SG-Profi Susann Müller spricht im Interview über das Länderspiel gegen Frankreich

Susann Müller ist sowohl bei ihrem Verein SG BBM Bietigheim als auch in der deutschen Handball-Nationalmannschaft eine Führungsspielerin.
Susann Müller ist sowohl bei ihrem Verein SG BBM Bietigheim als auch in der deutschen Handball-Nationalmannschaft eine Führungsspielerin. © Foto: Helmut Pangerl
ANDREAS EBERLE 09.03.2016
Die deutschen Handballerinnen bestreiten an diesem Mittwoch (19.30 Uhr) in der EgeTrans-Arena ihr EM-Qualifikationsduell gegen Frankreich. Im Interview spricht die Bietigheimerin Susann Müller über das Länderspiel, ihre Rolle im Team und die Titelchancen der SG BBM.

Was bedeutet es Ihnen, in der Stadt, in der Sie spielen, ein Länderspiel zu absolvieren?

SUSANN MÜLLER: Es ist immer schön, zu Hause zu spielen - und wenn man das mit der deutschen Nationalmannschaft tut, ist das noch geiler. Ich freue mich darauf und bin gespannt auf das Spiel gegen Frankreich. Bisher sind ja schon über 3000 Karten verkauft.

Sind Sie vor heimischem Publikum besonders motiviert?

MÜLLER: Davon mache ich das nicht abhängig. Ich glaube, das wird am Mittwoch ein super Spiel, auch für die Zuschauer. Schließlich geht es richtig um etwas. Frankreich ist ein super Gegner. So ein Länderspiel bekommt man nicht alle Tage in eine Stadt. Da kann sich Bietigheim glücklich schätzen.

Bedauern Sie, dass Ihre Bietigheimer Mitspielerin Paule Baudouin für das deutsch-französische Duell nicht nominiert ist?

MÜLLER: Es tut mir für "Poly" persönlich unheimlich leid. Ich sehe auch im Training, dass sie die Nichtnominierung mitnimmt. Für uns ist es natürlich gut, dass sie nicht dabei ist, denn sie ist eine Weltklasse-Linksaußen und eine der besten Spielerinnen auf dieser Position weltweit.

Beide Mannschaften führen die Gruppe mit 4:0 Punkten an. Wie schätzen Sie die deutschen Erfolgschancen gegen Frankreich ein?

MÜLLER: Die beiden Qualifikationsspiele am Mittwoch und am Samstag gegen Frankreich werden zwei Fifty-Fifty-Duelle. Es kommt auf unseren Tag an. Ich denke, wir können gut mithalten. Wenn wir unser Niveau abrufen und in der Abwehr mit unseren zwei Torhüterinnen sicher stehen, haben wir gute Chancen. Ich bin jedenfalls frohen Mutes und hoffe, dass wir die zwei Punkte zu Hause mitnehmen. Auswärts wird das sicherlich noch einmal eine andere Geschichte. Schließlich ist Frankreich eine der besten Mannschaften der Welt - und wir sind im Umbruch und haben viele junge Spielerinnen im Kader. Wenn wir bei der WM die Französinnen nicht als ersten Vorrundengegner gehabt hätten, sondern später, hätten wir gegen sie auch gewinnen können.

Wie wichtig ist so ein Topspiel für die Weiterentwicklung der jungen deutschen Nationalmannschaft?

MÜLLER: Extrem wichtig. Wir sind im Dezember 2015 bei der Weltmeisterschaft in Dänemark als Mannschaft schon richtig gut zusammengerückt und zusammengewachsen. So eine WM mitzunehmen, war für die jungen Spielerinnen eine tolle Erfahrung, die sie auch mental gestärkt hat. Daran wollen wir in der EM-Qualifikation nun mit Blick auf die nächsten großen Meisterschaften anknüpfen. Es geht jetzt um die Wurst. Wir brauchen aus den beiden Spielen gegen Frankreich mindestens zwei Punkte, um ohne Druck in den letzten beiden Partien im Juni gegen Island und die Schweiz aufspielen zu können.

Sie sind eine der Leitwölfinnen in der DHB-Auswahl. Wie muss man sich Ihre Führungsrolle vorstellen?

