Fortbildung Rettungshunde aus ganz Deutschland trainieren in Hohenlohe

Gerabronn / Oliver Färber 02.06.2018

Bourbon ist einer, dem die Arbeit sichtlich Spaß macht. Er kann es kaum erwarten. Er hüpft von einem Bein aufs andere – oder besser gesagt von einer Pfote auf die andere. Frauchen Sabine Schroeder legt ihrem siebenjährigen Bloodhound-Rüden das Geschirr an – und er weiß damit, gleich wird es ernst. Obwohl das, was jetzt kommt, für ihn ja eigentlich ein Spiel ist. Die Berlinerin lässt ihr Tier an einem Tuch in einem Plastikbeutel riechen. Und Bourbon läuft los.

Seine Nase ist dabei gar nicht so oft am Boden. Wer es nicht wüsste, würde eher denken, die 56-Jährige geht mit ihrem Vierbeiner im flotten Schritt Gassi. Der ist aber hoch konzentriert.

Und es ist auch optisch deutlich, dass die beiden gerade arbeiten. Schroeder trägt ihre auffällige Warnweste vom Bundesverband Rettungshunde. Beide sind zum Seminar der German Bloodhound Mantrailing Association (GBMA) gekommen. 16 Hundeführer mit 18 Tieren aus ganz Deutschland geben sich in Gerabronn ein Stelldichein – etwa aus Thüringen, Hannover, Hamburg oder Brandenburg, auch von unterschiedlichen Organisationen wie der Feuerwehr, dem Deutschen Roten Kreuz oder dem Bundesverband Rettungshunde.

Sie haben allerdings nicht nur Vierbeiner der Rasse Bloodhound dabei. „Die eignet sich aber besonders für diese Arbeit“, weiß Michael Reissig von der GBMA. Ihr Nasen können besonders gut Gerüche unterscheiden. Anders als andere Rettungshunde, die beispielsweise verschüttete Menschen unter Trümmern finden, suchen die Tiere, die beim
Seminar dabei sind, speziell nur diesen einen Gesuchten anhand einer Geruchsprobe. „Denn der Geruch ist auch ein genetischer Fingerabdruck“, so der Fachmann.

Die Hundenasen sind so fein, dass sie fast immer ihre Fährte finden. „Selbst wenn jemand einen Vollschutzanzug anzieht, muss er ihn ja vorher berühren und hinterlässt Geruchsmarker“, erklärt Reissig. Selbst Autos, in denen Flüchtige oder Opfer sind, können so verfolgt werden. „Durch die Lüftung gelangt der Geruch nach draußen“, verrät er, wie das funktioniert.

Erfahrung bei Hund und Mensch

Alle Hundeführer, die in Hohenlohe dabei sind, seien einsatzerfahren – besonders gelte das für die Trainer, deren Ausbildung Jahre dauere. „Schließlich tragen alle Verantwortung. Im Einsatz geht es immerhin um Menschenleben“, macht Reissig deutlich. Der Hund allerdings, der weiß das nicht. Aber der Mensch nutzt ein angeborenes Verhalten: „Im Endeffekt ist das, was wir machen, ein Jagdspiel“, meint der Fachmann.

Und das funktioniere – egal, ob über 200 Meter oder 20 Kilometer, ob auf Wiesen oder in Großstädten. Wichtig sei eben auch, wie lange der Hund durchhalten könne. Schließlich ist die Arbeit anstrengend. Ein Mensch, der ständig in hoher Frequenz ein- und ausatme, halte dies beispielsweise nicht lange durch. „Das ist für den Hund ein Hochleistungssport“, macht Reissig einen Vergleich.

Auch für Schroeder ist es nicht ohne, mit Bourbon mitzuhalten – vor allem seit ihrer Knieoperation. Es geht durch Straßen und Gassen. Als ein Radfahrer vorbeifährt, hält Bourbon kurz an, wie er es gelernt hat.

Es dauert nicht lange, und er findet den fiktiv Vermissten hinter einem Container. Die Freude bei Bourbon ist groß – vor allem über die Kuscheleinheiten.

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