„Alle, die hier bleiben und wohnen möchten, sollen das auch können“

Bürgermeister Jürgen Silberzahn gibt im Gespräch Einblicke in Persönliches und informiert zu kommunalpolitischen Themen.

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  • Wolpertshausen hat eine tolle Entwicklung hingelegt, seit Jürgen Silberzahn Bürgermeister ist. Die Einwohnerzahl wurde fast verdoppelt, rund 1000 Arbeitsplätze wurden neu geschaffen.  1/2
    Wolpertshausen hat eine tolle Entwicklung hingelegt, seit Jürgen Silberzahn Bürgermeister ist. Die Einwohnerzahl wurde fast verdoppelt, rund 1000 Arbeitsplätze wurden neu geschaffen. Foto: 
  • Jürgen Silberzahn, seit 27 Jahren Bürgermeister der Gemeinde Wolpertshausen. 2/2
    Jürgen Silberzahn, seit 27 Jahren Bürgermeister der Gemeinde Wolpertshausen. Foto: 
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Sie stammen aus einem landwirtschaftlichen Betrieb in Laudenbach bei Weikersheim: Mussten Sie früher viel mithelfen?

Jürgen Silberzahn: Ja, der Betrieb mit Ackerbau, Weinbau, Milchviehhaltung und Bullenmast stand neben der Schule schon an erster Stelle.

Was machte am meisten Spaß?

Bulldog fahren. Ich war als Kind und Jugendlicher aber auch viel in der Natur unterwegs, vor allem im und am Fluß Vorbach, beispielsweise, um zu fischen.

Warum sind Sie nicht Landwirt oder Winzer geworden?

Der Betrieb war klein und in einer beengten Ortslage. Es fehlten Entwicklungsmöglichkeiten.

Wie und wo wohnen Sie heute?

Am Anfang meiner Bürgermeisterzeit habe ich im Rathaus gewohnt. Mein jetziges Arbeitszimmer war früher mein Schlafzimmer. Wir haben dann in Wolpertshausen ein Haus gebaut.

Ihre Frau ist auch Diplom-Verwaltungswirt. Wer hatte die besseren Noten?

Das stimmt. Wir haben uns auch während des Studiums auf einer Geburtstagsfeier kennengelernt. Ja, sie war besser.

Sie sind seit 1990 Bürgermeister in Wolpertshausen: Wie kam es, geben Sie einen kurzen Einblick?

Ich war verheiratet und unsere Tochter schon geboren. Die Stelle war ausgeschrieben. Wir haben uns die Gemeinde angeschaut und uns direkt in Wolpertshausen wohlgefühlt. Letztlich hat meine Frau entschieden, dass ich in Wolpertshausen kandidiert habe.

Mittlerweile sind 27 Jahre daraus geworden: Was macht Sie stolz, was hätten Sie anders gemacht?

Mit der neuen Mehrzweckhalle, der Grundschule, der Kita Wolpiwichtel bin ich sehr zufrieden. Das Feuerwehrwesen haben wir nicht zentral aufgestellt. Das würde ich im Rückblick anders machen.

Wie viele Einwohner hatte die Gemeinde Wolpertshausen zu Beginn Ihrer Amtszeit und wie viele sind es aktuell?

1990 waren es nicht ganz 1300 und mittlerweile sind es 2170 Einwohner. Wir haben auch rund 1000 Arbeitsplätze mehr geschaffen. Jetzt sind rund 1200 Arbeitsplätze vorhanden.

Wie sehen Sie Wachstum? Wie viele Einwohner sollen es beispielsweise noch werden?

Ich habe kein Wachstumsziel wie beispielsweise in fünf Jahren sollen es 2500 Einwohner sein. Das Ziel lautet eher, dass alle Bürger, die hier bleiben und wohnen möchten, das auch können sollen. Die Menschen sollen sich wohlfühlen, die vorhandene Infrastruktur soll passen.

Wie ist die finanzielle Situation in der Gemeinde?

Sie ist sehr ordentlich. Die Schulden liegen derzeit bei 1300 Euro pro Einwohner. Das ergibt einen Schuldenstand von rund drei Millionen Euro.

Wie viel haben Sie in den vergangenen 27 Jahren investiert?

Rund 50 Millionen Euro.

Wie viel Fördermittel haben Sie mit dem Rat in die Gemeinde geholt?

Das waren über 25 Millionen Euro.

Wie gehen Sie weiter vor? Haben Sie noch großen Investitionsbedarf?

Das Thema Wasserversorgung wird uns in den nächsten Jahren beschäftigen. Zudem wird die Herolthalle umgebaut und saniert. Ansonsten steht die Infrastruktur im Wesentlichen und muss erhalten werden.

Bei Ihrer Wiederwahl 2014 war eine Senioreneinrichtung Thema, die Sie in die Gemeinde holen wollten. Wie weit ist das Projekt?

Wolpertshausen ist mit Blick auf den Altersschnitt eine der jüngsten Gemeinden im Landkreis. Es wird deshalb eine Einrichtung für betreutes Wohnen werden. Eine Fläche unweit vom Rathaus steht bereits zur Verfügung. Im nächsten Jahr hoffen wir, das Projekt weiter voranzubringen.

