Haller Schüler fotografierte Lösungsvorschläge für Matheklausur

Tausende Abiturienten im Land feiern am Dienstag ihre letzte schriftliche Prüfung. Beinahe hätte ein Haller Schüler die Party vermiest. Er hatte am Donnerstag Lösungen für die Mathe-Prüfung veröffentlicht.

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Sie grölen, sie tanzen und nehmen kräftige Schlücke aus Bechern und Flaschen. Der Zug, angeführt von Abiturienten mit aufgedrehten Ghetto-Blastern, führt am Dienstagmittag über die Schwatzbühlgasse zum Grasbödele. Hunderte junge Menschen feiern ausgelassen ihre letzte schriftliche Prüfung, während andere bis Freitag in Nebenfächern geprüft werden.

Fast wäre diese Party gescheitert. Ein Schüler hatte am Donnerstag die Lösungsvorschläge für das Mathe-Abitur abfotografiert und per SMS an Mitglieder seines Kurses geschickt. Diese wiederum stellten die Bilder auf sozialen Netzwerken ein. Die Sache flog auf. Landesweit sorgten sich Abiturienten darum, ob sie die Arbeit nachschreiben müssen. Das Kultusministerium gab nun aber Entwarnung: Die Lösungen seien erst im Netz gelandet, nachdem die Prüfung beendet war.

Dokumente lagen auf dem Schreibtisch

Der Fall sorgt in Hall dennoch für Wirbel. Der Schüler, der die Abi-Panne ausgelöst hat, besucht ein hiesiges Gymnasium. Sein Vater, der indirekt mitverantwortlich ist, lehrt am anderen Haller Gymnasium. Der Fachlehrer hat am Donnerstag die Dokumente mit nach Hause genommen und sie auf einem Schreibtisch liegen lassen. Als er nachmittags zurück in die Schule ist, nahm die Affäre ihren Lauf.

Die beiden Rektoren am West und Ost, Thomas Preisendanz und Ralph Schröder, wollen sich am Dienstag nicht zum konkreten Fall äußern. Es ginge ihnen vor allem darum, Persönlichkeitsrechte zu wahren. Michael Hermann, Sprecher des Kultusministeriums in Stuttgart, wird aber konkreter: „Dem Schüler geht es sehr schlecht deswegen.“ Am Montag habe der Abiturient gegenüber Beamten des Regierungspräsidiums den Vorwurf bestätigt. Die Mathe-Prüfung sei für ihn sehr schwer gewesen. Der Schüler sei der Versuchung erlegen und sich „der Tragweite des ganzen nicht bewusst“ gewesen. Er habe sein Handeln zudem mit einem „emotionalen Ausnahmezustand“ begründet.

Strafarbeit für Lehrer?

Rechtliche Konsequenzen wird es für den Schüler wohl keine geben, meint Hermann. Eine Sanktion könne von der Schule aber dennoch ausgesprochen werden. Seinem Vater könnte der Vorgang schwerer treffen. Zwar sei der Vorwurf des schweren Dienstvergehens ausgeräumt, so der Sprecher, aber auch das fahrlässige Handeln könne geahndet werden. Strafarbeit also für den Lehrer? Das werde jetzt geprüft, meint Hermann. „Das Innenministerium gibt klare Regeln vor, wie als Verschlusssache eingestufte Dokumente aufzubewahren sind.“ Daran habe sich der Pädagoge nicht gehalten.

Ralph Schröder sieht die Sache nicht so dramatisch. „Das hätte jedem anderen Lehrer auch passieren können, dessen Kinder Abitur schreiben.“ Die Prüfungsblätter würden Wochen vorher samt Lösungshinweisen per Boten geliefert und wanderten direkt in den Schultresor. „Frühestens 90 Minuten vor der Prüfung dürfen die Umschläge geöffnet werden.“ Dem Fachlehrer, der die erste von drei Korrekturen erledige, würden die Lösungsvorschläge unmittelbar ausgehändigt. „Die nimmt er natürlich mit nach Hause.“

Auch Thomas Preisendanz macht dem Lehrer keine Vorwürfe. „Nicht jeder hat zu Hause einen Tresor. Dem kann man daher nicht an den Karren fahren.“ Die Prüfungen würden ohnehin nach einem halben Jahr veröffentlicht.

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