Wenn ein Coach nach nur 41 gespielten Sekunden schon eine Auszeit anberaumt und die Seinen gehörig ins Gebet nimmt, muss ihm etwas mächtig gegen den Strich gehen. Ein Ballverlust und ein offener Dreier der Gäste aus Würzburg waren es in diesem Fall, die Tuomas Iisalo zur Tat schreiten ließen. Mehr Fokussierung und Engagement in der Crailsheimer Defense. Das hat der Coach eingefordert. Geholfen hat die Ansprache unmittelbar nach Beginn des dritten Viertels (37:48) freilich nicht. In der Folge fanden die Hausherren überhaupt keinen Rhythmus und brachten minutenlang nur einen Freiwurf von Philipp Neumann zustande, der mit 9 Punkten und 9 Rebounds knapp an einem Double/Double vorbeischrammte.

Die Gäste aus Mainfranken, begleitet von zahlreichen rot gekleideten Fans, die sie in der brechend vollen Arena Hohenlohe lautstark anfeuerten, drehten hingegen auf und zogen auf vorentscheidende 38:65 davon. Skyler Bowlin war das in erster Linie geschuldet, der allerdings auch ohne allzu energische Gegenwehr dreimal von jenseits der Dreierlinie erfolgreich war. Für die Merlins gab Konrad Wysocki in den Schlussminuten des dritten Abschnitts die passende Antwort, versenkte ebenfalls drei Dreier und nährte vor dem finalen Viertel (53:68) noch einmal die Hoffnung auf einen möglichen Heimerfolg. Die sollte freilich schnell wieder verfliegen.

„Immer einen Schritt hinterher“

Dreier ist auch das entscheidende Stichwort für den Spielbeginn. Würzburg traf im ersten Viertel 83 Prozent, die Gastgeber nur 31, sie blieben gänzlich ohne Korb­erfolg mittels Zwei-Punkte-Würfe (vier Dreier, zwei Freiwürfe). Wobei sie den Ball durchaus gekonnt bewegten, um den freien Mann zu finden. Doch das Spielgerät wollte nicht durch die Reuse flutschen. „Wir haben viele machbare Würfe nicht getroffen. So ist das manchmal“, befand Iisalo in seiner Nachbetrachtung. „Wir waren immer einen Schritt hinterher und einen zu langsam.“ Neben den Dreierwerfern machte Gabriel Olaseni (Nummer 0) den Merlins unter dem Korb das Leben schwer und erzielte seine sämtlichen elf Punkte in diesem Abschnitt.

Im zweiten Viertel lief es in der Defense besser. Die Hakro Merlins verkürzten durch Frank Turner, Philipp Neumann, Shermann Gay und Ben Magen. Sein Dreier brachte die Zauberer beim 34:39 wieder auf Schlagdistanz und die Arena auf Betriebstemperatur. Würzburg machte jetzt mehr Fehler, profitierte dann allerdings von zwei Dreiern der Marke „die trifft man nicht alle Tage“ unmittelbar vor der Pause, sodass es mit einem Rückstand von elf statt durchaus möglichen fünf Punkten zum Verschnaufen und Besprechen ging. Ingo Enskat, Crailsheims Sportlicher Leiter, vermisste einen „ richtigen Lauf“ und sah „zu viele einfache Fehler, die sich letztlich summieren“ aufseiten der Gastgeber.

Ilshofen

Durchhänger nach der Pause

Die zweite Halbzeit war in den Augen von Gästecoach Denis Wucherer „dann über weite Strecken souverän“, mit der geschilderten Vorentscheidung im dritten Viertel. In den Schlussabschnitt starteten die Zauberer mit 15 Punkten Rückstand (53:68). Würzburg begann sehr konzentriert. Die Hakro Merlins konnten nur reagieren, statt selber Akzente zu setzen. Die blieben den Mainfranken vorbehalten, die insbesondere durch Florian Koch und Cameron Wells wichtige Punkte verbuchten und keine Zweifel mehr an der Kräfteverteilung an diesem Abend aufkommen ließen. Die Merlins schafften es nicht, das Blatt noch zu wenden.

Ein Extralob hatte Tuomas Iisalo parat „für die Jungs, die zum Teil von der Bank gekommen sind, am Ende gekämpft und nicht die Kontrolle verloren haben“. Unter anderem traf Joschka Ferner, neben Reggie Arnold, von der Dreierlinie. „Wir haben es nie geschafft, die Würzburger wirklich zu stoppen. Sie haben viele einfache Würfe bekommen. Bei uns war vieles zu langsam und berechenbar“, bilanzierte ein sichtlich frustrierter Konrad Wysocki nach Spielende. „Mit einer Leistung, wie sie die Mannschaft heute gezeigt hat, kann man in der BBL nicht gewinnen. Wir haben nie richtig ins Spiel gefunden. Immer, wenn wir ein, zwei gute Aktionen hatten, traf Würzburg einen schweren Wurf oder hat physisch zugelegt. Wir müssen daran ­arbeiten, die Tugenden, die wir bei den Siegen gegen Frankfurt und Braunschweig gezeigt und die uns stark gemacht haben, wieder abzurufen“, sprach Ingo Enskat in der Nachbetrachtung Klartext.

Nach zwei Siegen in Folge haben die Hakro Merlins die Möglichkeit verpasst, sich mit einem weiteren Erfolg ein kleines Plus in der Tabelle gegenüber dem Konkurrenztrio zu verschaffen. So liegt das Quartett am Tabellenende nach (jeweils drei) Siegen gleichauf.

Der Spielplan hält für die Crailsheimer jetzt in Folge nacheinander exakt die drei Gegner parat, mit denen sie es zuletzt zu tun hatten. Dabei geht die Reise am Sonntag zunächst zum Rückspiel nach Braunschweig, ehe die Fraport Skyliners aus Frankfurt am Sonntag, 3. Februar, in der Arena Hohenlohe ihre Aufwartung machen. Im Anschluss steht schon das Rückspiel in Würzburg auf dem Tableau.

Das könnte dich auch interessieren:

Ilshofen

So spielten sie


Crailsheim – Würzburg

69:87

Crailsheim: Russell (1; 8 Assists), Madgen (13; 3 Dreier), Turner (11; 1 Dreier), Herrera (3), Wysocki (12, 4 Dreier), Neumann 9 (9 Rebounds), Ferner (3, 1 Dreier), Arnold (7; Dreier), Cuffee (3, 1 Dreier), Gay (7), Urbansky.

Würzburg: Olaseni (13), Hulls (12, 4 Dreier), Buck, Richter (6), Cooks (4, 1 Dreier), Bowlin (16; 4 Dreier), Koch (9, 1 Dreier), Wells (18), Morrison (4), Hoffmann (3, 1 Dreier), Loesing (2).

Viertel: 14:28/23:20/16:20/16:19


Rebounds: 28:39


Assists: 22:24


Dreier: 11:11


Steals: 12:7


Turnovers: 16:18