Wer im normalen Leben mit Kleinwagen unterwegs ist und rückwärts Einparken gern als männliches Herrschaftswissen akzeptiert, dem flößt so ein sieben Meter langes Wohnmobil Respekt ein. Man könnte auch sagen Angst. Gleiches gilt für die Aussicht, eine Woche lang auf engstem Raum zusammenzuleben und kein warmes Bad für sich allein zu haben. Kurz: Camping stand auf meiner Wunschliste immer ziemlich weit unten. Aber gut, der Freetec A 693 G ist kein Zelt, sondern eher ein Wohnschiff. Er hat eine Dusche und ein Klo, natürlich kann man kochen und die Betten im Alkoven und im Heck bieten genug Platz für vier Leute. Nach einer kurzen Einweisung, verbunden mit dem Hinweis auf die Höhenwarnschilder zu achten, geht es los.

Erster Halt Haderslev, Süddänemark, Vikar Strandcamping. Verantwortlich für die Navigation: Henri, 12, ein sogenannter digital native, der Landkarten und Verkehrsschilder als hoffnungslos veraltet und überflüssig ablehnt. Es gibt ja Google. Das Ganze endet auf einem Feldweg, eineinhalb Meter breit, Wenden in 88 Zügen und kichernden Geschwister im Fond des Wohnmobils. Rückwärts Einparken kann mich nach diesem Erlebnis nicht mehr schrecken. Während am Wohnmobil Strom- und Wasserversorgung ohne große Probleme sichergestellt werden, erobern die Kinder den Camping-Platz. Besonders begeistert sind sie von den überdimensionalen Hüpfkissen, die in Deutschland bestimmt als viel zu gefährlich gelten. Auch die Duschen überraschen. Alles sauer, überall ist es warm, und es gibt natürlich einzelne Kabinen sowie richtige Familien-Bäder. An manchen Plätzen sind diese sogar mit Whirlpool ausgestattet. Ob man dafür extra zahlen oder einfach nur einen freien Platz erwischen muss, ist unterschiedlich.

Am nächsten Tag geht es zurück auf die.Unser Ziel heißt „Vestbirk Camping Ostbirk“. Etwas verwirrend, doch der Weg ist leicht zu finden. Der Platz liegt am Fluss Gudena, dem längsten Dänemarks, der an dieser Stelle zum Gudena- See aufgestaut wird. Auf einer Halbinsel ist viel Platz, auch für große Wohnmobile. Das Wetter erstklassig. 29 Grad, Sonne, ein kleines Freibad, Streichelzoo und dann noch eine Kanutour – was will man mehr. Vor allem die Fahrt mit dem Kanu macht den Kindern Spaß. Eigentlich sind es ja drei Seen, auf denen man paddelt, verbunden durch den Gudena. An manchen Stellen reichen die Äste der Bäume bis an die Wasseroberfläche, man muss aufpassen, dass keiner über Bord geht.

Nach zwei Nächten wird wieder gefahren. Nächster Halt ist das Städtchen Ebeltoft, das eine wunderschöne Altstadt hat. Doch wenn ein Sechsjähriger ein Piratenschiff entdeckt, bleibt für Fachwerk-Häuser keine Zeit. Die Fregatte Jylland ist eigentlich kein Piratenschiff, sondern eher das Gegenteil. Sie gehörte nämlich einst der dänischen Marine, doch diese Details interessieren niemand. Vorder- und Hinterlader-Kanonen, drei Masten samt Takelage, das echte Bett des Kapitäns und sogar das Original-Klo sind noch vorhanden. Die Kinder werden am Eingang mit einer Karte ausgestattet und machen sich durchs Museum auf den Weg, die Geheimnisse der Jylland zu entdecken. Am Ende gibt es ein kleines Geschenk.

Nach einem kurzen Snack – Nudeln mit Tomatensoße schmecken auch am kleinsten Parkplatz – geht’s über Greena und Randers am wunderschönen Mariager Fjord entlang bis nach Oster Hurup zum Kattegat Strand Camping. Der Platz hält, was er verspricht – unser Wohnmobil ist nur von einer Düne getrennt von Sand und Wellen. Ein Bad in der Ostsee ist Pflicht, obwohl inzwischen ein wenig Wind aufgekommen ist. Es gibt zwar auch ein nagelneues beheiztes Freibad, aber wer braucht das schon, wenn die Wellen direkt vor der Nase sind. Nur das Kleintiergehege mit den süßen Meerschweinchen und Hasen muss ausgiebig bespielt sein.

Vor der Abfahrt in Deutschland war eins ausgemacht worden: Mama fährt mit dem Wohnmobil keinesfalls auf irgendeine Fähre. Doch da plötzlich ist die Küstenstraße aus – der Langerak-Fjord unterbricht sie. Außer dem Wohnmobil hätte wohl kein anderes Auto mehr auf dieses Fährchen gepasst, links und rechts vom Außenspiegel wären nur jeweils zehn Zentimeter Platz – dieses Abenteuer ist doch zu viel. Einstimmiger Familien-Beschluss: Der lange Weg ist der bessere. Am Abend erreichen wir trotzdem die Nordsee. Der Skiveren Camping in Albaek gehört zu den besten Plätzen im Land. Auch hier ist das Freibad dabei, obwohl der Strand vor der Haustüre liegt. Durch die Dünen geht es an die Nordsee, die Wellen sind deutlich höher, der Wind lässt die Kite-Surfer durch die Lüfte fliegen.

Ein Ausflug nach Skagen ist natürlich Pflicht, schließlich ist das die Spitze des dänischen Festlandes. Hier treffen Nord- und Ostsee aufeinander. An diesem Tag ist es ein wenig regnerisch und windig. Die meisten Besucher lassen sich mit einer Bahn an die Spitze fahren, hängen die Zehen ins Wasser und kehren wieder um. Doch es ratsam, den einen Kilometer zu Fuß zu laufen. Es lohnt sich auch, an der Spitze Socken und Schuhe auszuziehen, die Hosen hochzukrempeln und durch das ziemlich kalte Wasser ganz nach vorne zu stapfen. Eigentlich wollte Charlotte nur mit einem Bein in der Nordsee, mit dem anderen in der Ostsee stehen. Doch was sie an dieser Spitze noch viel mehr entzückt: Robben, ganz echt und lebendig. Sie liegen im Sand.