Basketball "Keinen Grund sich auszuruhen"

Nach der erfolgreichen Saison für das Team Ehingen Urspring kann sich Trainer Domenik Reinboth nicht ausruhen. Der Headcoach steckt derzeit mitten in der Kaderplanung für die kommende Spielzeit in der 2. Basketball Bundesliga ProA.
Nach der erfolgreichen Saison für das Team Ehingen Urspring kann sich Trainer Domenik Reinboth nicht ausruhen. Der Headcoach steckt derzeit mitten in der Kaderplanung für die kommende Spielzeit in der 2. Basketball Bundesliga ProA. © Foto: Dave Stonies
Ehingen / FLORIAN ANKNER 01.06.2016
Bereits in seinem ersten Jahr wurde Trainer Domenik Reinboth mit dem Team Ehingen Urspring Meister. Doch drauf will er sich nicht ausruhen.

Die Saison 2015/16 war nicht nur für das Team Ehingen Urspring eine erfolgreiche, sondern auch für Sie. Sie wurden im ersten Jahr als Headcoach gleich zum Trainer des Jahres gewählt, können Sie die Auszeichnung genießen oder ist das auch eine Bürde?

DOMENIK REINBOTH: Nein eine Bürde ist es auf keinen Fall, sondern wirkliche eine Anerkennung für das, was wir gemacht haben - und da ist auch wirklich das WIR gemeint. Denn als Trainer ist man nur so gut, wie es die Spieler auf dem Feld umsetzen. Es ist für alle eine große Auszeichnung.

Also würden Sie den Titel auch nicht für sich allein in Anspruch nehmen?

REINBOTH: Nein, auf keinen Fall. Ich habe einen spanischen Trainer kennengelernt der hat gesagt, im Basketball sind individuelle Titel eigentlich fehl am Platz, denn es ist ein Teamsport und genau so sehe ich das auch. Dieser Award wird zwar mir gegeben, weil ich vorne stehe, aber eigentlich zeichnet er das ganze Team und das Projekt Ehingen Urspring aus und zeigt, dass wir hier sehr erfolgreich sind mit dem was wir machen.

Sie sagten es bereits. Die Saison war sehr erfolgreich, zwischenzeitlich gab es aber immer wieder Schwächephasen. Was haben Sie gemacht, dass das Team in den Finalspielen den besten Basketball gespielt hat?

REINBOTH: Das war so geplant. Wir haben, anders als vielleicht andere Teams, nicht gesagt, die ersten sechs Wochen bis zum Start der Saison ist die Vorbereitung. Das ging bei uns sogar bis in den Januar mit rein. Da haben wir durchtrainiert und alles gegeben. Erst vor den Playoffs haben wir den Dampf rausgenommen, damit die Jungs den nächsten Schritt machen können und einen Energiepush haben. Und so war es dann auch, sie waren besser und frischer in den Playoffs. Es hätte aber auch nach hinten losgehen können. Da will ich auch unsere medizinische Abteilung hervorheben, sie haben einen super Job gemacht und das nicht nur, wenn mal etwas war, sondern auch im Bereich Prävention und das ist zum Glück auch aufgegangen.

Das hört sich nach ziemlich viel Routine an. Jetzt sind Sie erst Anfang Dreißig. Woher hatten Sie diese Souveränität den Spielern zu verkaufen, dass das der richtige Weg ist?

REINBOTH: Ich denke, ich bin ein jüngerer Trainer, aber kein junger Trainer mehr und das Alter ist dabei nicht unbedingt ausschlaggebend. Ich habe in meiner Laufbahn viel Input bekommen und konnte da schon viel für mich mitnehmen. Sei es als Trainer oder als Spieler, ich habe viel mit guten Trainern zusammengearbeitet und viel abgeschaut. Aber natürlich braucht man auch ein Stück weit Glück, Spieler können sich verletzen und dann sieht alles gleich ganz anders aus.

Was zeichnet Sie als Trainer aus?

