Schach SK Hall sichert sich die deutsche Vize-Meisterschaft

Mit einem skeptischen Blick verfolgt Jana Schneider (links, Bad Königshofen) den Eröffnungszug von Petra Papp. Diese hat tags zuvor gegen Friedberg noch auf Haller Seite gefehlt.
Mit einem skeptischen Blick verfolgt Jana Schneider (links, Bad Königshofen) den Eröffnungszug von Petra Papp. Diese hat tags zuvor gegen Friedberg noch auf Haller Seite gefehlt. © Foto: Thomas Marschner
Friedberg / THOMAS MARSCHNER 21.04.2015
Die Frauen des SK Hall haben als bester Bundesligaaufsteiger aller Zeiten die deutsche Vizemeisterschaft errungen. Das erreichte Hall durch ein Unentschieden und einen Sieg am letzten Doppelspieltag in Friedberg.

Zunächst ging es am Samstag gegen die Rodewischer Schachmiezen, eine Mannschaft, die im Mittelfeld der Tabelle stand. Obwohl aufgrund von Problemen mit der Anreise einer Spielerin, die ihren Flug verpasst hatte, Rodewisch nur zu fünft antreten konnte und Schwäbisch Hall damit kampflos 1:0 vorne lag, endete die Begegnung nur 3:3-Unentschieden.

Am Brett zeigten die Schachmiezen - deren Vereinsmotto lautet "Mit Freunden zärtlich Schnurren" - eher ein energisches Fauchen: Schon nach zwei Stunden war der 1:1-Ausgleich hergestellt, als Deimante Daulyte in einer Eröffnungsvariante unter die Räder kam, die schon 1620 in Italien erstmals gespielt wurde. Auch an den anderen Brettern sah es zu dem Zeitpunkt eher durchwachsen aus.

Am Ende sicherte Ekaterina Atalik das Unentschieden, da Alina Kashlinskaya am Spitzenbrett zu viel riskierte und eine bessere Stellung noch verlor. Der Kontrahent um Platz 2, Bad Königshofen, kam jedoch zeitgleich auch nicht über ein 3:3 gegen Gastgeber Friedberg hinaus, sodass sich vor der Schlussrunde die Tabellensituation nicht geändert hatte: Bad Königshofen lag immer noch einen halben Brettpunkt vor Schwäbisch Hall. Daher war klar, dass für die Haller Vizemeisterschaft ein Sieg her musste.

Für den Gegner überraschend setzte Schwäbisch Hall am Sonntag die Ungarin Petra Papp, die auch schon mehrfach in der Vorsaison bei den Haller Männern in der 2. Bundesliga gespielt und gepunktet hatte, anstelle von Jana Zpevakova ein. An den ersten drei Brettern war Bad Königshofen unter anderem mit der deutschen Nummer 1 Elisabeth Pähtz an Brett 2 favorisiert, an den hinteren drei Brettern war Hall nominell überlegen.

Nach einem Remis der in dieser Saison ungeschlagenen Karina Ambartsumova brachte Petra Papp durch einen Sieg gegen Jana Schneider Schwäbisch Hall in Führung. Irina Bulmaga baute die Führung aus: Es gelang ihr, der Bad Königshofener Topscorerin Maria Schöne, die bisher alle Partien gewonnen hatte, die einzige Saisonniederlage beizubringen. Bad Königshofen verkürzte durch Elisabeth Pähtz, die gegen Ekaterina Atalik gewann.

Für die Entscheidung sorgte mit Deimante Daulyte ausgerechnet die Spielerin, die am Vortag nach ihrer schnellen Niederlage aus der Eröffnung heraus noch völlig enttäuscht war. Sie überspielte souverän Anastasia Savina und sorgte damit für den Mannschaftssieg. Auch für Anastasia Savina war es wie schon für Maria Schöne die erste Saisonniederlage.

Damit ist das Frauenteam des SK Schwäbisch Hall Vizemeister hinter der OSG Baden-Baden - ein Erfolg, mit dem nach dem Aufstieg keiner gerechnet hatte. Der zweite Platz berechtigt zur Teilnahme am Europapokal. Dieser findet im Herbst im mazedonischen Skopje statt, eine mögliche Haller Teilnahme wird wesentlich von dem zur Verfügung stehenden finanziellen Rahmen abhängen.