Ehingen / BERNHARD RAIDT  Uhr
Über die Zukunft der Schlecker-Konzernzentrale in Ehingen fällt womöglich Ende des Monats eine Entscheidung. Doch was passiert dann mit dem prominentesten Nutzer des Gebäudes - Anton Schlecker selbst?

Anton Schlecker ist derzeit häufig zu sehen - im Fernsehen. Montagabend waren wieder ein Spielfilm und eine Dokumentation über die spektakuläre Pleite des Drogerieunternehmens Schlecker zu sehen. In seiner Heimat, in Ehingen, ist von Schlecker dagegen nichts zu sehen. Wie schon seit vielen Jahren lebt der einstige Drogeriekönig vollkommen zurückgezogen, schottet sich ab. Noch immer aber nutzt er Berichten zufolge sein Büro in der ehemaligen Hauptverwaltung des Schlecker-Konzerns in der Ehinger Talstraße. Die CML Immobilienverwaltung hat das Büro vom Insolvenzverwalter angemietet. CML - dieses Kürzel steht wohl für Antons Schleckers Familie, also für Christa, Meike und Lars.

Schon seit Längerem laufen Gespräche, wie es mit der ehemaligen Konzernzentrale weitergehen soll. Wie berichtet, hat die Stadt Ehingen eigens eine Gesellschaft gegründet und versucht, das fast leer stehende Bürogebäude zu übernehmen. In dem riesigen Glasfassaden-Klotz sollen Unternehmen angesiedelt werden. Doch die Verhandlungen verlaufen zäh. Beide Seiten äußern sich zurückhaltend, wenn sie nach den Gründen gefragt werden.

Zum Verkauf stehen die Grundstücke, einschließlich der Immobilie der Schlecker-Zentrale, schreibt Patrick Hacker, Pressesprecher des Insolvenzverwalters. Die Konditionen seien allen Verhandlungspartnern seit längerer Zeit bekannt. "Wir würden uns freuen, wenn der Notartermin zur Vertragsunterzeichnung zeitnah realisiert werden könnte", schreibt Hacker.

Ende dieses Monats soll es jetzt eine erneute Verhandlungsrunde geben. Das berichtet der Rechtsanwalt und Unternehmensberater Michael Gassner. Er ist einer der Geschäftsführer und neben der Stadt Teilhaber der Businesspark Ehingen Donau GmbH (BED), die die Übernahme der ehemaligen Konzernzentrale anstrebt. Gassner ist zuversichtlich, dass der Notartermin bald zustande kommt, mit dem der Verkauf des Gebäudes an die BED besiegelt wird.

Oberbürgermeister Alexander Baumann wollte dieser Prognose auf Anfrage "nicht widersprechen". Sobald die BED Zugriff auf das Gebäude bekommt, gibt es laut Gassner bereits eine lange Liste von in Frage kommenden Mietern. Wenn eine Vermietung am Stück nicht funktioniere, dann eben in Teilflächen - die Rede ist auch von Start-Ups, also kleinen, jungen Unternehmen, die sich in der Ehinget Talstraße ansiedeln könnten.

Doch was passiert mit Anton Schleckers Büro, wenn die ehemalige Konzernzentrale verkauft wird? "Jeder Mieter ist willkommen", sagt Gassner dazu. Alle, die pünktlich bezahlten und sich an die Vereinbarungen hielten, seien gute Mieter. Dass Anton Schlecker offenbar immer noch sein ehemaliges Büro nutzt, will Gassner nicht kommentieren: "Ich bin in der Psychologie anderer Menschen nicht bewandert."

Mögliche andere Mieter dürften von Anton Schlecker nicht viel mitbekommen, falls er sein Büro auch künftig nutzen wird. Der ehemalige Konzern-Chef sei sowieso kaum je außerhalb seines Büros zu sehen gewesen, selbst in den Zeiten als sein Unternehmen noch existierte, sagt ein mit der Sache Vertrauter. Auch in Zukunft werde er sich wohl nur in seinem Bereich aufhalten.

Oberbürgermeister Baumann spürt dieser Tage jedenfalls deutlich, dass Schlecker wieder Thema ist. Es gebe etliche Anrufe von Medienvertretern, berichtet Baumann. In den vergangenen Tagen wollten die Journalisten vor allem eines wissen: Ob er sich am Montag den Schlecker-Spielfilm und die anschließende Doku anschaue. Das hat er nicht getan. Baumann besuchte die Sitzung des Ortsverbands des Roten Kreuzes, er ist dessen Vorsitzender.

Geringes Interesse an Spielfilm und Doku

Reaktionen Viele Ehinger scheint das Thema "Schlecker-Insolvenz" und das wieder aufgeflammte Medieninteresse daran zu nerven. Wer etwa in der Konzernzentrale anruft, hört einen netten Herrn, der sich mit "Schlecker in Insolvenz" meldet. Von Filmen will er nichts wissen. Er schaue sich die nicht an und wolle sich auch sonst nicht zu dem Thema äußern. Er meint nur, "es ist dazu schon viel zu viel gesagt und geschrieben worden". Auch der ehemalige Ehinger Oberbürgermeister Johann Krieger hat am Montag nicht ferngesehen, er habe vielmehr Sport getrieben. Er wisse auch nicht, warum die Angelegenheit wieder aufgewärmt werden müsse, sagt Krieger. Das Lebenswerk von Anton Schlecker sei zerstört, der Mann müsse mal in Ruhe gelassen werden.

SWP