Basketball „Ein Stück weit dürfen wir stolz sein“

Ehingen / Helen Weible 05.04.2018

In der dritten Saison unter Trainer Domenik Reinboth hat die Mannschaft vom Team Ehingen Urspring den Klassenerhalt in der 2. Basketball-Bundesliga ProA nur denkbar knapp verpasst. Jetzt gilt es, wie bereits in seiner ersten Saison, für die ProB zu planen. Knapp eine Woche nach der Niederlage im letzten Heimspiel und der Gewissheit des Abstiegs sind bei den Steeples aber noch Fragen offen. Vor allem, ob es in der kommenden Saison 2018/19 mit dem noch jungen 35-jährigen Reinboth weitergeht.

Der Außenseiter hat diese Saison nicht für eine Überraschung sorgen können – welches Fazit ziehen Sie nunmehr im Nachgang?

Domenik Reinboth: Ein Stück weit darf man stolz darauf sein, mit einem ProB-Etat und dem drittjüngsten Team der Liga so einen Riesen Spagat geleistet zu haben. Doch am Ende hat es nicht ganz gereicht, was sehr ärgerlich ist, weil es in jedem Fall im Bereich des Möglichen lag. Was wir jetzt vor uns haben, wird ein hartes Stück Arbeit – und es wird auch kein Selbstläufer.

Sie sprechen es an. Jetzt geht der Blick in Richtung ProB. Welche Statuten gelten hier?

Reinboth: Der größte Unterschied ist, dass es eine andere Ausländerreglung gibt. Man darf nur noch einen Spieler haben, der aus einem Nicht-EU-Land kommt. Man darf aber so viele EU-Ausländer haben wie man möchte, davon dürfen zwei auf dem Spielfeld stehen. Der Rest muss nicht zwingend einen deutschen Pass besitzen, aber ein ‚local player’ sein. Das sind Spieler, die in der U19 drei Jahre in Deutschland gespielt haben, in der U16 ein Jahr. Generell ist es leichter, Amerikaner zu finden – von denen es mehr Gute gibt – als Europäer, die häufig in ihrem Heimatland bessere Bedingungen vorfinden.

Ohnehin liegt aber der Schwerpunkt auf den jungen Deutschen?

Reinboth: Richtig, wir wollen weiterhin junge, deutsche Spieler entwickeln. Trotzdem ist es eine neue Kaderkonstellation, die sich auf die Zusammenstellung des gesamten Teams auswirkt.

Begutachten Sie Spieler vor Ort?

Reinboth: Nein, das müssen wir finanzstärkeren ProA- oder ProB-Teams überlassen. Wir werden auf unser Netzwerk zurückgreifen. Es ist ohnehin ein Glücksspiel, weil man nie sicher weiß, wie ein Spieler tickt. Manchmal passt es gut, manchmal nicht.

Was verändert sich für den Verein in der nächsten Saison?

Reinboth: Es ist eine erschwerte Situation. Diese Saison hatten wir mit Baunach und Ulm zwei konkurrierende Vereine, die auf junge Spieler setzen. In der ProB ist die Konkurrenz deutlich größer durch die Farmteams der Bundesligisten. Auch in dieser Liga wachsen die Etats, wir müssen gegen die finanzkräftigen Klubs gute Arbeit leisten. Denn auch hier liegen wir nur im Durchschnitt. Und es ist nicht einfacher, die jungen, talentierten Spieler zu überzeugen. In der ProA wäre es wohl etwas einfacher gewesen.

Wie steht es um die
Trainerpersonalie?

Nico Drmota: Sicher ist aktuell nur, dass die Jugendtrainer Oliver Heptner, Krists Plendiskis und Merlin Opitz bleiben. Die einzige offene Personalie ist Domenik Reinboth. Wir sind der Meinung, dass er dem Projekt noch viel geben kann. Er war die letzten drei Jahre ein großer Mitgestalter und ich hoffe, er sieht dies auch weiterhin als seine Aufgabe.

Reinboth: Wir stehen in Gesprächen, doch meine Entscheidung wird nichts mit dem sportlichen Abstieg zu tun haben.

Gibt es Namen, die man für den zukünftigen Kader der Saison 2018/19 schon notieren darf?

Drmota: Kevin Strangmeyer, Lucas Loth, Franklyn Aunitz, Mathias Groh, alle jungen Talente, die aus der Urspringschule kommen, werden in der ProB deutlich mehr Tuchfühlung haben als in der ProA. Die ProB gibt uns die Luft, uns wieder ums Wesentliche und unserer Überzeugung zu widmen. An das ProB-Level kann man die ganz jungen Spieler viel früher heranführen.

