Bietigheim-Bissingen SG BBM: Schwache Leistung, starke Moral

Bietigheim-Bissingen / ANDREAS EBERLE 14.04.2014
Mies gespielt und dennoch gewonnen - der Handball-Zweitligist SG BBM Bietigheim ist im Heimspiel gegen Rimpar noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Beim 20:18- Sieg zeigten sich nur Keeper Kulhanek und Barthe in Form.

Die 1.353 Zuschauer, die am Samstagabend in die Viadukthalle gekommen waren, um sich das Zweitliga-Spiel zwischen der SG BBM Bietigheim und der DJK Rimpar anzuschauen, sind voll auf ihre Kosten gekommen. Zwar lieferten sich die zwei Teams ein Duell auf bescheidenem Handball-Niveau. Doch packend und kurzweilig war die Partie trotzdem. Nach einem 12:17-Rückstand in der 48. Minute drehte die SG BBM den Spieß mit einer Energieleistung und einer tollen Moral noch um und feierte einen 20:18-Heimerfolg. Dadurch verbesserten sich die Bietigheimer auf Rang vier und schnuppern weiter an den Aufstiegsplätzen. Die Wölfe aus Rimpar müssen dagegen mehr denn je um den Klassenerhalt bangen.

In der torarmen ersten Hälfte erwischten die Unterfranken den besseren Start. Durch Treffer von Jan Schäffer (2) und Steffen Kaufmann lagen sie schnell mit 3:0 vorne. Da seine unkonzentriert und fahrig wirkenden Schützlinge überhaupt nicht ins Spiel fanden, nahm SG-Trainer Hartmut Mayerhoffer bereits in der fünften Minute die erste Auszeit. Erst Robin Haller, der später noch sein 100. Saisontor erzielte, beendete mit einem Aufsetzer aus dem Rückraum die fast sieben Minuten währende Torflaute der Hausherren und warf das 1:3 (7.).

Obwohl im Spiel nach vorne weiter wenig klappte und sich das Team viele technische Patzer und Fehlwürfe erlaubte, erkämpfte sich Bietigheim bis zur 21. Minute eine 6:3-Führung. Den Hauptanteil daran hatte allerdings die starke Abwehr, aus der zwei Akteure herausragten: Keeper Jan Kulhanek bot - wie auch sein Rimparer Gegenüber Max Brustmann - eine überragende Leistung und wehrte auch die ersten beiden Siebenmeter der DJK ab. Und der junge Franzose Paco Barthe stand im Innenblock seinen Mann, so als ob er seit Jahren in der Zweiten Liga spielt. Dabei hatte der 21-jährige Deutsch-Franzose zuvor noch in der fünftklassigen Württembergliga für die zweite Mannschaft gespielt. Nur durch die vielen Ausfälle im Zweitliga-Ensemble war er in den Kader gerutscht.

Nach 19 Minuten ohne Torerfolg schaffte Schäffer dann mal wieder einen Treffer für Rimpar und verkürzte so auf 4:6 (24.). Da Daniel Sauer sechs Sekunden vor der Pausensirene erfolgreich war, hieß es zur Pause 7:7. So wenige Tore in einer Hälfte hatte es in der Viadukthalle lange nicht mehr gegeben.

Nach einem ausgeglichenen Beginn und einem 10:10-Zwischenstand ergriffen die Gäste im zweiten Durchgang die Initiative und zogen bis zur 41. Minute mit vier Treffern in Serie auf 14:10 davon. Beim 12:17 betrug der Vorsprung der Wölfe gar bereits fünf Tore (48.). Alles deutete darauf hin, dass die SG BBM mal wieder gegen einen potenziellen Absteiger patzen würde - so wie das im Lauf der Saison schon gegen Leutershausen, Hüttenberg und Altenholz der Fall gewesen war.

Doch dann hatten die Rimparer offenbar Angst vor der eigenen Courage und ließen sich den Sieg noch aus der Hand nehmen. Die Bietigheimer zeigten den Wölfen nun die Zähne. Mit sieben Toren hintereinander wendeten sie das Unheil noch ab und gingen selbst mit 19:17 in Führung (58.). Längst hielt es die SG-Fans auf der Tribüne angesichts der dramatischen Wendung nicht mehr auf den Sitzen. Tobias Büttner stellte in der vorletzten Minute den 18:19-Anschluss für Rimpar her. Als Tim Dahlhaus, der in der heißen Phase vier wichtige Tore warf, 19 Sekunden vor Spielende das 20:18 markierte, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Die SG BBM hatte eine verloren geglaubte Partie gedreht, trotz einer zuvor schwachen Leistung. Die Gastspiele bei den Aufstiegsrivalen aus Leipzig und Friesenheim können also kommen.

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