die jetzige muss am Sonntag so ins Spiel gehen, als ob es das erste Spiel ist. Jetzt zählt’s! Wir brauchen Emotionen, Feuer, Leidenschaft und müssen fokussiert sein. Wir haben genau die richtigen Charaktere im Team, die das wissen, die richtigen Impulse setzen und noch eine kleine Schippe drauflegen werden.“

Fit sind alle Spieler, auch die, die zuletzt gegen Chemnitz pausieren mussten. Derrick Marks hat seine Magen-Darm-Erkrankung überstanden, Michael Smith seine Fersenprellung auskuriert – und auch Spielmacher Frank Turner, der Augenprobleme hatte, ist wieder einsatzfähig. Letzterer bildet zusammen mit Center Sherman Gay vielleicht das beste Duo, das jemals für die Crailsheim Merlins aufgelaufen ist. Blickt man auf die offiziellen statistischen Werte der Pro A, ist Gay (14,8 Punkte, 6,5 Rebounds und 1,9 Blocks pro Spiel) der effektivste Spieler der Liga, Turner (14,1 Punkte, 6,7 Assists und zwei Steals pro Partie) folgt auf Platz 3.

Spiel endet statistisch 90:75

Betrachtet man die gesamte Mannschaft und zieht Vergleiche zu den anderen Pro-A-Teams, so führen die Merlins auch hier die Klasse in verschiedenen Kategorien an: Sie erzielen die meisten Punkte pro Spiel (90,4), verteilen die meisten Assists (24,3) und treffen von der Dreipunktlinie am genauesten (40 Prozent). Viertelfinalgegner Hanau kommt in diesen drei Kategorien auf folgende Werte: Punkte (75,4), Assists (15,8) und Dreier (36,4 Prozent).

Auffälligster Akteur der Hanauer ist ohne Zweifel Shooting Guard Till-Joscha Jönke, der sein Team gleich in drei wichtigen Statistiken anführt: Er erzielt pro Spiel die meisten Punkte (14,3), Assists (5,2) und Rebounds (5,7) für die White Wings Hanau. Unterstützt wird er von seinen Rückraumkollegen Luquon Choice (13,4 Punkte) und Chase Adams (11,7 Punkte). Letzterer ist zusammen mit Ex-Merlin Craig Bradshaw (Karlsruhe) in einer Kategorie ligaweit spitze: Die beiden besten Balldiebe der Pro A greifen sich 2,1 Steals pro Partie.

Info Karten für das Spiel am Sonntag gibt es unter www.crailsheim-merlins.de, im Shop unserer Zeitung und auch noch an der Abendkasse. Zu sehen ist es auch online unter www.airtango.live.

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Spiele haben die Crailsheim Merlins in der Zweitliga-Hauptrunde 2017/18 gewonnen und nur drei verloren. Damit haben sie ihren Pro-A-Vereinsrekord aus dem Vorjahr (25 Siege, 5 Niederlagen) gebrochen.

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