280 Hektar groß, durchzogen von einem sechs Kilometer langen Bach, Lebensraum von mehr als 300 Pflanzen, wovon 92 auf der Roten Liste stehen, seit 1995 ausgewiesen als Naturschutzgebiet: Das sind Daten und Fakten zum Kleinen Lautertal bei Blaustein. In diesem Seitental der Blau mit seiner Karstquelle, mit Wiesen, Heiden, Felsen und Schluchtwäldern suchen viele Menschen Erholung, andere arbeiten dort. Einige haben uns ihre Lieblingsplätze im Kleinen Lautertal verraten.

Unsere Leserin Christiane Fischer aus Ulm fährt gern mit dem Fahrrad ins Lautertal, und zwar auf dem Radweg bis Herrlingen, dort durch den Lindenhofpark und über einen nur kleinen Anstieg auf den ebenen Lautertalweg. Vorbei an markanten Felsen am Südhang, wo es immer ein bisschen wärmer ist als in der Umgebung, zieht der Weg sanft ansteigend bis Lautern, wo sich in der „Krone“ die erste Einkehrmöglichkeit bietet. Die zweite besteht unweit der Kirche „Zu unserer lieben Frau“: im „Lamm“, nahe der Lauterquelle. Im Quellsee spiegelt sich ein Fachwerkgebäude. „Das ist wunderbar romantisch, das ist nicht künstlich gemacht“, sagt Christiane Fischer.

Wirt Karl Gauss führt die „Krone“ in der dritten Generation. Der 63-Jährige hat das Gasthaus an der Lauter von seinen Eltern übernommen. Er schätzt „die Ruhe im Tal“, wie viele seiner Gäste. Das Lautertal sei das perfekte Naherholungsziel, Städter aus Ulm finden nach nur wenigen Minuten Fahrzeit intakte Natur. „Die Natur ist unser Kapital, deswegen kommen die Leute“, sagt Gauss, der gerade Gäste aus den USA verabschiedet hat, die „ganz begeistert waren“. Ehefrau Rosemarie sagt: „Jeder Monat hat ein anderes Bild. Mal sehen wir einen Graureiher, mal Enten mit Kücken, dann einen Rehbock.“ Karl Gauss’ Lieblingsplatz ist eine Jägerhütte oberhalb des Tales, gelegen zwischen Lautern und dem Hohen Fels. „Es gibt ein Bild von ihm, wo er dort als kleiner Bub zu sehen ist“, verrät Rosemarie Gauss.

Feldschütz Heinz Rösch ist mit seinem Hund Spike im Auftrag der Gemeinde Blaustein im Lautertal unterwegs, achtet auf den Schutz der Natur und das geregelte Miteinander von Landwirten, Wanderern und Mountainbike-Fahrern. Schon als Bub erkundete der Wippinger das Tal und kümmert sich heute auch um historische Grenzsteine. Weit hinten, wo die bewaldeten Schluchten enger werden und es einsam ist, sei es für ihn am schönsten, sagt Heinz Rösch, der aber auch die Felsformationen zwischen Herrlingen und Lautern überwäligend findet. Sein Tipp für Wanderer: Vom Tal aus zum Naturfreundehaus Spatennest hochsteigen und den Blick genießen.

Umweltbeauftragte Elke Bossert hat kürzlich den Betriebsausflug des Blausteiner Rathauses organisiert. Eine Biologin habe am Rande des „eigentlich unspektakulären“ Waldwegs im Tal viele Blumen und Kräuter gezeigt. Für Elke Bossert ein Beweis dafür, dass das Kleine Lautertal an jeder Ecke Besonderes zu bieten hat. Beruflich hat sie im Tal dann zu tun, wenn loses Gestein der Kalkfelsen gesichert werden muss oder wenn es darum geht, Regelungen für die Nutzung der Landschaft, etwa durch Radfahrer, zu erarbeiten. Auch Elke Bossert hat einen Lieblingsplatz: die „Kunstplatte“, einen versteckten Aussichtspunkt. Den Weg dorthin beschreibt sie nicht. Einige geheime Orte tun dem stark frequentierten Tal ganz gut.

Info
Wandertipps zum Kleinen Lautertal gibt's unter: blaustein.de