REINBOTH: Ich denke, dass ich viel Input will und auch selbst immer noch was lernen möchte. Das bereichert einen und man wird nicht blind von seinem eigenen Weg. Zudem zeichnet mich vielleicht das Konsequente aus und der Wille, besser zu werden. Jeden Tag da sein und Vollgas geben. So sind auch meine Trainings, die funktionieren nur, wenn die Jungs hundert Prozent geben und das muss ich dann aber auch vorleben.

Es gibt einen Spieler, der Sie mit Felix Magath verglichen hat, der ja bekanntlich durch seine harten Trainings bei Spielern gefürchtet ist. Ist das ein Kompliment?

REINBOTH: Ich fordere viel von meinen Spielern, aber ich ziehe da auch voll mit. Ich glaube, nur dann sind die Jungs auch bereit den Schritt mitzugehen und das Resultat, das wir hatten, spiegelt natürlich auch wider, dass es erfolgreich war. Es ist keine Selbstverständlichkeit in der 2. Basketball Bundesliga zu spielen, es ist für mich keine Selbstverständlichkeit Headcoach zu sein und wenn ich mal an dem Punkt bin, dass alles als selbstverständlich anzusehen, dann sollte ich den Hut nehmen. Es ist etwas Besonderes, jeden Tag seiner Leidenschaft nachzugehen und daher sollte man alles dafür geben.

Als es um die Entscheidung ProA oder ProB ging, hatte Nico Drmota mit Ihnen geredet, ob Sie es sich auch zutrauen würden. Mussten Sie lange überlegen, ob Sie es sich zutrauen?

REINBOTH: Um ehrlich zu sein, ich denke jetzt auch noch darüber nach, ob ich es mir zutraue. Ich bin eher der Skeptiker und sehe es immer noch als fraglich an. Ich trau es mir zu, keine Frage, aber es ist keine hundertprozentige Überzeugung. Genau das hält mich aber wachsam. Wir sind jetzt zwar Meister in der ProB geworden, aber das heißt noch lange nicht, dass es so auch in der kommenden Saison klappen wird. Es gibt keinen Grund sich auszuruhen und wir müssen weiter Vollgas geben.

Was ist denn der Unterschied zwischen den beiden Ligen?

REINBOTH: Ich hab schon drei Jahre die ProA miterlebt und dadurch bereits Erfahrung sammeln können und dort ist es viel athletischer und durch die höheren Etats ist es natürlich auch nochmal ein anderes Spielerpotenzial. Das sind Aspekte, die man auch schwer beeinflussen kann, ich kann nur die Spieler einsetzen, die ich habe und da ist die Frage, sind sie so athletisch und treffsicher wie der manchmal übermächtige Gegner. Daher ist jetzt auch die Frage, bekommen wir die Mannschaft zusammen, die wir auch haben wollen.

Hat man da in der jetzigen Phase Angst, die Mannschaft nicht zusammenzubekommen?

REINBOTH: Nein, Angst nicht. Angst ist ein großes Wort. Letztendlich ist es nur Basketball. Es ist ein Sport und davor braucht man keine Angst zu haben. Skepsis und eine Form von Unsicherheit wird man aber immer haben und die gehört auch dazu. Aber Angst und Nervosität ist nicht meins.

Wie sieht Ihr Job die nächsten Wochen aus?

REINBOTH: Im Moment sind wir damit beschäftigt, den Kader für die kommende Saison zusammenzubekommen. Damit haben wir aber nicht erst jetzt angefangen, sondern schon im Januar. Die Idee, wie die neue Mannschaft aussehen soll, haben wir bereits. Jetzt ist die Frage, bekommen wir auch die Spieler, die wir wollen? Es kann sein, dass wir nächste Woche schon alle Spieler haben. Aber das ist unwahrscheinlich. Es kann auch so Laufen wie im letzten Jahr, als wir erst im September Devon Moore verpflichten konnten. Ich hoffe aber, dass es dieses Jahr anders wird.

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