Schon immer wollte er Augenarzt werden, erklärt Professor Christoph W. Spraul von den Augenärzten im Basteicenter. „Die Augenheilkunde? Meine Passion“, lächelnd führt er durch die Praxisräume im Basteicenter. 19 Uhr. Die letzten Patienten sind gegangen. An der Wand: eine Uhr in Form eines Sehtests. Im Laserzentrum liegt der Fokus jetzt auf der futuristisch anmutenden Laserapparatur „SMILE“ (Small Incision Lenticule Extraction) vom Hersteller Zeiss, die zur Korrektur der Fehlsichtigkeit dient: „Ein hochpräziser Femtosekundenlaser, der innerhalb weniger Sekunden die Hornhaut formt und damit die Brille ersetzt.“

Vertrauensvolles Gespräch an erster Stelle

Inzwischen kann fast jede Fehlsichtigkeit korrigiert werden: Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung und Alterssichtigkeit. „Patienten sollten sich an jemanden wenden, der mit allen Verfahren vertraut ist.“ Darin erkennt Augenchirurg Spraul jedoch die Krux. Die Rede ist von „monopolartigen Gebilden: Kapitalgesellschaften statt Arztpraxen. Die Philosophie liegt zunächst darin, wie die Rendite für die Kapitalgeber gesteigert werden kann und nicht so sehr, was medizinisch sinnvoll für die Patienten ist.“ Diesen Zustand kritisiert auch die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG): „Im Mittelpunkt des ärztlichen Handelns muss immer das Patientenwohl stehen und nicht der wirtschaftliche Profit“, wie DOG-Generalsekretär Professor Dr. Claus Cursiefen betont.
Professor Spraul, der 1996 die ersten Lasik-Augenoperationen in Ulm durchgeführt hat, sieht die Basis im Vertrauen. Und das sei oftmals gefährdet. Ein Beispiel nennt er mit den sogenannten Premiumlinsen, die nicht für alle Patienten einen Vorteil darstellen. So führten die multifokalen Linsen zwar oft zu einer Brillenfreiheit, zeigten allerdings auch Nachteile, wie störende Lichtphänomene und Probleme beim nächtlichen Autofahren. Asphärische Linsen hingegen, die bei der Operation eingesetzt werden, sind dann von Vorteil, wenn die Pupillen eine gewisse Größe überschreiten, was bei älteren Menschen oft nicht mehr der Fall sei. „Linsen mit einem Blaublocker waren ursprünglich zum Schutz der Makula (Stelle des schärfsten Sehens) entwickelt worden. Studien mit zehn-jährigem Verlauf zeigen jedoch keinen Vorteil bezüglich der Entwicklung einer altersbedingten Makuladegeneration durch die Verwendung dieser Linsen. Patienten mit Blaublockerlinsen haben nach der OP einen eher gelblich warmen Seheindruck im Gegensatz zu dem etwas kälteren, bläulich-weißen Sehempfinden bei den klaren Linsen. Die Aufklärung des Patienten ist mir sehr wichtig und Ziel ist es, für den Patienten die optimale Linse zu wählen und kein Verkaufsgespräch zur Gewinnoptimierung.“
Studien und Metaanalysen haben zudem aufgezeigt, dass sich bei der Grauen Star-OP mittels Laser bei den meisten Patienten kein Vorteil zeigt: Bezüglich der Sehkraft nach der Operation gibt es keinen Unterschied: „Der Laser wird hier nur bei einem kleinen Teilschritt – beim Öffnen der Linsenkapsel – eingesetzt, was aber auch nicht immer gelingt, beispielsweise wenn die Pupille zu klein ist. Ein erfahrener Operateur bedarf hier keines Lasers.“ Den einzigen Unterschied erkennt Professor Spraul an den zusätzlichen Kosten, die nicht von den Krankenkassen getragen werden.

Kurzsichtig und was dann?

Ab Mitte vierzig führt die Laser-Operation zur Korrektur von Kurzsichtigkeit nicht mehr zu einer kompletten Brillenlosigkeit, weil eine dem Alter geschuldete Weitsichtigkeit dazukommt. „Es gibt dann die temporäre Möglichkeit von sogenannten intraokularen multifokalen Kontaktlinsen, die auf die normale Linse gesetzt werden, aber nach Jahren wieder operativ entfernt werden müssen. Die endgültige Lösung besteht jedoch insbesondere bei Entwicklung einer Linsentrübung (Grauer Star) darin, die natürliche Linse durch eine Kunstlinse zu ersetzen. Verwendet man hierbei die Standard-Linse, dann ist eine Brille nach der OP notwendig. Die Multifokallinse wird eingesetzt, wenn man keine Brille tragen möchte, aber visuelle Nebeneffekte nachts, etwa beim Autofahren, in Kauf zu nehmen bereit ist. Oder eine EDOF (Enhanced Depth of Focus) -Linse, die eine erweiterte Tiefenschärfe aufweist. EDOF-Linsen haben wenige visuelle Nebeneffekte: In die Ferne ist die Sicht scharf; beim Lesen, Fernsehen oder bei der Arbeit am PC funktioniert dies meist auch sehr gut, aber zum Lesen bedarf es einer Brille.“
Durchblick oder Scharfsicht, Weitsicht oder Fokus: Der alltägliche sprachliche Umgang mit Begriffen wie diesen deutet bereits darauf hin, wie wichtig das Sehvermögen auf die Wahrnehmung ist. Doch obwohl Fehlsichtigkeit seit mittlerweile 25 Jahren mit Lasertechnik korrigiert werden kann, gibt es weltweit betrachtet immer noch vergleichsweise wenig Laser-Operationen. Dem gegenüber steht das zehnfache an Kontaktlinsenträgern. „Das Risiko eines jahrzehntelangen Kontaktlinsentragens ist wesentlich höher als das einer einmaligen Laser-OP. Christoph Spraul hält inne, bevor er das letzte Licht in der Augenklinik ausschaltet: „Man bedenke mögliche Verletzungen mit dem Fingernagel. Oder Keime, die zwischen Auge und Linse geraten können. Ein Risiko, das jeder für sich einschätzen sollte.“

Zur Person

Prof. Dr. Christoph Spraul, MBA, FEBO, ist ein international bekannter Augenarzt mit über 1500 Operationen im Jahr und auf die Behandlung des Grauen Stars sowie der Laserbehandlungen von Fehlsichtigkeit spezialisiert. Gesellschafter im Basteicenter.
Dr. Matthias M.C. Zorn absolvierte seine fachärztliche Weiterbildung sowie die augenchirurgische Ausbildung u.a. an den Universitätsaugenkliniken Ulm, München und bei den Augenärzten im Basteicenter. Seine Spezialgebiete sind der graue Star, die refraktive Chirurgie und medical Retina. Gesellschafter im Basteicenter.

Kontakt

Augenärzte im Basteicenter
Basteistraße 37
89073 Ulm

info@augenarzte-basteicenter.de
Tel.: 0731 22252
www.augenaerzte-basteicenter.de