Aber Kevin Yebo lässt man nicht so einfach gehen, oder?

Drmota: Auf keinen Fall, er hat auf einem hohen Niveau gespielt, trotzdem hat er oft auch „bloß“ mitgespielt. Er muss jetzt lernen, auch mal ein Team zu führen. Seinerseits sagte er, er könne sich noch ein Jahr in Ehingen gut vorstellen. Der Gedanke gefällt mir.

Waren die Nachverpflichtungen von Devon Moore und Cha Cha Zazai besonders kostspielig?

Reinboth: Wir sind im Etatplan geblieben. Wir hatten vorausschauend einen Puffer eingeplant, und haben ihn nicht überschritten.

Drmota: Schlussendlich haben wir Devon für zwei getauscht, Yasin und Cole (Yasin Kolo und Cole Preston Anm. d. Red). Und Devon mussten wir dann mit Cha Cha ersetzen, wobei es eine glückliche Fügung war, dass Cha Cha Lust verspürte, uns zu unterstützen. Er hat die Jungs von Anfang an mitgezogen.

Sind eigentlich Annäherungen in Sachen Kooperation mit den Ulmern überhaupt ein Thema?

Drmota: Das, was sich im Ulmer Basketball entwickelt hat, respektieren wir zu 100 Prozent. Sie haben eine tolle Jugendarbeit und tolle Trainer wie Danny Jansson, die wichtige Arbeit leisten. Leider gibt es aber aufgrund einer bestimmten Personalie definitiv keine Möglichkeit der Kooperation zwischen beiden Standorten in nächster Zukunft.

Wie verfolgen Sie das Ulmer Projekt Orange Campus?

Drmota: Dieses Projekt muss nachhaltig finanziert und erst einmal gestemmt werden, also alle Achtung vor dieser Mammutaufgabe. Eine wirkliche „Akademie“ in der Form, wie sie an der Urspringschule seit 20 Jahren existiert, ist allerdings hochkomplex, was die Verbindung zwischen Schule und Basketball betrifft. Hier bedarf es weit mehr als dem Glamour neuer Räumlichkeiten.

Was erwartet die Zuschauer in der JVG-Halle in der neuen ProB-Saison?

Drmota: Wir wussten, dass wir uns mit dem Thema Abstieg auseinandersetzen müssen. Nach dem Spiel am Samstag kamen tatsächlich schon Leute zu uns her und fragten, ob sie etwas helfen können. Wir haben einen unglaublichen Zuspruch bekommen. Für mich ist die Saison keine Niederlage. Wir haben viele Leute mobilisiert. Für die Halle erhalten wir bundesweit viel Anerkennung. Sportlich haben wir es zwar nicht geschafft, aber im Umfeld haben wir unglaublich viel Positives erreicht. Das Gefühl, das ich habe, ist, dass die Leute noch mehr hinter uns stehen als in früheren Zeiten. Auch der Dauerkartenverkauf ist sehr gut angelaufen. Dies zeigt mir, dass die Menschen uns unterstützen.

Info: Die die Lizenz beantragt das Team Ehingen Urspring für die ProB und die ProA. Stichtag ist der 16. April.

Für beide hat Jugend höchste Priorität

Nico Drmota, 38, gehört die Operative Leitung der Urspring Basketball Akademie, zudem ist er Manager des Team Ehingen Urspring. Mit 15 Jahren begann der gebürtige Allmendinger mit dem Basketballspielen bei der TSG Ehingen und übernahm bereits früh Aufgaben im Verein. Als er mit 23 Jahren nach dem Zweitliga-Aufstieg als Spieler aufhörte, war er stellvertretender Abteilungsleiter. Nach Trainerstationen in Urspring wurde er schließlich Manager des Profiteams. Er selbst sieht sich als Bindeglied zwischen Urspring und Ehingen.

Domenik Reinboth,35, der aus Leverkusen stammt, kennt Drmota seit fünf Jahren. Reinboth begann als Co-Trainer von Ralph Junge und coachte die U16, später kam die U19 dazu, ehe er 2015 Chefcoach des damaligen ProB-Teams wurde. Die Aufgaben Reinboths umfassen Trainingsleitung, Vorbereitung der Videoanalyse und Koordination der Trainingspläne der Nachwuchsteams. Der zweifache Vater lebt mit seiner Familie in Blaubeuren. hel

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