MÜLLER: Auf dem Feld versuche ich immer, mit zwei, drei anderen Spielerinnen vorneweg zu gehen - und das mache ich auch gerne. Da kommt mir sicher zugute, dass ich in meiner Karriere schon viel internationale Erfahrung gesammelt habe. Außerhalb bin ich vielleicht nicht das ganz große Vorbild. Da gibt es andere, zum Beispiel unsere Kapitänin. In der Mannschaft hat da jeder seinen Part.

Welche Ziele haben Sie mit dem deutschen Team noch?

MÜLLER: Das Hauptziel für dieses Jahr ist die EM. Es wäre schön, mal einen Titel mitzunehmen. Ich bin der Meinung, dass wir das Potenzial dafür haben. 2017 ist dann die Heim-WM das Maß aller Dinge, nachdem die Olympia-Qualifikation ja leider nicht geklappt hat. Bei der Weltmeisterschaft will ich mit der deutschen Mannschaft so gut wie möglich abschneiden.

Und was haben Sie in der laufenden Bundesliga-Saison noch mit Ihrem Klub SG BBM Bietigheim vor? Ist der Titelgewinn möglich?

MÜLLER: Es kann alles passieren. Wir haben in dieser Saison schon Topspiele gemacht, aber auch grottenschlechte - mich eingeschlossen. Wenn wir unseren Rhythmus und den Fokus halten und das leisten, was wir können, haben wir alle Möglichkeiten. Die letzten acht Bundesliga-Spiele müssen wir eben gewinnen und dann hoffen, dass der Thüringer HC noch mal patzt. Dann wären wir Meister. Aber man sollte natürlich die Bälle flach halten.

Haben Sie vor der Saison gedacht, dass die neu formierte SG-Truppe eine so gute Rolle spielen würde?

MÜLLER: Einerseits bin ich schon etwas überrascht, wie gut es bisher läuft. Andererseits sind bei der SG BBM so viele gute Spielerinnen auf einem Haufen. Wenn man ein gewisses Niveau hat, kann man eigentlich mit jeder zusammenspielen. Da ist nicht so sehr das Sportliche ausschlaggebend, sondern das Drumherum - und auch in dieser Hinsicht stimmt es bei uns in der Mannschaft. Für die kurze Zeit, in der wir jetzt beisammen sind, harmoniert das alles super.

Ihre Lebensgefährtin Nina Wörz und Sie haben bei der SG BBM noch einen Vertrag bis Sommer 2017. Gefällt es Ihnen beiden in Bietigheim?

MÜLLER: Wir haben uns hier von Anfang an super eingelebt und sind sehr zufrieden. Bietigheim ist eine schöne Stadt. Wir waren ja lange in Dänemark in Randers, das unsere zweite Heimat geworden ist. Bietigheim erinnert uns daran, weil die Stadt ebenfalls recht klein ist und viele nette Gässchen, Cafés und Läden hat. Ich würde mir vielleicht eine andere Halle wünschen. Natürlich ist es in der Viadukthalle eng, heiß und laut. Ich persönlich finde es aber unangenehm, wenn die Zuschauer direkt neben einem am Spielfeld sitzen und einen dann auch noch anblöken, wenn's mal nicht so läuft. Darum hat mir auch das Spiel gegen Göppingen in der MHP-Arena so gut gefallen.

Zur Person: Susann Müller

 

International erfahren Die am 26. Mai 1988 in Saalfeld an der Saale geborene Susann Müller spielt seit dieser Bundesliga-Saison - gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin Nina Wörz - für die SG BBM Bietigheim. Ihre Stationen zuvor waren der HC Leipzig, die dänischen Vereine SK Århus und Randers HK, RK Krim Mercator Ljubljana (Slowenien) sowie der ungarische Topklub Gyori ETO KC. Die 1,86 Meter große Rückraumspielerin hat mit ihren bisherigen Teams mehrere Titel gewonnen. Allein in den vier Spielzeiten für Leipzig holte Müller dreimal den DHB-Pokal und zweimal die deutsche Meisterschaft. Die 27-jährige Thüringerin hat bisher mehr als 100 Länderspiele für die DHB-Auswahl bestritten. Ihr bisher größter internationaler Erfolg war 2007 der Gewinn der Bronzemedaille bei der WM in Frankreich. Bei der Weltmeisterschaft 2013 war Müller mit 62 Treffern Torschützenkönigin und wurde ins All-Star-Team berufen. Im gleichen Jahr wurde sie zu Deutschlands Handballerin des Jahres gewählt.

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