Moment mal, bitte! „Ich ziehe das durch“

Michael Heck beim Training im Schulzentrum West.
Michael Heck beim Training im Schulzentrum West. © Foto: Achim Köpf
Schwäbisch Hall / Hartmut Ruffer 05.11.2016
Michael Heck ist seit Jahrzehnten dem Basketball verbunden. Mit den Haller Flyers trifft er an diesem Samstag auf alte Bekannte.

Eigentlich wollte Michael Heck in dieser Saison nicht mehr in der Halle stehen und Basketball spielen. Doch wie so oft kommt alles ganz anders. Der 45-jährige Routinier ist eine Stütze der Schwäbisch Hall Flyers in der Regionalliga Baden-Württemberg. Dort trifft Hall an diesem Samstag in der Hagenbachhalle auf den SV Möhringen – und auf alte Bekannte. Ex-Flyers-Head-Coach Marian Thede ist nun für den SV verantwortlich, ein weiterer ehemaliger Head Coach, Jurica Puljic, geht für Möhringen auf Korb­jagd.

Herr Heck, welche gemeinsame Vergangenheit haben Sie mit Jurica Puljic und Marian Thede?

MICHAEL HECK: Mit Jurica bin ich mit den Merlins in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Als ich nach Crailsheim kam, war Marian noch ein halbes Jahr Trainer. Prinzipiell mag ich es, wenn ich den kommenden Gegner kenne. Aber im Endeffekt geht es auch gegen Möhringen „nur“ um zwei Punkte. Und die wollen wir holen – egal, wer der Gegner ist.

Jurica Puljic war während seiner Haller Zeit als Trainer unumschränkt der Kopf der Mannschaft. War er das auch als Spieler?

Ja, er war immer sehr dominant auf dem Feld – und ist heute immer noch einer der besten Schützen der Liga. Jurica ist eine Führungspersönlichkeit. In einer gut funktionierenden Mannschaft gibt es in der Regel immer ein paar Ältere, die aufgrund ihrer Erfahrung das Spiel lenken können.

Die Flyers haben in Haiterbach deutlich verloren. Was ging schief?

Oh je. Im ersten Viertel haben wir noch getroffen, da hat alles funktioniert. Dann kam ein Fehlwurf nach dem anderen, wir haben die Balance nicht mehr gefunden. Im Prinzip war es ein übles Draufgeballere. Zwar kamen wir gegen Ende des dritten Viertels noch mal auf acht Punkte ran, haben es aber dann nicht mehr geschafft, das Spiel zu drehen.

Es gibt solche Tage …

Ja, zumal Sascha Kesselring (Spielertrainer von Haiterbach, Anm. d. Red.) gegen uns das erste Mal in der Saison das Trikot angezogen hat. Auch wenn er nicht mehr der Fitteste ist: Eine solche körperliche Präsenz hat keiner von uns.

Wie bewerten Sie insgesamt die bisherige Saison?

(überlegt) Wir hatten eine recht kurze Vorbereitung, gefühlt ging es erst drei Wochen vor Beginn in die Halle. So etwas kann man nicht aufholen. Der Weggang von Dalibor (Cevriz, der zu den Merlins II wechselte, Anm. d. Red.) war auch nicht leicht zu verkraften. Für ganz oben wird es für uns wohl nicht reichen, auch angesichts der vielen starken Zugänge bei den anderen Mannschaften. Man darf nicht vergessen: Wir trainieren vergleichsweise wenig im Gegensatz zu anderen Teams. Jose La Rosa und Ivica Markovic spielen – und gehen danach zur Arbeit. Wir sind nun mal keine Profis. Ich schaffe es vielleicht zweimal in der Woche ins Training, Rado (Cavlin, Mannschaftsführer der Flyers, Anm. d. Red.) auch, aber an anderen Tagen. Wir sind froh, dass wir jetzt immer zehn Mann im Training haben. Das war früher nicht so, deshalb ist das ein Fortschritt.

Betrachtet man die Kader der Teams, fällt auf, dass sich in der 5. Liga prominente Namen tummeln. Ist das Niveau des Basketballs in den vergangenen Jahren gestiegen?

Ja, das glaube ich. Als ich in der vergangenen Saison mit Kupferzell in der Landesliga gespielt habe, war ich manches Mal ob der Qualität der Gegner überrascht. Die hatten ein wahnsinnig gutes Niveau. Das ist auch in der Regionalliga so. Sicher ist auch insgesamt mehr Geld im Umlauf. Aber dank NBBL und JBBL wird der Nachwuchs besser – und das ist auch gut so.

Sie selbst trainieren die männliche U14 und die weibliche U13 der Flyers. War geplant, dass Sie auch bei den Männern zum Einsatz kommen?

Eigentlich hatte ich das nicht geplant. Dann aber kamen Rado und Ottmar (Moser, Vorstand der Flyers, Anm. d. Red.) und fragten, ob ich nicht wolle.

Sie hätten auch Nein sagen können.

Schon klar, aber ich spiele gerne Basketball. Ich hätte zwar nicht erwartet, dass ich gefühlt 35 Minuten spiele, aber wenn ich sage, ich mache es, dann ziehe ich das auch durch. Wenn es mir irgendwann keinen Spaß mehr macht, dann ist es Zeit aufzuhören.

Stimmt es, dass Sie nicht gut sehen können, aber dennoch ohne Brille oder Kontaktlinsen spielen?

(lacht) Ich habe ungefähr fünf Dioptrien, aber „nur“ eine Hornhautverkrümmung. Das heißt, ich sehe überall gleich schlecht, habe aber kein Problem mit dem räumlichen Sehen. Ich habe es mit Kontaktlinsen probiert. Beim Fußball ging das, aber beim Basketball, wo man ständig springen und schnelle Richtungswechsel machen muss, sind mir die Linsen verrutscht. Und eine Brille verschmiert schnell. Deshalb spiele ich lieber ohne.

Da Sie bis zum vergangenen Jahr in Crailsheim trainiert haben, ehe sich dann die Wege wegen persönlicher Differenzen trennten: Wie groß sind die Unterschiede zwischen Flyers und Merlins?

Sie sind schon noch größer. In Crailsheim hat man mehr Trainingseinheiten, auch bei den Jugendteams. Es gibt insgesamt mehr Kinder, die auch die Heimspiele der Männer besuchen und allgemein „basketballverrückter“ sind. Die Trainingszeiten sind kaum beschränkt, weil die Merlins mehr oder weniger eine eigene Halle haben, über die sie frei verfügen können. Zudem gibt es mehrere festangestellte hauptamtliche Jugendtrainer, die meist sieben Tage die Woche in der Halle verbringen. Dies ist nur mit sehr großen finanziellen Mitteln möglich, die den Flyers so nicht zur Verfügung stehen.

Steckbrief Michael Heck

Geburtstag: 1. April 1971
Geburtsort: Ludwigsburg
Wohnort: Crailsheim
Familienstand: verheiratet
Beruf: CNC-Fräser
Hobbys: Basketball, Fußball
Bisherige Stationen: BG Ludwigsburg, BG Karlsruhe, USC Heidelberg, SV Tübingen, SGV Freiberg, Crailsheim Merlins, MTV Stuttgart, Villingen-Schwenningen, TSV Kupferzell, seit 2016 TSG Hall
Größte sportliche Erfolge: Vize-Pokalsieger mit der BG Ludwigsburg, Aufstieg mit den Merlins in die 2. Bundesliga

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