Weißenhorn Rock'n'roll auf Gran Canaria

LEAH SCHIEBEL 12.12.2013
Seit der 7. Klasse, mit Beginn der „Rockodiles“-Karriere, hatte man auf diesen Augenblick hingefiebert. 39 Schüler der Q11 des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium Weissenhorn durften anlässlich des Blume-Tanzfestivals eine Woche auf Gran Canaria verbringen.
Nach dem Flug, bei dem die Vorfreude genauso zunahm wie die Wolkendichte abnahm, hieß es erst mal gleich: Raus aus den Klamotten! Denn die Insel empfing uns mit strahlendem Sonnenschein & Temperaturen von Mitte 20 °C. Das konnten wir uns in unseren Winterklamotten nicht gefallen lassen! Raus mit den kurzen Sachen und Sonnenbrillen! Auf der Busfahrt durch die karge Landschaft fiel sofort ins Auge: der Unterschied zu Deutschland ist groß. Von deutscher Ordentlichkeit war nicht viel zu finden, was man den vielen Gewächshäusern zum Teil ansah. Doch dieser Eindruck rückte schnell in den Hintergrund bei dem ersten Blick auf den Strand Playa del Ingles, der nur ein paar Meter Fussmarsch von unserem Hotel in Maspalomas entfernt lag. Teilweise schwarzer Sand, wenig Touristen und mit Blick bis zu den berühmten Dünen der Insel.

Viel Zeit zum Ausruhen hatten wir nicht: Gleich am Abend unser Ankunft stand der erste Auftritt im C.C. Yumbo Shopping Center an, eines von vielen, die oftmals nicht viel mehr als eine kleine, improvisierte Anhäufung von Läden waren, mit ganz eigenem Charme. Wir bestaunten erstmal eine ganze Menge unserer "Konkurrenten" aus aller Welt, darunter viele Rentner mit putzigen und zum Teil sogar akrobatischen Tanzeinlagen, aber auch gleichaltrige Tanzgruppen aller möglichen Stilrichtungen, sei es Hip-Hop oder Rhythmische Sportgymnastik. Sogar Deutsche sichteten wir bekamen natürlich Extraapplaus. Auch unsere mitgereisten, von Herr Wieser unterrichteten Paare wurden für ihren Auftritt frenetisch beklatscht. Nach dem ersten erfolgreich hinter uns gebrachten Auftritt konnten wir uns erstmals mit den Gepflogenheiten der Kanarier auseinandersetzen, sei es mit einem Bummel durch die vielen kleinen Lädchen, einem kurzem Einkehren in einer von zahlreichen Bars oder ein Entlangschlendern an der Strandpromenade.

Als welche der wenigen Touristen, die in dieser Jahreszeit die Insel besuchten, waren wir natürlich heiß begehrte Ware bei den Kellnern: Jeder hatte hohe Motivation und viele Argumente, warum wir ausgerechnet in ihrem Restaurant zu Abend essen sollten-doch konnten wir uns ihnen erfolgreich widersetzen. Nachdem alle (mehr oder weniger) pünktlich um 24 Uhr wieder im Hotel waren, ging es am nächsten Tag gleich weiter im Programm: Die obligatorische Dünenwanderung stand an! Jeder "Rockodile" hatte schon Fotos von den für uns damals "großen" Oberstüflern gesehen, die ausgelassen Dünen hinunter stürmten oder durch den Sand wateten- endlich waren wir damit an der Reihe. Nach einer 4 km langen Strandwanderung morgens um 10 Uhr -Busse kosten in Gran Canaria mehr als Taxi fahren, ein weiterer deutlicher Unterschied zu Deutschland- ging es rein in den warmen Sand. Wir merkten schnell: Herr Wiesers Tempo ist straff! Doch trotzdem genossen wir alle die einzigartige Landschaft: hinter uns die rauen Berge der Vulkaninsel, vor uns die Bilderbuchdünen und ein atemberaubender Blick auf das strahlend blaue Meer und den feinen Sandstrand. War es bis jetzt bewölkt, klarte es spätestens jetzt ganz auf . Dieses Panorama werden wir so schnell nicht vergessen! Das musste natürlich festgehalten werden, auch wenn nicht alle Kameras den Sand so gut vertrugen wie wir. Nach circa einer Stunde konnte sich auch der letzte von den Dünen trennen und es galt wieder die freie Zeit zu nutzen, sei es mit sich lohnenden Fotos entlang des Strandes, einem kurzen Hüpfen ins Meer oder einem Absacker in einem der vielen Restaurants. Abends brachen wir zusammen abermals zu einem weiteren Auftritt in dem C.C. Yumbo Shopping Center auf, nachdem der letzte Sand aus allen Taschen und Haaren beseitigt war und man schon den Ersten die Sonnenstrahlen ansah.

