Handball Schäfers frecher Heber rettet der SG BBM einen Punkt

Jonathan Scholz und die SG BBM haben am Dienstagabend in der ausverkauften Erzgebirgshalle in Lößnitz kühlen Kopf bewahrt. Hier attackiert der Bietigheimer Linksaußen das Tor des EHV Aue (rechts Schlussmann Robert Wetzel).
Jonathan Scholz und die SG BBM haben am Dienstagabend in der ausverkauften Erzgebirgshalle in Lößnitz kühlen Kopf bewahrt. Hier attackiert der Bietigheimer Linksaußen das Tor des EHV Aue (rechts Schlussmann Robert Wetzel). © Foto: Frank Kruczynski
Andreas Eberle 28.12.2016

Der Zweitligist SG BBM Bietigheim hat sich mit einem Unentschieden aus dem Handball-Jahr 2016 verabschiedet. Am Dienstagabend holte der Tabellendritte aus dem Enztal beim EHV Aue ein 25:25 (15:14) – und die SG-Spieler wussten am Ende nicht, ob sie sich nun über diesen einen Punkt freuen sollten oder nicht. Denn in der 49. Minute hatten sie noch mit fünf Toren geführt. Andererseits machte Christian Schäfer in der dramatischen Schlussphase mit seinen Treffern neun und zehn noch einen Zwei-Tore-Rückstand wett. Exakt eine Sekunde vor Spielende überwand der überragende Rechtsaußen den Auer Keeper Erik Töpfer mit einem frechen Heber zum 25:25.

Das SG-Team musste auf Hartmut Mayerhoffer verzichten – der Coach fiel kurzfristig mit einer Magen-Darm-Grippe aus und blieb zu Hause. In die Bresche sprangen Teammanager Jens Rith und Torwart-Trainer Hans-Ulrich „Bulli“ Kämpf, die in der mit 2060 Zuschauern ausverkauften Erzgebirgshalle gemeinsam das Coaching übernahmen. „Eigentlich dürfen wir so ein Spiel nicht mehr aus der Hand geben, aber ich bin dennoch zufrieden. In Aue einen Punkt mitzunehmen, ist aller Ehren wert. Das werden nach dem Trainerwechsel dort nicht mehr viele Mannschaften schaffen“, stellte Rith fest.

Nach ihrem 400-Kilometer-Trip an die tschechische Grenze hatten die Gäste im Spiel zunächst Anlaufprobleme. Dagegen gingen die Sachsen nach drei Siegen hintereinander selbstbewusst zur Sache und auch gleich in Führung: Ihr Kapitän Eric Meinhardt erzielte die ersten zwei Tore der Partie zur 2:0-Führung der Hausherren. Beim 9:6 (16.) und 11:8 (20.) lag der EHV sogar jeweils mit drei Toren vorne.

Ebner ersetzt Edvardsson im Tor

Das Duo Rith/Kämpf handelte und schickte nun Domenico Ebner für den isländischen Star-Torhüter Aron Edvardsson zwischen die Pfosten – und damit bewiesen die Mayerhoffer-Vertreter ein gutes Gespür, denn Ebner erledigte seinen Job einmal mehr vorbildlich. Und vorne schlugen die Schwaben nun eiskalt zu: Innerhalb von 88 Sekunden sorgten Patrick Rentschler, Jonathan Scholz und Paco Barthe für den 11:11-Ausgleich (22.). Spätestens jetzt war die Spielgemeinschaft voll in der Partie angekommen und spielte den Tempohandball, der sie über weite Strecken der Saison so stark gemacht hatte. Auch die Chancenverwertung stimmte in der ersten Hälfte. Sie war in den drei Begegnungen davor das große Manko der Mayerhoffer-Schützlinge gewesen. In der 29. Minute warf Schäfer die SG BBM mit seinem Tor zum 13:14 erstmals in Front. Mit einem Treffer Vorsprung und einem 14:15-Halbzeitstand ging Bietigheim in die Pause.

Auch im zweiten Durchgang setzte die Spielgemeinschaft die ersten Akzente. Sukzessive bauten die Gäste ihre Führung über 19:16 und 21:16 bis zur 49. Minute auf 22:17 aus. Die Bietigheimer Handballer, so schien es, hatten dem Team der Stunde den Zahn gezogen. Doch Pustekuchen. Der EHV feierte ein fulminantes Comeback, während die Bietigheimer nun die letzte Konsequenz vermissen ließen und sich den einen oder anderen technischen Fehler zu viel erlaubten. Zudem kam die SG BBM mit der offensiven 5:1-Deckung, mit der der Gegner in der Endphase operierte, gar nicht klar. Die Folge: Aue holte Tor um Tor auf und lag eineinhalb Minuten vor Spielende mit 25:23 vorne. Doch ein letztes Mal raffte sich die Mannschaft um Kapitän Julius Emrich auf. Mit seinen zwei Treffern sorgte Schäfer noch für ein Bietigheimer Happy End und ein letztlich leistungsgerechtes Unentschieden.

„Die Jungs haben in der hitzigen Atmosphäre nicht den Kopf verloren und Moral bewiesen. Und natürlich hatte Chris Schäfer heute eine lupenreine Wurfbilanz“, sagte Rith, der das Coaching bei einem Zweitliga-Spiel als eine interessante Erfahrung verbuchte: „Die Jungs haben mich und ,Bulli’ super unterstützt. Es hat Spaß gemacht, auch wenn es für uns stressiger war als sonst. Hut ab vor den Trainern, die das Tag für Tag machen.“