Die Schließung des Häckselplatzes im Frühjahr hat für Ärger gesorgt: Wie sehen Sie das Thema?

Die Entscheidung des Kreistags, Häckselplätze im Landkreis zu schließen, halte ich inzwischen für falsch. Die Folge in der Gemeinde Wolpertshausen ist, dass Baum- und Strauchschnitt sowie Grünabfälle zunehmend wild abgelagert werden. Leider darf die Gemeinde Wolpertshausen den Standort in Haßfelden am Grimmbach aus Gründen des Natur- und Gewässerschutzes nicht weiter betreiben. Wir haben einen neuen Standort nördlich von Reinsberg gefunden. Dieser wird jedoch in Reinsberg teilweise nicht akzeptiert.

Lärm kommt von der A 6. Welche Chancen bestehen, dass sich das ändert, wenn sechsspurig ausgebaut wird?

Das ist ein Ärgernis und wir haben schon lange zwei klare Forderungen ans Regierungspräsidium: Lärmschutz und Ober-
flächenentwässerung mit Rückhaltebecken. Wir machen weiter Druck.

Wie läuft es eigentlich beim Verein Wolpis Nullbishundert? Was ist der Grundgedanke? Sind Sie Mitglied?

Ja, es geht um gegenseitige Hilfe, die jüngeren Bürger helfen den älteren und anders herum. Es wird demnächst ein Senioren-Internetcafé gestartet.

Bezahlbarer Wohnraum fehlt, vor allem im Mietsektor. Wie steuern Sie gegen?

Wir versuchen beispielsweise, dafür Leerstände im Ort zu nutzen und Fördermittel aus dem Topf Entwicklung Ländlicher Raum zu gewinnen. Das läuft bereits an.

Was passiert mit dem „Adler“?

Die Gaststätte gehört nicht der Gemeinde. Wir freuen uns, dass sie zur Zeit noch betrieben wird. Wenn das Gebäude irgendwann in andere Hände kommt, dann entstehen eventuell Möglichkeiten, um hier aktiv zu werden.

Machen Sie Urlaub?

Wenn, dann nur ein paar Tage, denn ich bin mit meiner Familie am liebsten daheim. Wir fühlen uns in Wolpertshausen sehr wohl. Ich genieße es, abends einfach auf der Terrasse zu sitzen.

Wie halten Sie sich fit?

Früher war ich regelmäßig im Fitnessstudio, aber da fehlt mir nun die Zeit. Ich mache morgens mit meiner Frau eine halbe Stunde Yoga und beim Fischen bin ich auch unterwegs.

Wären Sie gerne mal in einer größeren Stadt Bürgermeister geworden?

Nein, nicht wirklich. Ich bin vielleicht mal angesprochen worden, aber ich fühle mich mit meiner Familie in Wolpertshausen sehr wohl und bin voll ausgelastet. Warum soll ich da wechseln?

2022 ist wieder Wahl: Treten Sie an?

Das werde ich 2021 entscheiden.

Ihr Sohn Martin hat Diplom-Verwaltungswirt gelernt und arbeitet als Kämmerer in Fichtenau: Wird das irgendwann Ihr Nachfolger in Wolpertshausen?

Das steht derzeit nicht zur Debatte. Außerdem entscheidet er das selbst, ob er diese Laufbahn einschlägt. Ich halte nichts davon, wenn das die Eltern vorgeben.

Was ist das größte und wichtigste Ziel, das Sie für Ihre Gemeinde als Nächstes erreichen wollen?

Bauland zur Verfügung stellen, damit vor allem alle jüngeren Bürger, die Möglichkeit haben, zu bauen, wenn sie das möchten.

Und privat?

Ich bin zufrieden. Gesundheit ist das A und O.

Jürgen Silberzahn wurde am 13. Juni 1961 in Laudenbach bei Weikersheim geboren. Er ist verheiratet, hat mit seiner Frau eine erwachsene Tochter und einen erwachsenen Sohn und wohnt im eigenen Haus in Wolpertshausen. In seiner Freizeit fischt er, spielt Skat und wandert gerne in der Gemeinde Wolpertshausen. Nach der mittleren Reife in Niederstetten hat er Abitur auf dem Wirtschaftsgymnasium Bad Mergentheim gemacht. Wehrdienst leistete er bei der ersten fliegenden Abteilung 301 in Niederstetten. Von 1981 bis 1985 absolvierte er eine Ausbildung zum gehobenen Verwaltungsdienst bei der Stadt Weikersheim, beim Landratsamt Main-Tauber-Kreis sowie an der Fachhochschule in Kehl. Er schloss mit Staatsprüfung als Diplom-Verwaltungswirt ab, sammelte von 1985 bis 1990 Berufserfahrung als Beamter für das Finanzwesen im Gemeinschaftsverband Leintal-Frickenhofer Höhe im Ostalbkreis. Seit 19. September 1990 ist er Bürgermeister in Wolpertshausen. Er wurde dreimal wiedergewählt, ist in seiner vierten Amtszeit. cus

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