Weiterhin wichen wir erfolgreich den Kellnern aus, im Eilauf und mit dem entschlossenen Blick "Wir kaufen nichts!". Allgemein kam der Sport nicht zu kurz! Am dritten Tag unseres Aufenthaltes hatten uns unsere Lehrer nämlich zu einem Zumba-Workshop angemeldet, der von einer "rassigen" (Zitat Herr Wieser) Spanierin geleitet wurde, die auch den letzten von uns Feuer unterm Hintern machte- und das Schülern morgens um 9 Uhr! Spätestens jetzt waren alle wach, was aber auch an den auf jeden Fall genauso rassigen Spaniern lag, die mit uns in der Gruppe tanzten und ein genauso beneidenswertes Körpergefühl hatten wie gute Stimmung. Der perfekte Start für einen weiteren Tag voller Shopping durch kleine Läden, Sonne und Faulenzen am Strand. Doch ganz ausweichen konnten wir der eigentlichen Jahreszeit nicht: Eine Schülerin hatte Spekulatius mitgebracht, was hier so gar nicht reinpassen wollte und auch schon in unserem Hotel begannen erste Adventsvorbereitungen. Es fühlte sich so komisch an, jetzt an Weihnachten zu denken! Das sollten wir auch noch in Las Palmas sehen. Doch dazu später mehr. Erst mal stand unser nun schon dritter Auftritt im C.C. Yumbo Shopping Center an. Mittlerweile kannten wir den Weg und die Kellner auf dem Weg kannten uns, was recht angenehm war! Hier war nichts zu holen, das merkte jetzt auch der letzte, egal in welcher Sprache sie es versuchten. Doch weiter im Programm: Wir wollten ja auch schon mal mehr von der Insel sehen, die ja immerhin für ihre abwechslungsreiche Landschaft bekannt ist und deshalb sogar "Minikontinent" genannt wird. Im Winter ist es manchmal sogar möglich, am gleichen Tag in der Mitte der Insel in den Bergen Ski fahren zu gehen und im Meer zu baden. Um diese eigene kleine Welt zu erkunden, war für den nächsten Tag eine Inselrundfahrt organisiert, die uns zunächst durch Las Palmas hindurch führte. Hier wurde es erstmals weltlicher, zum Teil erinnerte die Stadt sogar mit ihrer Strandpromenade und den hohen Palmenalleen an eine Metropole wie San Francisco. Herr Wieser erstaunte uns gleich zu Beginn mit enormen, detailverliebtem Wissen über die Insel - Gottseidank hatte der Bus ein Mikro, sonst wäre diese immerhin den ganzen Tag dauernde Tour ein ganzes Stück langweiliger gewesen! Er konnte uns Auskunft geben über die Art des Gesteins auf der von Bergen dominierten Westseite der Küste, wo auf der Insel die von Touristen noch am ehesten unberührten Fischerstädtchen waren und was und wozu in den zahlreichen Plantagen angebaut wurde.

