Aber hey, wir haben das erste Viertel gewonnen! Mit diesem Spruch, gut fünf Minuten vor Toresschluss erntete Hallensprecher Danny Jüngling („Pimp“) noch einmal kurzfristigen Szenenapplaus. Die Partie gegen die Albatrosse aus Berlin in der Arena Hohenlohe war beim Stand von 60:96 zu diesem Zeitpunkt freilich längst entschieden. Zu dominant, mannschaftlich geschlossen und mit hohem Tempo agierten die Gäste aus der Hauptstadt vor allem nach der Halbzeit. Wobei ihnen die Hakro Merlins auch nicht mehr viel entgegenzusetzen hatten. Energisches Sträuben gegen die Niederlage war nicht zu erkennen. Vieles blieb Stückwerk.

So sprach Tuomas Iisalo zu Recht von einem „enttäuschenden Auftritt, weil wir den Fokus verloren haben, nicht mehr als Team gespielt und zu egoistisch aufgetreten sind“.

Thompson unter den Startern

Der Coach hatte sich entschlossen, aufgrund der Ausländerregelung (nur sechs pro Spiel erlaubt) Michael Cuffee und Reggie Arnold eine Pause zu verordnen. Unter den Startern zu finden am Samstag hingegen Neuzugang Hollis Thompson. Obwohl er erst wenige Trainingseinheiten mit der Mannschaft bestreiten konnte, legte der Coach Wert darauf, ihm möglichst rasch entsprechende Spielzeit mit seinen neuen Kollegen zu geben und den Eingewöhnungsprozess somit zu beschleunigen. Der Ex-NBA-Spieler stand 25.30 Minuten auf dem Parkett, erzielte in dieser Zeit vier Punkte, steuerte vier Rebounds bei und braucht sicherlich noch Eingewöhnungszeit.

Starkes erstes Viertel

Die Hausherren legten ein engagiertes erstes Viertel hin, ließen den Ball geschickt zirkulieren, um dann erfolgreich abzuschließen. Gleich sieben Spieler trugen sich in dieser Phase in die Korbschützenliste ein. Ben Madgen, Seba Herrera und Konrad Wysocki trafen von jenseits der Drei-Punkte-Linie für die Crailsheimer Farben. Entsprechend spendeten die Zuschauer nach den ersten zehn Minuten anerkennenden und aufmunternden Applaus.

Die Gäste aus Berlin starteten mit einem Rückstand von 21:25 in das zweite Viertel. Spielmacher Peyton Siva markierte, das allerdings gleich dreimal, die ersten Dreier in diesem Spiel für die favorisierten Albatrosse. Bei den Gastgebern handelte sich Konrad Wysocki schon früh sein viertes Foul ein und musste auf der Bank Platz nehmen.

Der erste Bruch in der Partie dann zur Hälfte der zweiten zehn Minuten. Von 31:36 zogen die Gäste auf 34:50 davon. „Es ärgert mich, dass wir in den letzten fünf Minuten dieses Viertels unsere Linie verloren haben. Und: Wir machen immer wieder die gleichen Fehler“, befand Ingo Enskat, Crailsheims sportlicher Leiter. Konkret monierte er „Unkonzentriertheiten, wenn ein Spieler beispielsweise niemanden findet, den er beim Einwurf anspielen kann und der Ball dann fast zwangsläufig beim Gegner landet. Und was nützt es uns, wenn wir gut rebounden, den Ball dann aber gleich wieder ohne Not hergeben?“

Alba fährt Tempo hoch

Nach der Halbzeit zog Alba das Tempo weiter an, machte das Spiel schneller. Der Angriffsmotor kam mächtig auf Touren. Nahezu die gesamte Mannschaft punktete, wobei besonders die Jungen für Aufmerksamkeit sorgten. Nationalspieler Johannes Thiemann (Nummer 12; 14 Punkte) lieferte eine Trefferquote von 100 Prozent aus dem Feld ab und die Kollegen Tim Schneider (15) und Franz Wagner (12) nutzten ebenfalls die Minuten, die ihnen Coach Alejandro Garcia Reneses gewährte. Aufseiten der Gastgeber sorgten Seba Herrera und Joe Lawson mit ihren Dreiern für etwas Entlastung. Mit 27 Punkten Rückstand starteten die Kontrahenten in den Schlussabschnitt. Alba punktete munter weiter. Tuomas Iisalo nahm für die Merlins eine frühe Auszeit. An den Kräfteverhältnissen änderte sich freilich nichts mehr. Alba blieb spielbestimmend. Die Gastgeber konnten im Wesentlichen nur reagieren und Ergebniskosmetik betreiben. Mit immerhin acht Punkten machte DeWayne Russell auf sich aufmerksam, avancierte an diesem Abend zum Topscorer der Partie.

„Schlecht gespielt“

„Mich ärgern solche Auftritte“, schrieb Ingo Enskat den Seinen ins Stammbuch. „Wir haben gegen Alba zweimal richtig schlecht gespielt. Das geht so nicht. Ab Ende des zweiten Viertels haben wir nicht mehr richtig dagegen gehalten. Natürlich kann man gegen eine Mannschaft wie Alba Berlin verlieren, aber nicht so. Da muss man sich als Team anders präsentieren.“

Die Berliner feierten ihren vierten Erfolg nacheinander, brachen nach dem Spiel gleich mit dem Bus Richtung München auf, um dann weiter zum Euro-Cup-Finale gegen Valencia zu fliegen. Ihr 2,08-Meter-Hüne Landry Nnoko musste gegen die Hakro Merlins aufgrund von Sehbeschwerden früh raus. Der Coach hofft, dass er in Valencia wieder fit ist.

Für die Korbjäger aus Crailsheim bleibt die nicht neue Erkenntnis, die für den Klassenerhalt erforderlichen Punkte gegen andere Teams einfahren zu müssen. Der nächste Gegner ist allerdings auch nicht von Pappe. Am Sonntag geht es zum Ex-Meister nach Bamberg.

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So spielten sie


Crailsheim – Berlin

69:105

Crailsheim: Russell (16 Punkte, 1 Dreier), Madgen (10, 2), Turner (11, 1), Herrera (8, 2), Wysocki 3 (1), Neumann (1), Ferner, Lawson (10, 2), Gay (6), Thompson (4, 4 Rebounds)

Berlin: Saibou (6 Punkte), Siva (10, 3), Giffey (2), Walton (6, 8), Schneider (15, 2), Wagner (12, 2), Ogbe (11, 1), Giedraitis (7, 1), Thiemann (14), Clifford (12, 9), Nnoko (2), Sikma (8).

Viertel: 25:21/12:29/15:29/17:26
Rebounds: 24:49
Assists: 15:28
Dreier: 9/33, 9/25