So führte uns unser Weg entlang der Bananenplantagen- immer an der Küste entlang- über Arucas durch die Berge nach Agaete, wo wir rasteten und die verträumte Landschaft bestaunen durften, die auch mit ihren verhangenen Bergen eine gute Kulisse für einen Film bieten könnte. Nun, an der Westseite der Insel, schlängelte sich unser Bus durch enge Pässe, nichts also steil rechts unten das Meer und steil links oben die Berge. Nicht umsonst kam uns irgendwann das Lied "Ein Hoch auf unsern Busfahrer an" an! Bei einem weiteren Stopp an einem Kiosk in den Bergen, dessen Besitzer Herr Wieser als alteingesessener Gran Canaria Tourist natürlich kannte, fiel uns der starke Wind und , mit einem Blick nach oben, eine Seltsamkeit auf: Um uns herum herrschte bloße Kargheit & so gut wie keine Vegetation, allenfalls mal ein Kaktus oder eine Palme, doch - auf den Berggipfeln wuchsen Nadelwälder! Herr Wieser erklärte uns dies folgendermaßen, die Baumgrenze führe hier von oben nach unten, da in Talnähe die Luft oftmals für die Bäume zu heiß sei. Wenn jetzt auch noch feuchte Luft absinke, komme sie an den Gipfeln der Berge zuerst an und da hier auch die Temperatur moderater für diese Waldvegetation sei, entstünden so die für uns Deutsche recht seltsam anmutenden Hochlandwälder. Weiter ging's! Es dauerte keine 10 Minuten, bis schon wieder Herr Wieser gefragt war: uns fielen knallgrüne Gesteinsbrocken mitten im Berg auf- das war doch nicht normal? Er wusste wieder Rat: Gran Canaria als Vulkaninsel besteht aus Meeresgestein mit verschiedenen Gesteinsschichten.

Durch das Hochdrücken durch den Vulkan wurden diese freigelegt- Das Grüne war Kupfer in seiner ursprünglichen Form! Doch leider sei es zu wenig, um es gewinnbringend abzubauen…der ein oder andere sah schon den großen Gewinn. Bei einer weiteren, ziemlich ausgedehnten Pause rasteten wir im Städtchen Puerto Mogan, keine 20 km nunmehr von unserem "Zuhause" in Maspalomas entfernt. Die einen zog es verständlicherweise an den Strand- immerhin hatte es mal wieder um die 26°C- die anderen erkundeten das sehenswerte "Klein-Venedig", ein Stadtviertel ganz im Stile von, wie der Name schon sagt, Venedig gestaltet, mit vielen Läden, einem kleinen Hafen und sogar wirklich stilecht Kanälen! Aber auch die Strandpromenade war, mit Blick auf Klippen und die Weiten des Atlantiks, nicht zu vernachlässigen. Unsere Busreise führte uns abschließend durch einen zum Teil eher unschönen Teil der Insel: Puerto Rico. Hier hatte der Massentourismus voll zugeschlagen, es gab entweder schroffes Gestein oder (zum Teil sogar unfertige) Hotelbunker zu bestaunen, was das Ganze auch nicht besser machte. Zum Glück war das Hotel nicht mehr weit und es gab sogar, nach diesem doch recht anstrengendem Tag, einen Auftritt-freien Abend. Doch so schade fanden wir das nicht, es gab allein in Maspalomas viel zu entdecken. Allein schon der Hotel-Jacuzzi brauchte seine Aufmerksamkeit! Doch unser Entdeckerprogramm fand am nächsten Tag gleich seine Fortsetzung: Es wurde hochoffiziell! Der Tourismusminister von Gran Canaria, Herr Melchon Camon Torres, hatte uns zu einem Empfang eingeladen, da unsere Schultradition, alljährlich nach Gran Canaria zu fahren, dort großen Anklang fand und uns man für den immerhin schon 11. Besuch der Insel und des Blume-Festivals ehren wollte. Er bedankte sich sogar nochmal persönlich bei uns. Nach den offiziellen Fotos für die dortige Lokalzeitung- über unseren Besuch wurde sogar im Insel-Tv berichtet!- bekam jeder noch ein Paket, gefüllt mit Reiseführer, Kappe und sogar einem eigens designten Gran Canaria USB-Stick. Tja- was macht man nun so als Jugendliche, wenn einem mal wieder kostbare Freie Zeit zur Verfügung steht und man sich gerade in der Großstadt aufhält? Richtig: Der eine Teil fuhr zum Shoppen in ein nahes Einkaufszentrum, das geradezu nach Geld-Ausgeben schrie der vorletzte Tag musste schließlich gebührend genutzt werden. Der andere Teil machte sich mit den schon ortskundigen Lehrern und Matze - und natürlich mit unseren blauen Gratis-Kappen- auf Tour durch die Altstadt, inklusive Fischmarkt und Kirche mit Blick über die ganze Stadt. Interessant, was die Leute so alles auf ihren Dachterrassen stehen haben. Und schon nahte unser letzter Auftritt:

Bei der "Jesus Telo Nunez" Gala in Sporthalle in Las Palmas. Mit einem eigentlichen Beginn von 17 Uhr machte sich gegen 18 Uhr Unruhe bei uns breit- keine Gala in Sicht. Hier spürte man die spanische Mentalität hautnah, auch jetzt war keine Eile angesagt. Also warteten wir weiter und feuerten eifrig die in u. a. Rhytmischer Sportgymnastik konkurrierenden Gruppen an und stellten neidisch fest: hier sind schon die fünfjährigen beweglicher als wir je werden werden! Irgendwann schob Herr Wieser unseren Auftritt einfach zwischen zwei Siegerehrungen. So kamen wir zu unserem letzten Auftritt vor grossem Publikum und trotzdem pünktlich zu unserem Abendessen im Hotel. Entspannt, dass schlussendlich alles geklappt hatte, konnten wir nun den Abend in dem uns inzwischen vertrauten Maspalomas ausklingen lassen. Vielleicht ließ der eine sich sogar von manch einem Kellner schlussendlich überreden, hier einzukehren. Und da war er! Der letzte Tag! Die Woche voller Sonne und Entspannung neigte sich dem Ende zu. Wenigstens konnten wir auch am letzten Tag noch aus den Vollen schöpfen, denn er war vollkommen- frei! "Dies hat es so noch nie gegeben"- uns kam es nur zugute und in Gedanken verabschiedete man sich bei dem Schlendern durch die inzwischen vertrauten Gassen und entlang der viele streunenden Katzen schon mal wehmütig. Langsam aber schleichend ging auch dieser Tag, voll von Volleyballspiel am Strand und letzten Fotos, zu Ende. Spätestens jetzt merkte man: Die Woche hatte sich gelohnt! Für die einen erkennbar an ihrer Hautfarbe, für die anderen an dem gewachsenen Volumen ihrer Lungen, denn gemütlich geschlendert wurde selten. Dennoch waren und sind sich alle einig: Diese Woche wird in unserem Gedächtnis bleiben! Sie war gefüllt mit Gemeinschaft, Sonne und Unternehmungen und es war eine einmalige Gelegenheit, so viel Zeit außerhalb der Schule mit den Freunden und Klassenkameraden zu verbringen (und auch mal sein Tanzkönnen zu zeigen).

Schon auf der Fahrt zum Flughafen wurden trübsinnig die letzten Fotos angeschaut und die zurückliegenden gemeinsamen Erlebnisse besprochen. Leider mussten wir uns hier von Herr Wieser, Matthias und den 3 mitgereisten Ulmer Paaren trennen- ein weiterer Wermutstropfen. Doch Frau Poralla-Frunder schaffte das auch alleine gekonnt unsere ganze Truppe erfolgreich durch den Check-In zu befördern mit allen Koffern und so manch sperrigem Handgepäck. Alle schon in wintergeeignetere Kleidung gepackt als mittlerweile gewohnt, schwitzten wir am Flughafen ein letztes Mal vor uns hin. Schliesslich wurde unser Flug aufgerufen und es hiess nun wirklich: heim geht's! Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn auch auf die Zurückgebliebenen daheim freuten wir uns- und auf Schnee! Die frohe Kunde war schon am Mittwoch zu uns durchgesickert. Nach ein Nachtflug voller Turbulenzen und Umwegen (wir flogen im Zickzack über Marokko, die Balearen und Mailand) kamen wir an- und froren sofort. Auch der Schnee hatte sich inzwischen verkrümelt. Nachts um kurz nach eins war dann schließlich jeder heil zuhause angekommen und auch Herr Wieser und Konsorten kehrten am darauffolgenden Tag gesund zurück. Danke an alle für dieses Erlebnis, besonders Herr Wieser, Frau Poralla-Frunder Und Matthias Kanisch- ohne sie wäre die Woche nicht annähernd so lustig, informativ und toll geworden!